Ärzte Zeitung, 31.10.2008

Schärfere Überprüfung der Haftpflicht gefordert

AOK-Institut Medizinschaden hat 7,1 Millionen Euro Schadenersatz wegen Behandlungsfehlern erstritten

KIEL (di). Das AOK-Institut Medizinschaden fordert eine schärfere Überprüfung der Haftpflichtversicherung von Ärzten. Grund: Bei der Regulierung auch eindeutiger Sachverhalte stößt das Institut immer wieder auf Probleme.

Nach Angaben des Institutsleiters Dr. Holger Thomsen erkennen die Haftpflichtversicherer der Ärzte auch bei eindeutigen Sachverhalten wie einer Seitenverwechslung den entstandenen Schaden oft nicht an. Den Krankenkassen bleibt dann nur die Klage, die für die Haftpflichtversicherungen meist mit einer Niederlage endet - aber für einen zeitlichen Aufschub sorgt. Grund für die Haltung der Versicherungen ist nach der Erfahrung von Thomsen eine unzureichende Risikoabdeckung gegen Behandlungsfehler in den Policen. Er forderte die Ärztekammer Schleswig-Holstein auf, die gesetzliche Verpflichtung einer hinreichenden Versicherung zu kontrollieren.

An die Gerichte appellierte Thomsen, die Gutachten medizinischer Sachverständiger "kritischer zu würdigen". Gelegentlich komme es zu "kollegenschützenden Haltungen" der medizinischen Sachverständigen, so der Eindruck des Institutsleiters. Gerichte sollten stärker auf persönliche und räumliche Distanz zwischen den bestellten Gutachtern und den beklagten Kliniken und Ärzten achten, so Thomsen.

Bei dem vor acht Jahren gegründeten Institut haben bislang 2373 AOK-Versicherte Rat wegen eines vermuteten Behandlungsfehlers eingeholt. Bei jedem fünften erhärtete sich den Angaben zufolge der Verdacht. Dabei kann es sich um einen über Jahre nicht abgeklärten Tumor oder über einen unzureichend untersuchten Notfall handeln. Die AOK hat sich über die verfolgten Fälle insgesamt 7,1 Millionen Euro Schadenersatz erstritten. Die Krankenkasse darf dabei nur ihre eigenen Ansprüche geltend machen. Die Versicherten können jedoch auf die Beweislage zurückgreifen und damit ihr eigenes Prozessrisiko besser einschätzen.

Die meisten vermuteten Behandlungsfehler registriert das Institut in der Chirurgie (36 Prozent), gefolgt von der Orthopädie (14 Prozent) und der Gynäkologie (zwölf Prozent). Viele Fälle wären nach Ansicht Thomsens vermeidbar, wenn auf Komplikationen schneller reagiert wird.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »