Ärzte Zeitung, 20.01.2010

Für Ärzte lauern in Arabien viele Fallen

Sie wollten in Arabien ein neues Leben beginnen - und landeten im Gefängnis oder verloren sechsstellige Summen. Wer als Arzt nach Dubai wechseln will, sollte sich genau informieren, bevor er in Deutschland die Zelte abbricht oder Vorauszahlungen leistet. Das empfiehlt jedenfalls ein Personalvermittler aus Deutschland.

Von René Schellbach

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Auch in Dubai wachsen nicht alle Bäume in den Himmel. © imago

DUBAI. Bei vielen deutschen Ärzten, die im Ausland arbeiten wollen, ist Dubai bisher erste Wahl. Ende 2009 hat das vermeintlich reiche Land dann die Aktienmärkte erschüttert: Das Emirat hat von Investoren einen Aufschub bei der Schuldenrückzahlung von zwei großen Staatsfonds gefordert. Mediziner sollten umdenken - aber nicht nur wegen der Finanzkrise, findet der Personalvermittler Roland Herbert. Attraktiv seien zurzeit eher die Schweiz und Österreich.

Nach Angaben von Berater Herbert wollten noch im Herbst 2009 mindestens zwei Drittel der auswanderungswilligen Ärzte aus Deutschland nach Dubai. "Sie fallen der schillernden PR zum Opfer. In Wahrheit bröckelt dort inzwischen der Putz gewaltig." Bewerber konkurrieren mit Ärzten etwa aus den USA, Großbritannien oder Frankreich, es gebe bereits ein Überangebot. Gleichzeitig zeichnen sich laut Herbert in den anderen Emiraten wie Abu Dhabi und Ländern wie Oman oder Bahrain vergleichbare Perspektiven ab.

Der ehemalige Radio-Journalist Roland Herbert betreibt zusammen mit einer Geschäftspartnerin in Eggenfelden bei Passau die Beratungsfirma Universitas, nach eigenen Angaben Marktführer bei der Vermittlung deutscher Fachärzte ins Ausland. Herbert hält es für "unverantwortlich", ohne seriöse Beratung einen Jobwechsel in die arabische Welt zu planen, Viele deutsche Mediziner wüssten zum Beispiel nicht, dass ein Teil der Kliniken Zuschüsse gewährt - für die Wohnung, die Schule der Kinder und den Umzug. Wie etwa in Spanien führt in Arabien der Begriff "clinic" oft in die Irre, handelt es sich doch um keine Klinik, sondern eine private Arztpraxis.

Die Maxime sollte lauten: Erst informieren, dann einen Arbeitsvertrag unterschreiben. "Wir haben tragische Fälle aus dem Nahen und Mittleren Osten erlebt, die man hierzulande für absolut unmöglich halten würde", erläutert Herbert. Er nennt keine Namen, beschreibt aber gravierende Schicksale aus den vergangenen Jahren. So habe ein 54-jähriger Krankenhausarzt in Hessen gekündigt, um eine gut dotierte Stelle in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu übernehmen. Er zahlte 100 000 Euro als Jahresmiete für eine Wohnung im Voraus, bekam jedoch nicht die nötige Arbeitslizenz. Das Hospital war ein privates Haus, und das Emirat behindert oft die Privaten zum Schutz des staatlichen Gesundheitswesens. Herbert berichtet von einem Arzt, der in Dubai drei Wochen im Gefängnis landete, weil er eng umschlungen mit seiner Freundin flanierte und mit ihr ein Hotelzimmer teilte. Er warnt davor, in den Emiraten aus Gutgläubigkeit den Pass beim Arbeitgeber abzugeben. Bei Lohnausfällen hänge man im Land fest. "In diesen und anderen Fällen sind Strafanzeigen absolut sinnlos, da der Arbeitgeber immer und automatisch Recht hat."

Gibt es Alternativen zu Dubai? Trotz Ärztemangels hält Roland Herbert Australien und Großbritannien wegen bürokratischer Hürden derzeit für keinen guten Tipp. In Australien werde bereits der Sprachtest zur Hürde. Die meisten Skandinavier setzen die landesüblichen Sprachen voraus. Trotz der geplanten Gesundheitsreform ist Herbert bei den USA noch skeptisch. "Paradiesische Verhältnisse bieten die Schweiz und Österreich - nicht nur wegen der Freizeit- und Kulturangebote." Ein zusätzliches "Schmankerl" offerieren die Österreicher: Vielerorts sei in den Spitälern um 14:30 Uhr Feierabend. Dann können die Ärzte in Ordinationen - privaten Praxen - "ein beachtliches Zusatz-Einkommen verdienen".

Universitas: www.universitas-medical.com

Regierung von Dubai: www.dubai-city.de

Buchtipp

Kein Ort, um das schnelle Geld zu machen

Dubai gehört zu den Vereinigten Arabischen Emiraten. Einen guten Überblick bietet das im Mai 2009 erschienene Buch "Leben und Arbeiten in Dubai" von Gérard Al-Fil.

Der Autor, der in Österreich geboren worden ist und seit Jahren in Dubai als Banker arbeitet, schreibt zwar nicht nur für Mediziner, vermittelt aber viele praktische Erfahrungen über Formalitäten, Immobilienerwerb, Schulsystem und den Arbeitsalltag.

"Kein Ausländer kann sich in Dubai langfristig etablieren, wenn er die muslimische Kultur nicht als Teil seines Alltags akzeptieren will", schreibt er. Anders als in Saudi-Arabien gebe es in Dubai jedoch keine Religionspolizei. Im Anhang kommt unter anderem der Urologe Dr. Ashraf Kamel, Gründer des German Medical Centre, zu Wort: Unter den Ärzten nehme auch in Dubai der Wettbewerb zu. Dubai sei daher kein Ort, wo man "das schnelle Geld" machen kann, aber der Freizeitwert für die Familie sei auf jeden Fall besonders hoch.

Gérard Al-Fil: Leben und Arbeiten in Dubai, Verlag Gentlemen's Digest, Mai 2009 als E-Book zum Download: 19.95 Euro, als Taschenbuch: 28,95 Euro

www.auswandern-infos.com

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