Ärzte Zeitung online, 09.07.2010

Neue Gesellschaft öffnet der KBV die Türen zum MVZ-Geschäft

BERLIN (reh). Das Vorhaben der KBV, selbst an der Gründung Ärztlicher Versorgungszentren beteiligt zu sein, nimmt Formen an. Jetzt wurde extra eine neue Gesellschaft gegründet, über die auch MVZ betrieben werden sollen.

Patiomed AG heißt die neue Gesellschaft, die am 1. Juli ihre Arbeit aufgenommen hat. Eine ihrer Hauptaufgaben soll das Betreiben ärztlicher Versorgungszentren (ÄVZ) mit regionalen und versorgungsbezogenen Schwerpunkten sein. Warum die Gesellschaft lieber von ÄVZ als von Medizinischen Versorgungszentren spricht, mag auch daran liegen, dass in diesen Einrichtungen überwiegend freiberuflich tätige Ärzte und Ärztinnen arbeiten sollen. Aber auch als Berater für Versorgungszentren soll die Gesellschaft in Aktion treten.

Interessant ist, wer alles an der Patiomed AG beteiligt ist: Gründer sind die KVmed GmbH, die apoBank und der Deutsche Ärzte Verlag. Wobei die KVmed GmbH die Tochtergesellschaft der von der KBV 2008 ins Leben gerufenen Aeskulap-Stiftung ist.

Aber auch die Asklepios Kliniken sind an der KVmed GmbH beteiligt und zählen zu den Gesellschaftern der Patiomed AG. Ähnlich sieht es bei der PVSmed Beteiligungs- und Steuerungsgesellschaft mbH, einer Tochtergesellschaft der im PVS/Verband zusammen geschlossenen Privatärztlichen VerrechnungsStellen, aus.

Ein rein wirtschaftliches Interesse soll die Patiomed AG trotzdem nicht haben. Wie Dr. Carl-Heinz Müller, zweiter Vorsitzender der KBV und Vorsitzender des Kuratoriums der Aeskulap-Stiftung, anlässlich der Gründung erklärte, wolle man vor allem einer zunehmenden Fremdbestimmung der ärztlichen Tätigkeit in MVZ, deren Träger sich primär an Renditezielen orientieren, etwas entgegensetzen. Dabei gehe es Patiomed selbst "nicht um zweistellige Renditeerwartungen", sondern um die Sicherstellung einer von freiberuflich tätigen Vertragsärzten getragenen Versorgung.

Trotzdem hagelt es erste Kritik vom Bayerischen Fachärzteverband. Dass eine Aktiengesellschaft für ihre Aktionäre keinen Gewinn erwirtschaften will, glaubt man dort nicht.

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