Ärzte Zeitung, 12.11.2008

Wer konstruktiv mit Fehlern umgeht, braucht nicht nach Schuldigen zu suchen

Ein praxisinternes Fehlermanagement ist wichtig für die Patientensicherheit. Es kann Ärzte aber auch vor Rechtsstreitigkeiten mit Versicherungen schützen. Dabei reichen sieben Schritte aus, um das Fehlermanagement in der Praxis zu etablieren.

Von Rebekka Höhl

Wer konstruktiv mit Fehlern umgeht, braucht nicht nach Schuldigen zu suchen

Aus Fehlern kann man lernen. Sie sollten nicht verschwiegen werden.

"Es gibt viele blödsinnige Sachen, die von den Praxen gefordert werden, das Fehlermanagement gehört nicht dazu." Das weiß Ulla Dick, Diplom-Psychologin und Praxismanagerin aus Schneverdingen aus Erfahrung. In der Hausarztpraxis, in der sie Managerin ist, wird das Fehlermanagement aktiv betrieben. Schließlich gehe es hier um die Patientensicherheit. Das Fehlermanagement hat laut Dick aber noch einen zusätzlichen Nutzen. "Sollte es in der Praxis einmal zu einem Versicherungsfall kommen, steht man besser da, wenn man ein Fehlermanagement hat." Wobei es hier gar nicht nur um die Patienten geht, auch Arbeitsunfälle lassen sich durch ein gutes Fehlermanagement minimieren.

Die meisten Fehler sind im System angelegt

Auf der diesjährigen Practica in Bad Orb erklärte Dick, wie Arztpraxen ein funktionierendes Fehlermanagement aufbauen. Dabei sei zunächst wichtig, Fehler erst einmal wertfrei als unerwünschtes Ereignis zu definieren. Auch sollte sich das Praxisteam im Vorfeld klar machen, dass die meisten Fehler, die in der Praxis auftreten, durchs System bedingt sind und eben nicht individuell begründet sind. Nach "dem Schuldigen" zu suchen, sei daher wenig sinnvoll. Zumal Fehlerberichte aus deutschen Hausarztpraxen eindeutig zeigten - so Dick -, dass rund 80 Prozent der Fehler Prozessfehler seien. Wer das berücksichtige, könne schon loslegen. Mehr als sieben Schritte hin zum Fehlermanagement sind dabei gar nicht nötig.

Schritt 1: Das Praxisteam muss ins Fehlermanagement einbezogen werden. "Fehler gehören ins Team", mahnte Dick. Daher sei es wichtig, zu kommunizieren, dass man voneinander lernen will. Wer Fehler immer nur unter vier Augen bespreche, nehme den anderen die Möglichkeit, dieselben Fehler später nicht zu machen. Und wer das Team einbeziehe, dem stehe auch bei der Fehleranalyse ein viel größeres Wissenspotenzial zur Verfügung.

Schritt 2: Das Team sollte für Fehler sensibilisiert werden. Das heißt, Fehler werden ganz offiziell gesammelt. Am besten legt die Praxis dafür ein Fehlerbuch an. Dabei ist wichtig, dass der Fehler beschrieben wird.

Schritt 3: Der Praxischef sollte sein Team motivieren und eine offene Fehlerkultur schaffen. Werden Fehler offengelegt, sollte niemand davor Angst haben, dass nach dem Schuldigen gesucht wird. Wichtiger sollte stets die Frage sein: Wie können Fehler künftig vermieden werden?

Schritt 4: Die Prozesse in der Praxis sollten regelmäßig hinterfragt werden. Wo bestehen Abstimmungs- oder Kommunikationsprobleme? Wo sind die wesentlichen Prozesse leicht störanfällig?

Schritt 5: Bei jedem Fehler gilt es zunächst, das Kernproblem zu identifizieren. Dem folgen dann die Fehleranalyse (siehe Kasten) sowie ein Plan, wie der Fehler künftig vermieden werden kann. Meist sei es nötig, Handlungsabläufe neu zu strukturieren, erklärte Dick.

Schritt 6: Nun wird der Erfolg geprüft. Was haben die Schritte zur Fehlervermeidung gebracht? Tritt ein bestimmter Fehler nicht mehr auf? Hier spielt wieder das Fehlerbuch, in dem wichtige Fehler dokumentiert werden, eine Rolle. Spätestens nach einem halben Jahr sollte das Praxisteam wieder einen Blick auf diese Fehler werfen.

Schritt 7: Zum Fehlermanagement gehört immer auch der Austausch von Erfahrungen. Der ist ganz wichtig innerhalb des Praxisteams, aber genauso sollten externe Stellen, etwa Kollegen im Qualitätszirkel oder Fehlerberichtssysteme wie www.jeder-fehler-zaehlt.de, einbezogen werden.

So werden Fehler analysiert

1. Was ist passiert?

2. Mit welchem Ergebnis?

3. Worin liegen mögliche Gründe dafür?

4. Wie hätte man das Ereignis verhindern können?

5. Was trug noch zu dem Fehler bei?

6. Wie häufig tritt dieser Fehler auf?

Quelle: Diplom-Psychologin Ulla Dick, Practica 2008, Bad Orb

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