Ärzte Zeitung, 30.06.2008

Auch die Seele kommt nicht zu kurz

Frauenärztliche Gemeinschaftspraxis im Süden Hessens betreut im Quartal etwa 100 Brustkrebspatientinnen

RODGAU-NIEDERRODEN. Dr. Andre-Robert Rotmann hat das gemacht, was in der freien Wirtschaft gern gepredigt wird: Er hat sich eine Nische gesucht. Rotmann ist einer der wenigen gynäkoloigschen Onkologen in Deutschland. Der Arzt, der in einer Gemeinschaftspraxis in Hessen niedergelassen ist, zeigt, dass die Arbeit in diesem Spezialgebiet erfüllend und auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

Von Torben Trupke

Hat sich als Gynäkologe auf die Behandlung von Krebspatientinnen spezialisiert: Dr. Andre-Robert Rotmann.

Foto: privat

Auf den ersten Blick sieht alles aus, wie man es in Arztpraxen gewohnt ist. Hinter der Glastür stößt der Besucher auf den Tresen, dahinter telefonieren geschäftig die Arzthelferinnen. Aber bald fällt auf: Irgendetwas ist anders. Die Wände leuchten in freundlichem Pastellgelb, statt greller Neonröhren sorgt indirektes, warmes Licht für eine angenehme Atmosphäre. Das große Praxislogo im Hintergrund beweist, dass hier modernes Marketing betrieben wird.

Ungewöhnlich ist sie, die gynäkologische Praxis von Dr. Andre-Robert Rotmann und Dr. Johanna Isar-Baston in Rodgau-Niederroden, südöstlich von Frankfurt am Main. Nicht nur, dass innen alles streng nach den Prinzipien der fernöstlichen Feng-Shui-Lehre eingerichtet ist.

Auch Rotmanns Leistungsangebot unterscheidet sich von dem vieler Kollegen: Er bietet als einer der wenigen niedergelassenen Gynäkologen ambulante Chemotherapie an. Der Berufsverband der niedergelassenen Gynäkologischen Onkologen zählt nur gut 100 Mitglieder.

Zur Krebstherapie gehören auch lange Gespräche

Die Einrichtung seiner Praxis ist nicht bloß modischer Schnickschnack. Sie entspricht vielmehr Rotmanns Philosophie einer ganzheitlichen Behandlung seiner krebskranken Patientinnen.

"Ich nehme mir die Zeit und führe zum Teil auch sehr persönliche Gespräche mit den Frauen. Da werden Themen angesprochen, mit denen man sich als Arzt nicht so gerne beschäftigt", sagt Rotmann. Es geht um die Endlichkeit des Lebens und den Tod.

"Natürlich ist es schöner, Kinder auf die Welt zu bringen", sagt der Mediziner. Aber sein Naturell hilft ihm, mit den Schicksalen besser fertig zu werden. Rotmann ist ein fröhlicher, offener Mensch, der seine Patientinnen schon mal duzt.

Ihm liegt viel daran, sie auch psychologisch zu unterstützen. Deshalb hält er es für sehr wichtig, dass ein und derselbe Arzt sowohl die medizinische als auch die seelische Betreuung der krebskranken Frauen übernimmt. Rotmann lebt seine Philosophie auch nach außen: Alle Patientinnen bekommen seine Handynummer und können ihn jederzeit anrufen.

Dass die gynäkologische Onkologie sein Thema ist, war ihm schon früh klar. Bereits während der Facharztausbildung in der Klinik absolvierte Rotmann eineinhalb Jahre auf dieser Station. Der Weg zur Anerkennung als gynäkologischer Onkologe war allerdings lang. Rotmann besuchte Kurse der Landesärztekammer Hessen und legte 2005 eine Prüfung ab.

An den theoretischen Teil schloss sich eine einjährige praktische Ausbildung an einer Klinik an. Wie alle anderen Mediziner, die sich als onkologische Gynäkologen niederlassen wollen, musste Rotmann unter Supervision eines Chefarztes 200 Brustkrebs-Chemotherapien und 100 Eierstock-Chemotherapien vornehmen.

Praxispartnerin ermöglicht die Spezialisierung

Seit 1995 betreibt der gebürtige Rumäne eine eigene Praxis, nach dem Umzug in die neuen Räume kam 2005 die Kollegin dazu. Weil sie ihn zeitweise entlastete, konnte Rotmann sich auf die gynäkologische Onkologie spezialisieren - eine Entscheidung, die natürlich auch wirtschaftliche Gründe hatte. "Die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen steigt, und damit auch das Krebsrisiko", schildert Rotmann seine Beweggründe.

Jede zehnte Frau erkranke statistisch gesehen an Brustkrebs, allein in seiner Praxis betreut Rotmann pro Quartal etwa 100 Fälle. Noch sei die ambulante Chemotherapie allerdings finanziell nicht so attraktiv: "Die Kassen honorieren diese Leistung sehr schlecht", klagt der Gynäkologe. Etwa 250 Euro pro Quartal und Patientin bekomme er für seine Tätigkeit, zählt man die Honorare aus allen Ziffern, inklusive der Zusatzpauschale Onkologie, der Ziffer zur praxisklinischen Betreuung und diverser Spezialziffern der KV Hessen zusammen.

Honorar spiegelt Aufwand für die Betreuung nicht wider

Das sei angesichts der großen Verantwortung, die er als gynäkologischer Onkologe trage, und auch angesichts der sehr zeitintensiven Betreuung nicht genug, sagt Rotmann. Nach Abzug aller Kosten und vor Steuern bleibe ihm von dem Umsatz knapp die Hälfte.

Rotmann sieht nicht nur im Honorar die Ursache dafür, dass es so wenige gynäkologische Onkologen gibt. "Es ist eine schwierige Aufgabe, diese Patienten medizinisch und psychologisch zu führen", so Rotmann. Dazu kämen das Risiko der Nebenwirkungen der Präparate und die Tatsache, dass man ein gutes Netzwerk von Kollegen anderer Fachrichtungen brauche, um die Patientinnen gut betreuen zu können. Für Rotmann macht gerade das den Reiz seiner Tätigkeit aus: Er hat seine Berufung zum Beruf gemacht.

Die Praxis in Kürze

Die Ärzte: Zusammen mit Dr. Andre-Robert Rotmann ist seit 2005 die Frauenärztin Dr. Johanna Isar-Baston in der Praxis in Rodgau-Niederroden tätig.

Das Team: Vier Arzthelferinnen und eine Hebamme arbeiten im Praxisteam mit.

Die Leistungen: Die Praxis deckt das ganze gynäkologische Spektrum ab. IGeL-Angebote wie Anti-Aging bietet Rotmann nicht mehr aktiv an, seit er sich stärker auf die Onkologie spezialisiert hat.

Informationen im Web: www.dr-rotmann.de, www.gynaekologische-onkologie.eu

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