Ärzte Zeitung, 22.04.2009

Weniger Arbeitszeit, aber mehr Geld

Großbritanniens Allgemeinmediziner konnten ihr Einkommen in den letzten fünf Jahren um 58 Prozent steigern

LONDON (ast). In Großbritannien streiten Ärzteschaft, Gesundheitspolitiker und Medien derzeit abermals über das Thema der Hausarzt-Einkommen. Anlass ist der aktuelle Report eines einflussreichen Unterhausausschusses, wonach staatliche Allgemeinmediziner heute im Schnitt wöchentlich sieben Stunden weniger arbeiten als vor fünf Jahren, ihr Einkommen liege aber um 58 Prozent höher.

Britische Hausärzte arbeiten im Vergleich zu 2003 sieben Stunden weniger bei 58 Prozent mehr Einkommen.

Der Unterhausausschuss namens "Commons Public Accounts Committee" nimmt in seiner Analyse der Einkommenssituation britischer Hausärzte kein Blatt vor den Mund. Es sei "bemerkenswert" und "fragwürdig", Allgemeinmediziner des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) 58 Prozent mehr verdienen zu lassen, "ohne dafür eine Mehrleistung zu verlangen".

In Zahlen: Arbeitete ein NHS-Primärarzt vor fünf Jahren noch durchschnittlich 51 Wochenstunden, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 44 Wochenstunden. Gleichzeitig verdiente ein NHS-Hausarzt im Durchschnitt rund 114 000 Pfund (rund 129 000 Euro). Diese Summe beziffert das Brutto-Einkommen. Laut Ausschuss sind die hausärztlichen Einkommen in den vergangenen fünf Jahren um rund 58 Prozent gestiegen, also auf rund 180 120 Pfund.

Britische Medien griffen das Thema auf. Dabei fällt auf, dass die Mehrheit der großen Zeitungen und Nachrichtensender heute deutlich kritischer über die Honorarsituation britischer Ärzte berichtet als noch vor einigen Jahren. "Einkommen hoch - Leistung runter", lästerte beispielsweise die auflagenstarke Boulevard-Zeitung "Daily Mail". Doch es gibt auch positive Reaktionen. So wies die "Times" darauf hin, dass britische Hausärzte "jahrzehntelang unterbezahlt" gewesen seien. Insofern seien die Honorar- und Einkommensverbesserungen der vergangenen Jahre "angemessen".

Der britische Ärztebund (British Medical Association, BMA) wies auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" in London darauf hin, dass der Report "irreführend" sei, da zum Beispiel auch teure Vertretungsdienste anteilsmäßig mit in die Einkommensberechnung eingeflossen seien. "Das ist unsinnig und sachlich falsch", so die BMA

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