Ärzte Zeitung, 13.11.2009

PKV-Anbieter etabliert sich als Pflegedienstbetreiber

Pflege im Franchise-System - an diesem Konzept arbeitet die Deutsche Krankenversicherung (DKV).

KÖLN (iss). Der private Krankenversicherer betritt nicht völliges Neuland. Unter der Marke miCura betreibt er bereits elf eigene Pflegedienste. Das System will die DKV nun über Franchise-Partner sukzessive ausbauen.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir noch im Jahr 2009 den ersten Vertrag unterzeichnen werden", sagt Dr. Thomas Hilse, Geschäftsführer der DKV Pflegedienste und Residenzen GmbH. MiCura ist Teil dieses Unternehmens, das eine 100-prozentige Tochter der DKV ist.

Bei der Suche nach Franchise-Partnern werde miCura behutsam vorgehen, sagt Hilse. 2010 will das Unternehmen nicht mehr als vier bis fünf Verträge abschließen. "Wir wollen einen exklusiven Ansatz fahren." Die DKV setzt darauf, das Modell gemeinsam mit den Pflegediensten weiterzuentwickeln. Mit dem Ärztenetz goMedus und dem Zahnärztenetz goDentis hat der Versicherer bereits Erfahrungen im Franchise-Bereich gesammelt.

Pflegedienste, die unter dem Namen miCura arbeiten wollen, müssen bereit sein, mit dem von der DKV entwickelten System-Handbuch zu arbeiten. "Wir geben darin praxisorientierte Handreichungen, etwa die Orientierung an Experten-Standards und die Vorbereitung auf eine MDK-Prüfung." Ein hoher qualitativer und professioneller Standard sei für miCura die Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit einem privaten Pflegedienst.

Die Pflegedienste müssen eine bestimmte Größe aufweisen und rund 100 Pflegebedürftige versorgen. Der Personalstand sollte bei rund 50 Mitarbeitern liegen. "Davon müssen mindestens 50 Prozent examinierte Pflegefachkräfte sein." Ein wichtiges Entscheidungskriterium ist die Vernetzung der Einrichtungen. Die DKV schaut sich an, welche Kooperationen sie eingegangen sind.

Die miCura-Pflegedienste sollen dort aktiv sein, wo die DKV viele Versicherte hat. In großen Städten werden vor allem die von der DKV selbst betriebenen Dienste im Vordergrund stehen. Bisher gibt es sie etwa in Düsseldorf, Köln, München, Berlin und Hamburg. Auch diesen Sektor will der Versicherer weiter ausbauen. "MiCura im Eigenbetrieb und miCura als Lizenzmodell sollen sich wechselseitig verstärken."

Bei den eigenen Pflegediensten hat das Unternehmen zum Teil Ärztenetze und Kliniken mit ins Boot geholt, doch alle sind mehrheitlich im Besitz der DKV. Im Praxisnetz Nürnberg Süd etwa könnten die Ärzte den Patienten die Betreuung durch den miCura-Pflegedienst anbieten. "Das funktioniert mittlerweile hervorragend", berichtet Hilse. Außerdem werden Ärzten besondere Services wie die "Arzt-Assistenz" angeboten. Hilse: "Ärzte können delegierbare Leistungen auf den Pflegedienst übertragen." Sie bleiben in der Verantwortung des Arztes, er kann sie abrechnen. Der Pflegedienst kann den Medizinern gegebenenfalls per Laborübertragung bestimmte Werte übermitteln. "Der Arzt kann dann aus der Praxis heraus schnell reagieren", sagt Hilse.

Die DKV wird das miCura-Konzept während der Medizin-Messe MEDICA in Düsseldorf präsentieren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Versorgungswerke sitzen auf 184 Milliarden Euro

Auf die Frage nach der Leistungsfähigkeit der Versorgungswerke tut sich die Bundesregierung mit dem Blick in die Glaskugel schwer. Die Anzahl der Rentenempfänger werde wohl weiter deutlich zunehmen. mehr »