Ärzte Zeitung online, 10.08.2010

Verbraucherkredit-Richtlinie: Experte sieht deutliche Mängel

NEU-ISENBURG (lu). Bessere Transparenz für Bankkunden sollte die neue Richtlinie für Verbraucherkredite bringen. Doch den Banken bleiben weiter etliche Schlupflöcher, kritisieren Experten.

Verbraucherkredit-Richtlinie: Experte sieht deutliche Mängel

Mehr Transparenz ins Geschäft mit Verbraucherkrediten sollte die neue Richtlinie bringen - Experten kritisieren allerdings neue Fallstricke und Schlupflöcher.

© Linda Macpherson / fotolia.com

Das in den Medien verbreitete Argument, Kreditkunden hätten gegenüber den Banken nun bessere Rechte, will Max Herbst von der FMZH-Finanzberatung so nicht stehen lassen. Schließlich gebe es etliche Fallstricke für die Kunden und Ausweichoptionen für die Banken. Für Herbst steht fest: "Der Gesetzgeber hat teils sinnlose Regelungen beschlossen, teils ging er nicht weit genug." Im Kern der Kritik steht unter anderem:

Kündigung von Ratenkrediten: Kreditnehmer dürfen einen Ratenkredit nun jederzeit ganz oder teilweise zurückzahlen, falls dieser nicht durch eine Grundschuld besichert ist. Doch dafür sei jetzt nicht nur eine Vorfälligkeitsentschädigung in Höhe von 0,5 bis ein Prozent der Darlehenssumme zu zahlen. Oft werde auch eine Bearbeitungsgebühr fällig, die die Entschädigung deutlich übersteigt: 36 von 65 Ratenkreditanbietern verlangen eine Bearbeitungsgebühr von zwei bis 3,5 Prozent der Darlehenssumme, wie Recherchen der FMH-Finanzberatung ergaben.

Angabe des Effektivzinses: Bauherren haben nun ein Recht darauf, zu erfahren, wie hoch der Gesamt-Effektivzins ausfallen wird, wenn der Anschlusszins bei einem bestimmten Prozentsatz liegt. Für Herbst ist diese Informationspflicht der Banken schlicht sinnlos: "Niemand weiß, welche Zinssätze nach der Zinsbindungszeit gelten. Daher ist die Angabe des geschätzten Gesamteffektivzinses überflüssig." Während der Gesetzgeber hier überreguliert habe, sei versäumt worden, die Banken zu verpflichten, den Gesamteffektivzins auszuweisen, wenn statt der normalen Tilgung ein Bausparvertrag als Tilgungsersatz bespart wird. "Doch genau hier würde der Vergleich dem Kunden tatsächlich wertvolle Informationen liefern", so Herbst.

Verbot von Lockzinsen: Das Verbot für die Banken, bei bonitätsabhängigen Krediten die eigene Dienstleistung mit irreführenden Dumping-Zinsen anzupreisen, schien zunächst sinnvoll. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass dies nicht konsequent gehandhabt wird. "Denn die Banken dürfen weiter mit sehr niedrigen Zinsen werben, wenn sie in der Werbung gleichzeitig repräsentative Beispielkonditionen vermerken, die zwei Drittel der Kunden erhalten", wie Herbst erläutert. Das sei umso ärgerlicher, als lediglich ein bis zwei Prozent der Kunden von den beworbenen Bestkonditionen profitierten.

Offenlegung von Provisionen: Baugeld-Vermittler müssen nun ihre Provisionen offenlegen. "Das schafft zwar etwas mehr Transparenz, ist aber nur ein halbherziger Versuch", so der FMH-Inhaber. Denn die Bank müsse zwar die Provision des Vermittlers offenbaren, nicht aber die der Mitarbeiter in den Strukturen darüber. Gleichwohl glaube der Kunde, es handele sich um ein günstiges Angebot, wenn der Vermittler wenig Provision kassiert. Hinzu kommt, dass Banker, die das Darlehen an eine Hypothekenbank weiterreichen, anders als Vermittler keine Provisionen offenlegen müssen. Herbsts Urteil: "Unter dem Deckmäntelchen der Transparenz wuchert hier die Desinformation."

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