Ärzte Zeitung, 30.05.2008

UND SO SEH´ ICH ES

Quod erat demonstrandum: Die Dummheit ist unendlich

Albert Einstein wurde zwar in Ulm geboren, verbrachte dort aber nur seine ersten Jahre und zog bald in die Schweiz, wo er sein Physikstudium absolvierte und als Kanzleiangestellter in einem Büro arbeitete. Als solcher veröffentlichte er auch seine Theorien; die Grundlagen der Relativitätstheorie und die Formel der Äquivalenz der Masse und Materie, die unser Wissen in der Physik revolutionierten. Der 111. Ärztetag fand also in Einsteins Geburtsstadt statt - und soll entsprechend mit Einsteins Worten kommentiert werden.

Gleich zu Beginn kam die erste Enttäuschung. Ulla Schmidt schien Kreide geschluckt zu haben. Sie hielt zwar ihre Begrüßungsrede, gesagt aber hat sie rein gar nichts. So matt, so zahm und so wirkungslos haben die Ärzte sie in ihren bisherigen acht Jahren als Gesundheitsministerin noch auf keinem Ärztetag erlebt.

Kein brisanter Wortwechsel mit BÄK-Präsident Professor Jörg-Dietrich Hoppe, der mit Spannung erwartet wurde. So konnte Hoppe mit seinem Vortrag brillieren, und er geißelte insbesondere die "Speckgürtel", die unsere medizinische Versorgung fast erdrosseln. Mit "Speckgürtel" meint Hoppe die Belagerung des Gesundheitswesens durch eine ständig wachsende Zahl von Unternehmen, die sich an unserem Gesundheitssystem bereichern wollen. Einstein hätte dazu gesagt: "Es gibt keine vernünftigere Erziehung, als Vorbild zu sein. Wenn's nicht anders geht, ein abschreckendes."

Der Ärztetag in Einsteins Deutung

Lange beschäftigten sich die Delegierten mit dem "Ulmer Papier " - trotzdem geht es jetzt wieder zurück an den Vorstand. Es soll noch an mehreren Stellen nachgebessert werden. Besser wäre es gewesen, wenn man in kurzen markanten Sätzen die Forderungen der Ärzteschaft dargestellt hätte. Wann, wenn nicht jetzt (während des endlos langen Wahlkampfs vor den Bundestagswahlen), sollten die Ärzte forsch ihre Sorgen und Probleme kundtun und verlangen, sie zu lösen? Das "Ulmer Papier" kostete volle drei Sitzungstermine, Einstein hätte das so glossiert: "Wenn man zwei Stunden lang mit einem netten Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das nennt man Relativität."

Wie zu erwarten, wurde die elektronische Gesundheitskarte in der vorgedachten Form von den Delegierten abgelehnt. Einer der wortgewaltigsten Widersacher war Dr. Brunngraber aus Hannover. Seine Erkenntnis: " Gerade das staatlich verordnete, alle Patienten gesetzlich verpflichtende System einer globalen Speicherung sämtlicher Gesundheitsdaten einer Gesamtpopulation, das macht doch die Sache für die Wirtschaft erst interessant..." Einsteins Kommentar: "Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren."

Sämtliche Anträge, die die Situation der hausärztlichen Versorgung hätten verbessern können, wurden abgelehnt, oder aber das Wort "hausärztlich" wurde durch den Begriff "ärztlich" ersetzt. Der Konflikt bleibt also bestehen, und darunter leiden nicht nur die Hausärzte und die Patienten, sondern auch das Renommee der Ärzteschaft. Schon Einstein wusste: "Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit Radius Null, und das nennen sie dann ihren Standpunkt."

Sogar aus Anträgen des BÄK-Vorstands wurde der Terminus "Hausärzte" getilgt. Eins haben, wie man sieht, die ach so stolzen Fachärzte noch immer nicht begriffen: Zuerst stirbt der Hausarzt und die bürgernahe ärztliche Versorgung und dann... dann kommt die Staatsmedizin.

Das ist auch das Ziel gewisser politischer Kreise, die eine einheitliche staatliche Krankenversicherung, ähnlich der Gesundheitsversorgung der ehemaligen DDR wollen und sich gern der Hilfe von "nützlichen Idioten" bedienen. Einstein war ein weiser Mann: "Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." Dabei sagt man den Deutschen doch nach, sie seien ein so intelligentes Volk - meint

Ihr Ironius

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