Ärzte Zeitung online, 15.08.2008

Für Arztpraxen greift das geplante Wiedereinstiegsprogramm zu kurz

KÖLN (iss). Das Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" des Bundesfamilienministeriums und der Bundesagentur für Arbeit greift im Bereich der Arztpraxen zu kurz. "Um den Medizinischen Fachangestellten die Rückkehr in den Beruf zu erleichtern, brauchen wir keine einmaligen Aktionen, sondern kontinuierliche Maßnahmen und vor allen Dingen bessere Rahmenbedingungen", sagt Sabine Rothe, Vorsitzende des Verbands medizinischer Fachberufe im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Das Aktionsprogramm soll Frauen über 40 Jahren nach der Familienpause den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern. Details wollen das Ministerium und die Bundesagentur im September vorstellen. Geplant sind unter anderem ein spezielles Internetportal und Fördermittel für einzelne Projekte.

Grundsätzlich sei die Initiative zu begrüßen, sagt Rothe. "Aber wie bei vielen anderen Aktionen bleibt die spezielle Situation in Kleinstbetrieben wie den Arztpraxen wieder einmal außen vor." Der Verband der medizinischen Fachberufe werde sich deshalb um einen Gesprächstermin im Ministerium bemühen. "Wir wollen die Politik für die besonderen Bedingungen und das große Potenzial in den Praxen sensibilisieren", so sie.

Bei den Medizinischen Fachangestellten gebe es ein großes Interesse daran, nach der Kindererziehung wieder in den Beruf zurückzukehren, berichtet sie. "Dafür reichen aber keine Infobörse oder ein Computer-Crashkurs." Statt punktueller Angebote für den Wiedereinstieg würden flankierende Maßnahmen gebraucht, damit sich die Kolleginnen kontinuierlich auf den aktuellen Stand bringen können. Auch müsse mehr Frauen die Möglichkeit gegeben werden, schon während der Elternzeit für wenige Stunden zu arbeiten. Das scheitere bislang in den meisten Fällen an fehlenden Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder. Es gebe hier kaum flexible und unkomplizierte Angebote.

Bereits jetzt würden viele Medizinische Fachangestellte die Familienpause nutzen, um sich weiterzubilden. "Es besteht ein großes Interesse an einer kontinuierlichen Qualifizierung." Allerdings müsse sich das auch in einer besseren Bezahlung niederschlagen. Das sei aber oft nicht der Fall. Viele Kolleginnen gehen deshalb nach der Pause in einen anderen Wirtschaftsbereich mit einer besseren Bezahlung, berichtet Rothe. Gerade Alleinerziehenden mache das geringe Gehalt die eigentlich gewünschte Rückkehr in den Beruf oft unmöglich. "Hier geht viel Know-how verloren, das für die kontinuierliche Patientenbetreuung notwendig ist", sagt Rothe. Auch für diesen Aspekt wolle der Verband die Politik sensibilisieren. "Damit Frauen in den Beruf zurückkehren, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Die Praxisteams werden mit den Problemen bislang völlig allein gelassen."

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