Ärzte Zeitung, 24.05.2011

Gesundheitstourismus noch nicht in Balance

Gäste, die in Südholstein urlauben und medizinische Angebote wahrnehmen wollen, können den dortigen Gesundheitssektor beflügeln. Noch hapert es aber an der sinnvollen Verzahnung der einzelnen Leistungserbringer.

Von Dirk Schnack

Gesundheitstourismus noch nicht in Balance

Gesundheitstouristen schätzen es, wenn sie vor Ort einen zentralen Ansprechpartner für entsprechende Angebote, wie zum Beispiel Wasseraerobic, vorfinden.

© Lars Christensen / fotolia.com

BAD BRAMSTEDT. Die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft wird auch von der Kommunalpolitik zunehmend erkannt. Voraussetzung: Die Akteure arbeiten vernetzt. Deutlich wurde dies auf einer Konferenz der MedComm, einer Managementorganisation in der Region Südholstein, in der zahlreiche Akteure aus dem Gesundheitswesen kooperieren.

Die Branche ist als wichtigster Wirtschaftszweig der Region auch bei den Kommunalpolitikern anerkannt.

"Gesundheitswirtschaft ist für unsere Zukunft von immenser Bedeutung, als Wachstumsmarkt, Jobmotor und als Antwort auf die kommenden Herausforderungen für eine gesunde Gesellschaft", sagte etwa Segebergs Landrätin Jutta Hartwieg. In ihrem Landkreis finden nach Kiel und Lübeck landesweit am meisten Menschen Arbeit im Gesundheitssektor.

Besondere Chancen sehen die Kommunalpolitiker in einer weiteren Vernetzung der Bereiche Gesundheit und Tourismus, wie Bad Bramstedts Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach betonte. Wie sich auf der Konferenz herausstellte, gibt es aber noch Stolpersteine auf diesem Weg - zum Beispiel die Abstimmung zwischen Gesundheits- und Tourismusanbietern.

"Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten, die nicht immer von gegenseitiger Wertschätzung geprägt sind", sagte Kütbach. Er gab zu bedenken, dass Gäste abgestimmte Angebote im Gesundheitstourismus nachfragen und nicht gewillt sind, sich mühsam jede Leistung zusammen zu suchen.

Auch der Fachkräftemangel mache zu schaffen. Gäste im Gesundheitstourismus erforderten Fachkräfte mit hoher Qualifikation. Außer bei Ärzten und Pflegekräften zeichne sich auch in anderen Berufen der Wandel zu einem Arbeitnehmermarkt ab. "Fachkräfte müssen umworben werden", betonte Katharina Silies von MedComm.

In der Landesregierung Schleswig-Holsteins beobachtet man die Erfolge der Region Südholstein aufmerksam. Wirtschafts-Staatssekretärin Dr. Cordelia Andreßen kündigte an, bei der Vernetzung zu unterstützen. "Wir haben uns vorgenommen, die Akteure sektorenübergreifend zusammen zu bringen."

Nach ihren Angaben erwirtschaften landesweit 178.600 Beschäftigte der Gesundheitsbranche einen Umsatz von 6,5 Milliarden Euro.

Jens Ritter, Geschäftsführer des Klinikums Bad Bramstedt, hält die Telemedizin bei der Vernetzung für unverzichtbar. Nach seinen Erfahrungen hat ein Telemedizinprojekt in der Region, an dem sich mehrere Kliniken beteiligten, auch die Zusammenarbeit mit den Einweisern deutlich verbessert.

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