Ärzte Zeitung, 15.04.2011

Zuweiser fordern Gehör bei Fachärzten ein

Die Kommunikation mit den fachärztlichen Kollegen ist den zuweisenden Hausärzten ein Grundanliegen. Wie eine aktuelle Studie ergibt, wird dies aber im Alltag von den Fachärzten nur in unzureichendem Maße befriedigt.

Von Ilse Schlingensiepen

Zuweiser fordern Gehör bei Fachärzten ein

Im persönlichen Austausch mit Zuweisern können Fachärzte mit den Kollgen gemeinsam Lösungen eruieren.

© ISO K° - photography

KÖLN. Mit relativ einfachen Maßnahmen könnten Fachärzte die Kooperation mit ihren zuweisenden Hausärzten verbessern. Dafür müssten die Spezialisten sich aber für die Bedürfnisse der zuweisenden Kollegen interessieren. Doch gerade daran hapert es häufig, wie eine aktuelle Untersuchung des Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS) in Düsseldorf zeigt.

"Die spezialisierten Praxen wissen zu wenig über ihre Zuweiser", sagt IFABS-Leiter Klaus-Dieter Thill. Nur wenige Fachärzte würden sich regelmäßig mit den zuweisenden Kollegen austauschen. Das Institut hatte aus Zuweiserbefragungen von 56 urologischen Fachpraxen Antworten auf die offene Frage analysiert, was nach Ansicht der Hausärzte verbessert oder verändert werden sollte.

Einbezogen waren fast 2700 Allgemeinmediziner, hausärztliche Internisten und Praktische Ärzte.

"Das ist die Essenz dessen, was die Hausärzte ärgert", sagt Till mit Blick auf die Auswertung. Diese habe acht gleichrangige Fehler ergeben, die Urologen aus Sicht der zuweisenden Ärzte machen:

Unzureichende Kommunikation: Die Hausärzte vermissen Zwischenbescheide bei besonderen Vorkommnissen wie malignen oder auffälligen Befunden oder bei Problemen mit den Patienten.

Schlechte Organisation: Zuweisende Ärzte kritisieren Mängel bei der Terminvergabe - zum Beispiel das Fehlen einer Staffelung nach Dringlichkeit. Auch mit der telefonischen Erreichbarkeit der Urologen sind viele unzufrieden.

Mangelndes Entgegenkommen des Personals: Mehr als zwei Drittel der Hausärzte klagen über unfreundliche und wenig entgegenkommende Mitarbeiterinnen bei der Terminvergabe in der Facharztpraxis.

Unpraktisches Arztbrief-Management: Aus Sicht der Zuweiser fehlt es an Kontinuität und Schnelligkeit der Arztbrief-Zustellung. Die meisten Briefe kommen per Post, die Hausärzte hätten sie aber lieber per Fax oder E-Mail. Auch der Inhalt der Schreiben gehe in vieler Hinsicht an den Bedürfnissen der Zuweiser vorbei. So wünschen sie auf gezielte Therapieanfragen auch eine darauf abgestimmte, gezielte Antwort.

Zu wenig persönliche Kontakte: Die Zuweiser würden die Urologen gerne auch persönlich kennen lernen.

Schlechte Patientenbetreuung: Nach Ansicht vieler Hausärzte klären die Fachkollegen die Patienten mangelhaft oder unverständlich auf. Patienten fühlen sich nicht richtig verstanden oder verstehen die Therapie nicht.

Geringe Koordination: Jeder zweite Hausarzt beklagt unabgestimmte Eingriffe in sein Handeln - zum Beispiel die Empfehlung an den Patienten, alle bisherigen Medikamente abzusetzen.

Abweisende Praxisgestaltung: Ein Drittel der Zuweiser gab an, dass sich Patienten über Praxisgestaltung und Hygiene beschweren.

Die Kritikpunkte ließen sich in der Regel mit einfachen Mitteln aus dem Weg räumen, sagt Thill. "Nicht die diagnostisch-therapeutische Leistung steht im Mittelpunkt der Kritik, sondern organisatorische und kommunikative Gestaltungsparameter."

Das Hauptproblem aus seiner Sicht: "Viele Fachärzte kapseln sich zu stark ab und gehen nicht auf die Zuweiser zu", so Thill. Dabei gehe es nicht darum, sich täglich am Telefon über einzelne Patienten auszutauschen.

Mit Maßnahmen wie regelmäßigen Zuweiserbefragungen, persönlichen Kontakten und abgestimmten Organisations-, Behandlungs- und Informationsregeln ließe sich die Kooperation deutlich verbessern. Auch ein "Tag der offenen Tür" für die Zuweiser könne sehr nützlich sein, berichtet Thill. "Viele Hausärzte interessieren sich dafür, wie es in der Praxis des Fachkollegen aussieht."

IFABS wertet auch bei weiteren Fachgruppen den Umgang mit Zuweisern aus. Thill erwartet nicht, dass sich große Unterschiede zum Verhalten der Urologen ergeben.

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