Ärzte Zeitung, 03.05.2011

Online-Anschluss zur KV kommt auf Touren

Der Start in die Online-Abrechnung ist in Nordrhein-Westfalen glatt verlaufen. Die KVen haben die Pflicht nicht mit der Brechstange durchgesetzt.

Von Ilse Schlingensiepen

Online-Anschluss zur KV kommt auf Touren

Vom Praxisrechner über den Router zur KV: Das ist der gewünschte Weg der Abrechnungsdaten.

© seen / fotolia.com

KÖLN. In der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) setzt sich die Online-Abrechnung immer mehr durch. Im ersten Quartal haben mit 7646 Praxen rund die Hälfte ihre Abrechnung elektronisch eingereicht, verglichen mit 3800 im vierten Quartal 2010.

Laut KBV-Richtlinie ist die Online-Abrechnung seit Anfang dieses Jahres für die Vertragsärzte und -psychotherapeuten verpflichtend. In Nordrhein-Westfalen sehen die KVen wie die meisten in der Republik aber keine Sanktionen für Praxen vor, die dieser Pflicht nicht nachkommen.

Die KVWL sei mit der Akzeptanz des neuen Verfahrens bei ihren Mitgliedern sehr zufrieden, sagt KVWL-Vorstand Dr. Thomas Kriedel der "Ärzte Zeitung". "Die westfälischen Ärzte und Psychotherapeuten haben diesen neuen Weg pragmatisch und bereitwillig angenommen."

Offensichtlich hätten das Angebot sicherer Anbindungsmöglichkeiten und die Informationspolitik der KVWL gefruchtet, sagt er. Die Praxen sind über KV-SafeNet oder KV-FlexNet online angebunden. Im ersten Quartal 2011 hatten sich 75 Prozent für die Online-Abrechnung entschieden.

Die sichere Online-Anbindung der Praxen sei schon seit längerem ein Ziel der KVWL und die Online-Abrechnung dabei nur ein Bereich, sagt Kriedel. "Über den sicheren Weg zwischen Praxis und KV werden wir weitere Dienste für unsere Mitglieder anbieten."

Kriedel geht davon aus, dass sich das Verfahren der Online-Abrechnung schnell einspielen wird. Zuletzt hätten einige Ärzte zusätzlich zur elektronischen Abgabe "zur Sicherheit" noch einen weiteren Datenträger bei der KVWL eingereicht, berichtet er.

Die KVWL strebt zwar eine weitere Erhöhung der Online-Quote an, akzeptiert aber noch andere Datenträger wie CD-ROM. Manche Praxen können zurzeit auch gar nicht online abrechnen: Das IT-System Citrix für die Online-Abrechnung hat Probleme, mit den Betriebssystemen Apple und Linux zu kommunizieren. Die KVWL hofft, dass Citrix diese Lücken bald schließt.

Der Verwaltungskostensatz in Westfalen-Lippe beträgt bei allen Abrechnungsformen 2,3 Prozent. Papier-Abrechnungen nimmt die KVWL nicht mehr an.

Die Online-Abrechnung sei eine Maßnahme zur Reduzierung der Bürokratie in den Praxen, sagt Kriedel. "Sie ist eine komfortable Möglichkeit, die Abrechnung sicher zu überprüfen und schnell und unkompliziert zu transportieren."

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) kann noch keine Angaben darüber machen, wie viele Praxen im ersten Quartal 2011 online abgerechnet haben. Diese Zahlen liegen erst Anfang Juli vor.

Im vierten Quartal 2010 betrug der Anteil der Online-Abrechner in Nordrhein knapp 12 Prozent. Der größte Teil von ihnen - 7,11 Prozent oder 1000 Praxen - setzte dabei den elektronischen Heilberufeausweis ein. "Wir finden die Online-Abrechnung nur sinnvoll, wenn komplett auf Papier verzichtet werden kann", sagt Gilbert Mohr, Leiter des Kompetenzzentrums IT in der Arztpraxis der KVNo.

Für die papierlose Abrechnung benötigen Ärzte einen elektronischen Heilberufsausweis beziehungsweise die digitale Signatur. Sie können dann auch die Gesamtaufstellung digital unterschreiben und müssen sie nicht mehr - parallel zur elektronischen Abrechnung - in Papierform an die KV senden. Bei der papierlosen Online-Abrechnung sei die KVNo führend, sagt Mohr. In Westfalen-Lippe spielt die Abrechnung mit dem elektronischen Heilberufsausweis noch keine Rolle.

In Nordrhein profitieren Ärzte, die online und mit dem elektronischen Heilberufsausweis abrechnen, vom günstigeren Verwaltungskostensatz von 2,3 Prozent. Online-Abrechner ohne Ausweis zahlen 2,5 Prozent, Disketten-Abrechner 2,6 Prozent. Für die Abrechnung auf Papier müssen Praxen 3,5 Prozent berappen.

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Guter Start für Abrechnung per Mausklick

[04.05.2011, 10:12:59]
Dr. Hartmut Rodina 
Online-Abrechnung mit der KV
Zusätzlich zur teuren Online-Abrechnung müssen immer noch Begleitpapiere per Post an die KV geschickt werden. Dieses Porto von 1,45 € im Quartal war bei der bisherigen Disketten-Abrechnung der einzige Kostenfaktor.
Wo ist hier der Bürokratieabbau und die Verbesserung? In RLP ist auf Antrag die Diskettenabrechnung auch weiter möglich. zum Beitrag »
[04.05.2011, 09:43:49]
Dr. jens wasserberg 
KVNO nötigt den Ärzten als einzige KV bundesweit die teuerste Lösung alternativlos auf
Nur in der KVNO gibt es keine Onlineabrechnung via Web-Portal, welches ohne KV-Safenet auskommt. Nur die KVNO will ihre Zwangsmitglieder zwingen, das teure und technisch veraltete Safenet mit ferngewarteter Routerverbindung für teilweise mehr als 1000,- € pro Jahr zu installieren. In fast allen anderen KVen können die Ärzte ihre Abrechnung online verschicken mit einer Browserlösung, welche pro Jahr ca. 20-40 € Kosten verursacht. Nur die KVNO lässt das aktuell mit Hinweis auf vorgeschobenen Sicherheitsbedenken, die nur sie exklusiv zu haben scheint, nicht zu ! Pikant dabei ist, dass das Safenet eine Erfindung der KVNO ist und regelmäßige Gebühren dafür anfallen ...
Handelt so eine selbsternannte 'serviceorientierte' Interessenvertretung der Ärzteschaft ? Man hat wohl eher die Entwicklung der eigenen Geschäftfelder auf Kosten der Ärzte im Blick dabei ...

Dr. med. Jens Wasserberg
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