Ärzte Zeitung online, 04.01.2010

Bayerns Notärzte dokumentieren seit Jahresanfang alles elektronisch

MÜNCHEN (sto). Die Notärzte in Bayern dokumentieren ihre Einsätze seit 1. Januar elektronisch. Dazu hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) zum Jahreswechsel das System "emDoc" eingeführt. Die Abkürzung steht für "emergency documentation".

Mit emDoc werde eine Vorgabe des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes (BayRDG) umgesetzt, das die einheitliche Erfassung und die fortlaufende Auswertung aller Notarztdiensteinsätze vorsieht, teilte die KVB mit.

Die neuen elektronischen Notarztdienstprotokolle bauen auf den von den Ärzten handschriftlich auszufüllenden Einsatzprotokollen auf, die vorerst weiterhin in dieser Form benötigt werden. "Diese neue Art der Dokumentation ist bei vielen Notärzten auf Kritik gestoßen. Wir nehmen alle kritischen Äußerungen sehr ernst. In Zukunft werden wir die elektronische Dokumentation so weiterentwickeln, dass sie noch einfacher zu handhaben und noch schneller zu erledigen ist", versicherte Dr. Axel Munte, Vorstandsvorsitzender der KVB.

Munte räumte ein, dass für die Notärzte ein größerer Umstellungsaufwand besteht. Die KVB wolle daher in Verhandlungen mit den Kassen als Ausgleich eine höhere Vergütung für die Notärzte erreichen.

Langfristig werde die elektronische Dokumentation die Qualität der notärztlichen Versorgung in Bayern weiter verbessern, erklärte Munte. Darüber hinaus biete das System emDoc den Notärzten auch eine Reihe praktischer Vorteile. So enthalte es beispielsweise eine automatisierte Abrechnung: Aus den elektronisch dokumentierten Einsatzprotokollen werde unmittelbar die Abrechnung generiert.

Zudem stünden in emDoc künftig auch die Dienstpläne der Notarztdienststandorte elektronisch zur Verfügung, um die Zeiten der Bereitschaft einfach ermitteln und abrechnen zu können, betonte Munte.

[30.01.2010, 17:30:27]
Dr. Steffen Hanle 
Das bürokratische Monster "EmDoc" der KVB stielt Notärzten in Bayern Zeit
Liebe Kollegen,

im folgenden Betrag geht es um das bürokratische Monster EM-Doc.
Seit 1.1.2010 muss jeder bayerische Notarzt sein Divi-Protokoll, das er weiterhin handschriftlich ausfüllen muss, in das System "EM-Doc" der KVB eintippen.

Ich persönlich sehe die Doppel-Dokumentation der Notarzt-Einsätze in EM-Doc - ausser den datenschutzrechtlichen Bedenken - als sehr kritisch, weil es jeden Notarzt viel Zeit kostet.

Ärzte werden mal wieder als billige Schreibkräfte missbraucht und dürfen das ganze Notarzt-Protokoll nochmals in den PC eingeben.
Doch damit nicht genug, man darf auch Angaben wie Postleitzahl und Strasse des Einsatzortes und der Zielklinik eintippen...

Gerade für die Kollegen, die das neben einem anderen ärztlichen Beruf als "Nebenbeschäftigung " machen, wird es zu einer deutlichen Mehrbelastung.

Selbst mit Übung halte ich es für unmöglich, ein Protokoll in unter 5 Minuten in EM-Doc einzugeben.
Bei einem komplizierten Einsatz und wenn man ggf. noch Postleitzahlen raussuchen oder bei der Leitstelle Einsatznummer oder Einsatz-Zeiten erfragen muss, ist man mit 10-15 Minuten dabei.

Angeblich könnte die Vertreter-Versammlung der KVB diese Sache stoppen, deshalb empfehle ich jedem bayerischen Notarzt, der nicht noch mehr Zeit für Bürokratie verschwenden möchte, den Mitgliedern der Vertreter-Versammlung mitzuteilen, was er von der Sache hält.

Link zur Vertreter-Versammlung der KVB:
http://www.kvb.de/de/ueber-uns/organisation/vertreterversammlung/mitglieder-vv-2005-2010.html

Die Zunahme der Bürokatie wird - wie so oft unter dem Deckmantel der "Qualitäts-Sicherung" - eingeführt.

Dadurch dass diese Dokumentation von der KVB an die Abrechnung gekoppelt ist, werden bayerische Notärzte "erpresst", bei diesem Spiel der unnötigen Doppel-Dokumentation mitzumachen.


Meiner Meinung nach besetzen die bayerischen Notärzte ihre Standorte - hauptsächlich nebenberuflich - und arbeiten dabei sehr engagiert!
Ich finde es sehr demotivierend, wenn man dafür mit nutzloser Mehrarbeit bestraft wird. Viele Kollegen denken aufgrund der bürokratischen Überlastug bereits über eine Reduktion ihrer Notarzt-Schichten nach.

Die Arbeitsbemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte (AGBN) hat eine Umfrage gestartet, wie die bay. Notärzte zu diesem Thema denken.

Die KVB brüstet sich wohl derzeit damit, daß so-und-so viele Notarzt-Einsätze schon in emDoc eingegeben sind, dies wird als Zeichen der Zustimmung interpretiert, vereinzelt wird auch behauptet, daß sich die Mehrzahl der Notärzte vom „modernen Ansatz und der Effektivität der elektronischen Dokumentation angetan“ gezeigt hätte.

Nun haben die Notärzte die Möglichkeit, über die AGBN ihre wirkliche Meinung auszudrücken - sie sollten sie wahrnehmen!

Der AGBN steht derzeit in Gesprächen mit den Verantwortlichen, das Thema wird in nächster Zeit auch in der Vertreterversammlung der KVB behandelt.

Es ist wichtig, daß jeder NA in Bayern mitmacht, man muß kein AGBN-Mitglied sein!

Link zur Umfrage der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Notärzte:

http://www.agbn.de/umfrage_emdoc_1281.html

Grüße, SH
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