Ärzte Zeitung, 17.12.2010

AOK und Apotheker wollen Impfung fördern

Die AOK Berlin-Brandenburg und Berliner Apotheker rufen zur Influenza-Impfung auf und sagen hohen Impfstoffkosten den Kampf an.

Von Matthias Wallenfels

AOK und Apotheker wollen Impfung fördern

Der Impfschutz soll möglichst hoch, die Kosten sollen möglichst gering sein, so das Plädoyer von Kasse und Apothekern.

© Ottmar Kittel / fotolia.com

BERLIN. Die Rahmenbedingungen stimmen für die AOK Berlin-Brandenburg und den Berliner Apotheker-Verein (BAV). Vor dem Hintergrund des schneereichen und nasskalten Wetters appellieren sie in einer gemeinsamen Aktion an die Bevölkerung, die Grippeschutz-Impfung in den Arztpraxen wahrzunehmen.

In ihrer Aufklärungsaktion weisen sie Impfwillige zum einen darauf hin, dass die Kosten für die Grippeschutzimpfung in den meisten Fällen - immer bei Risikogruppen - von den Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und in der Regel auch von den Privatkassen übernommen werden. Bei Patienten, die ausschließlich zur Impfung in die Praxis kommen, entfalle auch die Praxisgebühr.

AOK Berlin-Brandenburg und BAV kritisieren mit ihrer Aktion gleichzeitig die Impfstoffhersteller für das im Vergleich zu anderen Ländern hohe Preisniveau der Impfstoffe. Die Ausgaben der GKV für Grippeimpfstoffe seien in den vergangenen Jahren "unverhältnismäßig" gestiegen.

Im EU-Vergleich erscheint deutsches Preisniveau hoch

"Bei den Abgabepreisen der Hersteller für Grippeimpfstoffe war in den vergangenen Jahren ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen. Zudem ist das deutsche Preisniveau von Grippeimpfstoffen im Vergleich zum europäischen Ausland unerklärlich hoch" postuliert Dr. Sabine Richard, Unternehmensbereichsleiterin Arzneimittel der AOK Berlin-Brandenburg.

Laut einer Studie des Instituts für Gesundheit- und Sozialforschung (IGES) im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums liege zum Beispiel im Jahr 2008 in Frankreich der Herstellerabgabepreis im Durchschnitt um mehr als 70 Prozent unter dem deutschen Pendant.

Über die Versorgung mit Grippeimpfstoffen der Saison 2011/2012 haben die AOK und der BAV nach eigenen Angaben im November eine neue Vereinbarung abgeschlossen. "Mit der Neuregelung wollen wir eine qualitativ hochwertige Versorgung mit Grippeimpfstoffen zu signifikant niedrigeren Kosten als bisher gewährleisten, indem wir auf den Preiswettbewerb zwischen den Herstellern setzen", erläutert Richard die Vereinbarung.

"Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Berliner Apothekern ermöglicht es uns, dieses Ziel zu erreichen", ergänzt sie.

Bündnis will die Kosten um 40 Prozent senken

Durch die mit den Apotheken vereinbarten günstigen Abrechnungspreise sparten die Kassen voraussichtlich rund 40 Prozent der bisherigen Kosten für Grippeimpfstoffe. Die Neuregelung beschränke weder Ärzte in ihrer Verordnung noch Apotheker in der Beschaffung von Grippeimpfstoff eines Anbieters ihrer Wahl. Für die Versicherten habe die neue Vereinbarung keine Nachteile.

AOK und BAV raten vor allem besonders gefährdeten Personen, umgehend einen Impftermin beim Arzt zu vereinbaren. "Wer noch nicht gegen Grippe geimpft ist, sollte dies schnellstmöglich nachholen", empfiehlt BAV-Vorsitzender Dr. Rainer Bienfait.

Auch Menschen, bei denen eine Abwehrschwäche bekannt sei, sollten sich gegen die Grippe impfen lassen. Wichtig sei die Influenza-Impfung für alle Beschäftigten in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr, wozu Mitarbeiter in Arztpraxen, Krankenhäusern, Altenheimen und Erziehungseinrichtungen zählten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Jeder neunte Euro geht an die Gesundheit

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland steigen weiter. Im Jahr 2015 betrugen sie 344,2 Milliarden Euro oder 4 213 Euro je Einwohner. Auch die Prognose für 2016 liegt bereits vor. mehr »

Zahl importierter Malaria-Erkrankungen stark gestiegen

In den letzten Jahren ist die Zahl der Malaria-Erkrankungen in Deutschland deutlich gestiegen. Die unspezifische Symptomatik führt immer wieder zu potenziell lebensbedrohlichen Fehldiagnosen. mehr »

BGH befreit Durchgangsärzte von Haftung

Für die Folgen eines Fehlers bei der Diagnose und auch der Erstversorgung durch einen D-Arzt haftet nicht der Arzt, sondern die Unfallversicherung. Das hat nun der Bundesgerichtshof klargestellt. mehr »