Ärzte Zeitung, 07.03.2011

Telemetrie: Die Patientendaten kommen per Transmitter

Über 200 Patienten betreut der Kardiologe Dr. Ralph Bosch via telemetrischer Sprechstunde. Das spart nicht nur dem Praxisteam viel Zeit. Es sorgt vor allem dafür, dass die Patienten ihre Kontrolltermine einhalten.

Von Kerstin Mitternacht

Die Patientendaten kommen per Transmitter

Krankenschwester Ingrid Mutscher während einer telemetrischen Sprechstunde in der Praxis von Dr. Ralph Bosch.

© Bosch

LUDWIGSBURG. Seit zwei Jahren hat der Kardiologe Dr. Ralph Bosch aus Ludwigsburg eine große telemetrische Sprechstunde für Patienten mit Herzschrittmachern und implantierbaren Cardioverter-Defibrillatoren (ICD-Systeme) in seiner Praxis. Die Resonanz ist gut: Über 200 Patienten senden mittlerweile dem Kardiologen regelmäßig ihre Daten zur Kontrolle.

"Am Anfang waren die Patienten reserviert", berichtet Bosch, "mittlerweile übertragen aber 95 Prozent der Patienten mit ICD-Systemen und 50 Prozent der Patienten mit Herzschrittmacher ihre Daten elektronisch."

Der große Unterschied liege daran, dass einige der Herzschrittmacher schon älter und daher technisch nicht telemetriefähig seien, erklärt Bosch. Und auch die Patienten seien im Schnitt älter als die ICD-Patienten und scheuten sich daher häufig vor der Technik, die mit der Datenübertragung verbunden ist.

Patienten mit Herzschrittmacher und ICD-System müssen regelmäßig zur Nachsorge - alle drei bis sechs Monate findet eine Routinekontrolle statt. "Deshalb sind die Patienten froh, dass sie für die Untersuchung nicht mehr extra in die Praxis kommen müssen", sagt Bosch. "Das spart den Patienten und auch uns viel Zeit."

Mittlerweile haben auch fast alle großen Hersteller die Option zur telemetrischen Sprechstunde in ihre Geräte eingebaut. Der Patient hat zu Hause einen Transmitter, der am Telefon angeschlossen ist.

Mit nur einem Knopfdruck können so die kompletten technischen Daten des Herzschrittmachers oder des ICD-Systems - zum Beispiel Informationen über Herzrhythmusstörungen, die körperliche Aktivität des Patienten oder teilweise Informationen über den Flüssigkeitsgehalt der Lunge bei Patienten mit Herzschwäche - an den Arzt gesendet werden.

"Diese Routinekontrollen sind oft schon vorprogrammiert, so dass der Patient noch nicht einmal an den Termin denken muss und die Daten automatisch an die Praxis gesendet werden", sagt der Kardiologe.

An dem Tag, an dem die Daten für die Routinekontrolle in die Praxis übermittelt werden, hält sich Bosch für die telemetrische Sprechstunde frei, dann kontrolliert er die einlaufenden Daten der Patienten. Gibt es keine Auffälligkeiten, schickt er einen Brief an den Hausarzt und einen an den Patienten mit dem Ergebnis der Untersuchung.

Gibt es Unregelmäßigkeiten, bespricht er die Probleme mit dem Patienten entweder am Telefon oder bestellt ihn in die Praxis ein. Häufige Probleme sind laut Bosch Herzrhythmusstörungen oder Wasser in der Lunge. "Dann schlägt auch das Gerät Alarm, sofern die Alarmbenachrichtigung aktiviert ist."

Oft sei das Problem schnell gelöst, berichtet er. Patienten würden häufig vergessen, ihre Wassertabletten (Diuretika) einzunehmen und dann zeige die Messung Wasser in der Lunge an. "Ich rufe dann an und erinnere den Patienten an die Einnahme seiner Medikamente." Die Erfahrung zeige, dass so Klinikeinweisungen verhindert werden könnten.

Ergebnisse zu einer großen Studie zur telemetrischen Sprechstunde gibt es noch nicht. Zurzeit läuft aber eine Studie, die OptiLink, an der Bosch und sein Team teilnehmen.

Aber auch in der ärztlichen Routine erkenne man schon einige Vorteile: "Der größte ist wahrscheinlich, dass Ärzte und Patienten sich Zeit sparen. Die Nachsorge geht für mich als Arzt schneller." Und bei Notfällen könne man sofort handeln. Deshalb sei mittlerweile die Akzeptanz bei den Patienten sehr groß, so Bosch.

Auch bei der Abrechnung gibt es keine Schwierigkeiten: Abgerechnet werde die telemetrische Sprechstunde, wie eine ganz normale Schrittmacherkontrolle, sagt Bosch.

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