Ärzte Zeitung, 23.07.2010

Struktur im Gespräch beugt Medikationsfehlern vor

Vor allem ältere Patienten sind oft überfordert, wenn es um ihre Medikation geht. Abhilfe können hier strukturierte Gespräche mit den Patienten schaffen - und zwar schon vor der Verordnung.

Von Claudia Bruhn

Strukturierte Gespräche zur Medikation beugen Fehlern vor

Aufklärungsgespräche über die Verordnungen können helfen, Patienten Unsicherheiten zu nehmen.

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BERLIN. "Die Informationen, die Patienten in der Hausarztpraxis zur Medikation erhalten, entsprechen oft nicht denen, die sie benötigen, um im Alltag zurechtzukommen,", so Dr. Cornelia Mahler vom Universitätsklinikum Heidelberg. Bei einem Kongress für Patientensicherheit in Berlin regte die Ärztin daher an, mit Patienten regelmäßig strukturierte Arzneigespräche zu führen.

Mahler und ihre Kollegen haben 2007 eine Patientenbefragung im Rahmen des Projekts "HeiCare® - sektorübergreifende Harmonisierung der Arzneimitteltherapie" ausgewertet. Dabei füllten knapp 600 AOK-Patienten mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren einen Fragebogen aus. Ziel war es herauszufinden, wie zufrieden die Patienten mit den Informationen waren, die sie vom Arzt zu ihrer Arzneimitteltherapie erhalten.

Die Auswertung der Fragebögen ergab, dass Arzneimittelgespräche beim Arztbesuch nur in geringem Umfang stattfinden und dass meist eher Aspekte der Anwendung erläutert werden. Die Patienten äußerten sich zudem unzufrieden darüber, dass sie zu wenig Gelegenheit haben, mit dem Arzt über ihre Bedenken zu möglichen Neben- und Wechselwirkungen zu sprechen. Viele Patienten wünschten sich mehr Zeit, um eigene Bedenken und Vorstellungen zu ihrer medikamentösen Therapie äußern zu können.

Mahler empfahl als Ansatz zur Problemlösung, in der Arztpraxis strukturierte, regelmäßig Arzneimittelgespräche zu führen: bei Patienten über 75 Jahre einmal pro Jahr, bei Verordnung von mehr als vier Medikamenten sogar alle sechs Monate sowie grundsätzlich nach jedem Klinikaufenthalt.

Folgende fünf Aspekte sollten in diese Gespräche einfließen:

  • Haben die Patienten die Medikamente vertragen?
  • Haben sie weitere Medikamente (Selbstmedikation!) eingenommen?
  • Überprüfen, ob sie die die Anweisungen verstanden haben
  • Informationen individuell an Patienten anpassen
  • Mögliche Ängste und Bedenken erfragen und besprechen.
  • "Der Arzt muss die Arbeit auch nicht allein machen - Medizinische Fachangestellte oder Pflegekräfte können ihn dabei unterstützen", empfahl Mahler. So könne beispielsweise bereits vor dem Arzttermin die komplette Medikation erfasst und in einem strukturierten Fragebogen festgehalten werden. Mit dieser Vorgehensweise gebe es in Heidelberg bereits gute Erfahrungen unter anderem bei Herzinsuffizienz-Patienten.

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