Ärzte Zeitung, 01.12.2010

"Eine Patientenschulung zu Selektivverträgen lohnt sich"

Eine Kardiologenpraxis lud 1000 Patienten zu einer Infoveranstaltung zum AOK-Facharztvertrag ein. 600 davon kamen auch tatsächlich.

Von Kerstin Mitternacht

"Eine Patientenschulung zu Selektivverträgen lohnt sich"

Dr. Ralph Bosch, Kardiologe aus Ludwigsburg

© Dr. Ralph Bosch

LUDWIGSBURG. Hausarztverträge nach Paragraf 73 b gibt es schon einige. Jetzt kommen die ersten Facharztverträge nach 73 c hinzu. Doch wie informieren Ärzte ihre Patienten über die Vorteile der Selektivverträge, damit diese sich auch in den Vertrag einschreiben? Eine Kardiologenpraxis in Baden-Württemberg hatte eine zündende Idee: Die Praxis, in der fünf Ärzte in einer Partnerschaftsgesellschaft arbeiten, lud kurzerhand 1000 Patienten zu einer einmaligen Schulung ein.

Dabei gibt es in Baden-Württemberg bereits seit Ende 2009 einen Facharztvertrag für Kardiologen mit der AOK. Niedergelassene Kardiologen, Fachinternisten und Versicherte der AOK können sich in diesen Vertrag einschreiben.

Praxis und AOK erarbeiteten gemeinsam das Programm

"Jeden AOK-Patienten einzeln in der Praxis auf den Vertrag aufmerksam machen, das hätte einfach zu viel Zeit in Anspruch genommen", so Dr. Ralph Bosch, einer der Kardiologen der Ludwigsburger Praxis. "So haben wir unsere etwa 1000 AOK-Patienten angeschrieben und sie zu einer Informationsveranstaltung eingeladen."

Organisiert hat die Kardiologenpraxis die Veranstaltung gemeinsam mit der lokalen AOK in Ludwigsburg. "Diese stellte uns auch ihre Räume zur Verfügung", sagt der Kardiologe. Auch das Programm und den Vortrag hat die Praxis gemeinsam mit der AOK erarbeitet. "Die AOK hat zudem die Kosten für Mailing und Druck übernommen.

So funktioniert das Facharztprogramm im Südwesten

Im AOK-FacharztProgramm in Baden-Württemberg sind Versicherte, die im Hausarztvertrag und in einem Facharztvertrag eingeschrieben sind, auch automatisch in den weiteren Facharztverträgen eingeschrieben.

Zur Zeit gibt es Selektivverträge für Kardiologen und Gastroenterologen. Im nächsten Jahr sollen weitere Verträge für Neurologie / Psychiatrie und Orthopädie folgen. Insgesamt sind nach Angaben der AOK zurzeit 24 000 Versicherte eingeschrieben, davon 23 000 im Kardiologenvertrag.

Für uns war es ein zeitlicher Aufwand, da wir mit drei Ärzten vor Ort waren. Finanziell mussten wir zudem die Personalkosten von acht Arzthelferinnen tragen."

Insgesamt vier Stunden lang stellte Dr. Hellmut Krause-Amendinger von der Praxis für Kardiologie den neuen Vertrag an dem Nachmittag den Patienten vor. "Wir hatten die Patienten zu unterschiedlichen Zeiten eingeladen, sodass immer nur eine kleine Gruppe von Patienten sich den Vortrag zehn Minuten anhörte. Danach konnten die Patienten sich an Infoständen weiter über den Vertrag bei AOK und Praxismitarbeitern informieren und sich auch gleich vor Ort einschreiben", berichtet Bosch.

Von den Patienten kam positives Feedback

Von den 600 Patienten, die die Veranstaltung besuchten, haben sich 380 gleich vor Ort in den Vertrag eingeschrieben, so Bosch. Mittlerweile haben sich in der Praxis für Kardiologie in Ludwigsburg 750 Patienten in den Vertrag eingetragen. In ganz Baden-Württemberg sind nach Angaben der AOK derzeit 24  000 Versicherte im AOK-FacharztProgramm Baden-Württemberg eingeschrieben.

Die Praxis für Kardiologie, in der Dr. Bosch arbeitet, war die erste, die eine solche Veranstaltung für ihre Patienten organisiert hat. "Einige Kardiologen haben es uns in einem ähnlichen Stil nachgemacht."

Von den Patienten kam überwiegend ein positives Feedback, so Bosch. "Es gibt nur wenige, die nicht im Kardiologenvertrag mitmachen wollen. Die Patienten, die sowieso schon im Hausarztvertrag eingeschrieben waren, sind auch vom Kardiologenvertrag überzeugt."

Ein Vorteil: Einzelleistungen werden vergütet

Die Vorteile für die Patienten sind zum Beispiel kürzere Wartezeiten bei der Terminvergabe und in der Praxis fällt außerdem keine Rezeptgebühr an.

Für die Ärzte bringt der Vertrag eine sichere Vergütung. "Der Fallwert pro Patient ist 20 Prozent höher als bisher", sagt Bosch. Außerdem werden Einzelleistungen vergütet und nicht Pauschalen. Die Qualität des Vertrages macht aus, dass er den Ärzten eine tatsächliche Kalkulationsbasis gibt. "Dafür lohnt es sich eine Patientenveranstaltung zu organisieren", sagt Bosch.

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