Ärzte Zeitung, 21.07.2008

Dringend gesucht: Badearzt für Seeheilbad

Praxisinhaber will 2010 an Nachfolger übergeben  /  Suche dauert schon mehr als ein Jahr /  Verkauf an Klinik-MVZ?

FRIEDRICHSKOOG (di). Trotz großen Interesses von Klinikträgern ist die Übergabe von Arztsitzen in vielen Regionen kein Selbstgänger. Wer seine Praxis an der Nordseeküste an einen Arzt weitergeben möchte, braucht weiterhin Geduld.

 Dringend gesucht: Badearzt für Seeheilbad

Schalten jetzt den Gemeinderat für die Suche ein: Dr. Wolf-Günter Riesenkampff mit Frau Ingrid.

Foto: di

Bei beiden Ärztinnen schienen die Voraussetzungen günstig. Badearzt Dr. Wolf-Günter Riesenkampff hatte das Glück, gleich zwei Interessentinnen für seine Hausarztpraxis in Friedrichskoog an der Nordsee an der Hand zu haben. Damit schien der Erhalt der Praxis auch nach seinem Ausscheiden Anfang 2010 gesichert.

Die Hoffnungen Riesenkampffs und seiner Frau Ingrid haben inzwischen einen herben Dämpfer erhalten. Eine Interessentin zog eine Halbtagsstelle in einer anderen Praxis vor und sagte Riesenkampff ab. Die zweite würde nach wie vor gerne nach Friedrichskoog kommen - dafür aber müsste sie zunächst ihre Praxis im Osten veräußern. Das scheint ihr nicht zu gelingen.

Damit stehen die Riesenkampffs in ihren Bemühungen wieder am Ausgangspunkt, über den die "Ärzte Zeitung" im März 2007 berichtete. Damals, drei Jahre vor dem geplanten Ausscheiden aus dem Berufsleben, hatten die Eheleute mit ihren Verkaufsbemühungen begonnen.

Wichtig ist die Nachfolgeregelung nicht nur für die allgemeinmedizinische Versorgung der Bevölkerung, sondern auch für den Tourismus in der Region. Denn ohne den Badearzt würde die Gemeinde ihren Status als Seeheilbad verlieren - und damit zahlungskräftige Gäste. Ob die Gemeinde im Gegenzug die Ansiedlung eines Nachfolgers etwa durch eine günstige Miete unterstützt, ist noch nicht diskutiert worden.

Ingrid Riesenkampff, die die Praxis managt, wird den Gemeinderat über die Probleme bei der Nachfolgesuche informieren. Zugleich sucht sie die Unterstützung des örtlichen Praxisnetzes und der Körperschaften. Immerhin geht es auch für die Riesenkampffs um viel Geld. Geld, auf das sie als Alterssicherung ungern verzichten möchten.

Ob Netz und oder Körperschaften beim Verkauf helfen können, ist derzeit völlig offen. Noch ist auch nicht entschieden, ob KV und Ärztegenossenschaft tatsächlich wie geplant eine eigene Gesellschaft zum Aufkauf von Praxissitzen im Norden gründen werden. Fest steht dagegen, dass das Interesse abgabewilliger Praxisinhaber groß ist. Schon in den ersten Tagen nach Bekanntwerden der Pläne haben sich allein bei der Ärztegenossenschaft zehn Praxisinhaber gemeldet, die lieber an die ärztlichen Körperschaften als an ein Klinik-MVZ verkaufen wollen.

Thomas Rampoldt, Geschäftsführer der Ärztegenossenschaft, will ab Oktober in der Lage sein, auf solche Wünsche zu reagieren. Ob dabei auch die finanziellen Vorstellungen der Praxisinhaber erfüllt werden können, ist fraglich. "Wir müssen eine Chance sehen, dass sich der Kauf des Praxissitzes betriebswirtschaftlich rechnet. Das wird nicht bei jedem Angebot der Fall sein", sagt Rampoldt.

Die Riesenkampffs hoffen immer noch, einen Kollegen als Badearzt vom Standort überzeugen zu können. Sollte sich weder das, noch eine Lösung mit den Körperschaften realisieren lassen, kommt vielleicht doch ein Klinikträger zum Zuge.

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