Ärzte Zeitung, 26.05.2011

Mit einer Hand die ganze Praxis steuern

Kontrollieren, wer an der Tür klingelt, und dabei Temperatur und Beleuchtung regeln - moderne Haustechnik, gesteuert über Touchscreens, macht den Praxisbetrieb effizienter.

Von Sabine Henßen

Mit einer Hand die ganze Praxis steuern

Per Druck auf das Touchscreen-Display lässt sich die Temperatur in den verschiedenen Praxisräumen individuell ändern. Möglich macht es der Funkregler am Heizkörper. So haben die Behandlungszimmer zu den genutzten Zeiten immer Komforttemperatur.

© Honeywell

Ein Technikfreak sei er überhaupt nicht, gibt Dr. Steffen Hauswald zu. Der 64-jährige Facharzt für Allgemeinmedizin praktiziert im baden-württembergischen Holzgerlingen und entschied sich im Februar des Jahres 2010 trotzdem für ein modernes Temperaturmanagement in seiner Praxis.

Ein Einzelraumregelungssystem sorgt dafür, dass nur Komforttemperatur herrscht, wenn tatsächlich Bedarf besteht. Zeit- und Temperaturprogramme regeln individuell, wann und mit wie viel Grad jeder seiner acht Räume beheizt wird.

Dazu wurden die bestehenden Thermostatregler seiner Gasheizungen abmontiert und durch Funkregler ersetzt. Diese senden - drahtlos - Signale an die Bedieneinheit mit Touchscreen-Display, über die auch die Programmierung und Bedienung des Systems erfolgt.

Installation und Schulung dauerten nur 1,5 Stunden

"Ich unterhielt mich mit einem Patienten, einem Entwicklungstechniker. Er brachte mich auf die Idee, das Heizen zu automatisieren, denn Energiekosten sollten in jedem Fall eingespart werden, frieren aber sollte niemand", so Hauswald. Seine Bedingung: die Bedienbarkeit sollte "narrensicher" sein. "Was auch zutrifft, das kann jeder", so der 64-Jährige.

Mit einer Hand die ganze Praxis steuern

Auch das iPhone kann die Praxis-Automation steuern. Die Apps gibt es bei iTunes.

© GIRA

Große Umbaumaßnahmen waren nicht notwendig, "der Techniker kam um 15 Uhr und ging nach 1,5 Stunden wieder - inklusive der Einführung in die Programmierung und Bedienung des Systems", erklärt Hauswald.

Da das Produkt, in diesem Fall evohome von Honeywell, per Funk die Daten übermittelt, kann auf aufwendiges Klopfen von Kabelschlitzen verzichtet werden, somit eignet es sich gut zum Nachrüsten bestehender Anlagen. Doch stören die Funkwellen den Praxisbetrieb? "Wir betreiben ein Reizstromgerät, arbeiten mit Ultrakurzwelle und Erbotom - keines der Geräte wird beeinträchtigt", erklärt der Allgemeinmediziner.

"Wo keine Kabel verlegt werden dürfen oder können, werden Verbrauchs- oder Bewegungsdaten in Millisekunden per Funkwellen übertragen. Die Belastung der Umwelt ist aber lange nicht so stark, wie beispielsweise bei der Handynutzung, sondern mehr als 1000-fach niedriger", sagt Dipl. Ing. Zenon Schimyczek. Der Automatisierungsspezialist berät Kunden zum Thema Gebäudeautomation.

Neben Heizungs-, Klima- und Lüftungsfunktionen kann auch die Beleuchtung individuell gesteuert werden. Wenn gewünscht so differenziert, dass über einer Arbeitsfläche eine andere Beleuchtungsstärke ausgewählt werden kann - etwa gemäß der DIN-Norm -, als im übrigen Raum.

Sensoren und Bewegungsmelder, an entsprechender Stelle angebracht, signalisieren der Steuerungseinheit, die meist am Empfang installiert ist: Licht an oder aus, Beleuchtungsstärke herauf oder herunter. Oder die Medizinische Fachangestellte bedient das Touchpanel manuell, beim Öffnen der Praxis oder während des Betriebs, wenn schnell eine individuelle Einstellung geändert werden soll. Ihren Arbeitsplatz am Empfang muss sie dafür nicht verlassen.

Wer sich für Automatisierungstechnik der Firma Gira entscheidet, kann neben allen relevanten Haustechnikkomponenten auch die Türkommunikation einbinden und sich auf dem Touchpanel ansehen, wer vor der Tür steht und klingelt.

Die neue Türkommunikationskomponente Gira TKS-IP-Gateway wird als Erweiterung des Gira Türkommunikations-Systems geliefert und an das Netzwerk angebunden. So können Computer oder schon vorhandene Touchpanels überall dort als Video-Sprech-Stellen eingesetzt werden, wo ein Netzwerk-Anschluss oder WLAN zur Verfügung steht.

Denn das System setzt die empfangenen Signale in Netzwerkprotokolle (Internet Protocol: IP) um. Für das Bild sorgt die Installation und Einbindung externer IP-Kameras, so bleibt die Situation draußen immer überschaubar.

Eine weitere intelligente Erweiterung von Türkommunikation: der Einsatz einer Fingerprint-Leseeinheit. So kann - sind die Fingerabdrücke vorher auf dem Automatisierungsserver hinterlegt - vom Daumen das Öffnen der Tür, mit dem kleinen Finger zusätzlich das Einschalten des Lichts im Flur und das Hochfahren der Heizung ausgelöst werden.

Medizinische Geräte bleiben außen vor

Wenn die Steuerung nahezu aller Anwendungen der Haustechnik automatisiert werden kann, liegt die Frage nahe, ob nicht auch MRT oder CT vom Touchscreen-Display aus gesteuert werden können. "Die Grenzen der Automation liegen im medizinischen Bereich meistens dort, wo es um Krankheitsdiagnose geht.

Die meisten medizinischen Geräte sind aufgrund der strengen Vorschriften der Hersteller nicht an die Gebäudeautomation anschließbar", erklärt Schymiczek. "Aber die Verbräuche können überwacht und mittels Diagramm dargestellt werden."

Ob Allgemeinarzt Dr. Hauswald wirklich um die 30 Prozent Energiekosten eingespart hat, wie es der Hersteller für sein Produkt prognostiziert, wird sich zeigen: "Noch warten wir gespannt auf die neue Heizkostenabrechnung", so Hauswald.

Alle Systeme sprechen dieselbe Sprache

Die Architektur moderner Gebäudesystemtechnik besteht aus folgenden Komponenten:

Server: Für komplexere Automatisierungs-Lösungen empfiehlt sich der Einsatz eines Servers, meist ein unscheinbarer Computer, in dem das leistungsfähige Gehirn des intelligenten Gebäudemanagements steckt. Hier laufen die Informationen zusammen, werden ausgewertet und Befehle losgeschickt. So entsteht beispielsweise das Energiemanagement, das exakt auf die Bedürfnisse einer Praxis ausgerichtet ist.

Vernetzung: Die Anzahl der anzukoppelnden Geräte ist nahezu unbegrenzt. Dazu zählen u.a. Schalter und Licht messende Sensoren, die Jalousien steuern, oder Temperaturfühler, die mit der Klimaanlage verbunden sind.

Schnittstelle: In Europa haben sich die Hersteller von Haus- und Gebäudesystemtechnik auf einen gemeinsamen Standard geeinigt, nach dem angeschlossene Geräte ihre Informationen austauschen: den Europäischen Installationsbus (EIB), der später zum weltweiten Standard KNX wurde.

Dieser soll auch ermöglichen, dass sich neue Geräte ohne Probleme in das System einbinden lassen. Wer in Sachen Automatisierung nachrüstet, muss keine Kabel verlegen, sondern setzt das Funk-System KNX RF ein.

www.knx.de,
www.gira.de,
www.cibek.de,
www.evohome.info

Lesen Sie dazu auch das Interview:
"Die Praxis-Automation per iPad regeln - das ist heute möglich"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Schelte für die SPD und die Bürgerversicherung

Bei der Eröffnung des 120. Deutschen Ärztetags nahm BÄK-Präsident Montgomery die Gerechtigkeitskampagne der SPD ins Visier. Lob gab es hingegen für Gesundheitsminister Gröhe. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »