Ärzte Zeitung online, 04.03.2009

Verbände fordern mehr Kassengelder für die Telemedizin

BERLIN (ava). Die Aufnahme der Telemedizin in die flächendeckende Regelversorgung haben der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) und die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed) gefordert.

Bei kardialen Implantaten sollten die Kosten für die telemedizinische Hardware sowie die Datenübertragung von den Krankenkassen übernommen werden, verlangte BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt. Wolfgang Loos, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGTelemed: "Es ist an der Zeit, dass die Kostenträger sich diesen berechtigten Forderungen nicht länger verschließen."

In Deutschland gibt es nach Angaben der beiden Verbände rund 500 000 Träger von implantierten Herzschrittmachern sowie rund 100 000 Patienten mit implantierten Defibrillatoren. Aufgrund des demografischen Wandels sei eine deutliche Zuwachsrate zu beobachten. Die Nachsorge dieser Patienten stelle für die Ambulanzen der Kliniken und Praxen eine große Herausforderung dar. Neue Entwicklungen im Bereich der Herzrhythmus-Implantate ermöglichen die Nachsorge dieser Patienten auch telemedizinisch. "Dadurch werden dem Patienten unnötige Wege zur Nachsorge erspart und er wird gleichzeitig kontinuierlich telemedizinisch überwacht", sind sich BVMed und DGTelemed einig.

Anlässlich der von der Europäischen Union vor kurzem in Prag abgehaltenen eHealth-Konferenz haben die Teilnehmer die EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, die bestehenden Vergütungssysteme beziehungsweise Leistungskataloge für die Telemedizin zu öffnen.

"In Deutschland haben wir die Situation, dass dem Arzt durch den EBM die telemedizinische Nachsorge der Implantate bereits vergütet wird, die Kosten für die telemedizinische Hardware sowie die Datenübertragung jedoch von den Krankenkassen nicht getragen werden", erklärt Schmitt. Die Vertreter der beiden Organisationen führten weiter aus, dass es bereits nachgewiesen sei, dass die telemedizinische Überwachung kardialer Implantate sicher und klinisch effektiv ist. Darüber hinaus hätten Studien erwiesen, dass sich mit dieser Technologie 60 Prozent der Kosten und 70 Prozent des Nachsorgeaufwands einsparen lassen.

Durch eine kontinuierliche Überwachung des Implantats ist eine frühzeitige Erkennung von behandlungsbedürftigen Veränderungen sowohl am Gerät als auch am Gesundheitszustand des Patienten möglich. Dadurch lassen sich unnötige Hospitalisierungen vermeiden, gleichzeitig erhöht sich die Patientensicherheit bei steigender Lebensqualität.

Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband über 200 Industrie- und Handelsunternehmen der Medizintechnologiebranche. Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin ist eine bundesweite Vereinigung zur Förderung, Verbreitung, Markteinführung und Publizierung moderner, innovativer Entwicklungen, Lösungen und Produkte in der Telemedizin.

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