Ärzte Zeitung, 05.08.2009

Kein Steuerabzug für Praxisausfallversicherung

Bundesfinanzhof: Versicherung ist reine Privatsache

MÜNCHEN (mwo). Eine Praxisausfallversicherung gegen Krankheit ist Privatsache. Die Beiträge können daher nicht von der Steuer abgezogen werden. Umgekehrt sind Leistungen der Versicherung aber auch nicht als Betriebseinnahmen zu versteuern. Das stellt der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem aktuellen Urteil fest. Eventuell mitversicherte weitere Risiken können dagegen betrieblicher Natur sein.

Eine Praxisausfallversicherung bezahlt die laufenden Praxiskosten, etwa Miete, Leasingraten und Personalkosten, wenn die Praxis geschlossen werden muss. Wichtigstes Risiko ist dabei die Krankheit des Arztes.

Im konkreten Streitfall hatte eine Ärztin aus Mecklenburg-Vorpommern auch gesundheitspolizeilich verfügte Quarantänemaßnahmen mitversichert. Die Beiträge hatte sie jährlich als Betriebsausgaben geltend gemacht. 1998 stürzte sie und musste ihre Praxis längere Zeit schließen. Die Versicherung zahlte umgerechnet 112 500 Euro. Das Finanzamt wertete dies als Betriebseinnahmen und wollte Steuern kassieren.

Die Ärztin klagte und bekam nun vor dem BFH recht: Krankheit sei kein betriebliches, sondern ein privates Risiko. Wie etwa bei einer Krankentagegeldversicherung seien die Leistungen daher keine Betriebseinnahmen, die Beiträge zu der Versicherung allerdings auch keine Betriebsausgaben. Das Risiko einer Quarantäne rechnete der BFH dagegen dem Betrieb zu, der darauf entfallende Beitragsanteil bleibt daher abzugsfähig. Rückwirkend soll nun das Finanzgericht die zu unrecht steuerlich berücksichtigten Beiträge mit den bezogenen Versicherungsleistungen verrechnen.

Az.: VIII R 6/07

Lesen Sie auch:
Erkrankt ein Angehöriger, muss die Praxis schließen
Ohne Attest vom Amtsarzt gibt's keine Entschädigung

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »