Ärzte Zeitung, 08.06.2011

Interview

"Schon vor Unterzeichnung des Mietvertrags beraten lassen!"

Steht der Umzug in neue Praxisräume an, kann die Kompetenz eines erfahrenen Architekten den Bauherren beim reibungslosen, kostenbewussten und zeitnahen Neustart im neuen Domizil unterstützen.

Dipl.-Ing. Norbert Thöne (FH)

"Schon vor Unterzeichnung des Mietvertrags beraten lassen!"

© Fotostudio Wlosinski

Aktuelle Position: Norbert Thöne (geb. 1955) führt in Hamm ein Innenarchitekturbüro mit Schwerpunkt Gesundheitswesen.

Werdegang: Er studierte Architektur mit Schwerpunkt Innenarchitektur an der FH Lippe-Detmold. Seit 1982 plant er Einrichtungen im Gesundheitswesen und kann auf 950 Projekte aller Größenordnungen zurückblicken.

Ärzte Zeitung: Auf welche Fallstricke im Mietvertrag sollten Ärzte achten?

Norbert Thöne: Wichtig ist, dass die zu mietende Fläche auch medizinisch genutzt werden kann. Hier zählt die genaue Formulierung. Werden Praxisräume angemietet oder Räume zur Nutzung als Praxis? Im letzteren Fall muss der Arzt, wenn nicht anders vertraglich geregelt, alle Voraussetzungen schaffen, um in den Räumen arbeiten zu können.

Er muss als Mieter die Genehmigungsfähigkeit herstellen. Im schlimmsten Fall erhält er von Behördenseite keine Genehmigung, bleibt auf den Kosten sitzen und muss sich neue Räume suchen. Auch Rückbauklauseln sollten aus dem Vertrag herausgenommen werden. Sonst müsste der Arzt nach Beendigung des Mietverhältnisses die Räume in den alten Zustand zurückversetzen.

Ärzte Zeitung: Mit welcher Vorlaufzeit müssen Ärzte rechnen, wenn ein Umzug in neue Räume ansteht?

Thöne: Das hängt vom geplanten Vorhaben ab: Für einen einfachen Umbau reicht ein halbes Jahr. Wenn es schneller gehen muss, kann man das auch noch etwas straffen. Ich arbeite mit Unternehmen zusammen, die eine Praxis bis zu einer Größe von etwa 400 Quadratmetern innerhalb von drei Wochen schlüsselfertig umbauen - hinzu kommt aber die Planungsphase, die man mit zwei bis drei Monaten veranschlagen sollte.

Bei einem Umzug in bisher nicht medizinisch genutzte Räume, einer Neuniederlassung oder Umnutzung etwa von gewerblichen Räumen, sollte man die Genehmigungszeit für den Bauantrag mit berücksichtigen.

Ärzte Zeitung: Gibt es Gesundheitsbauten, die Sie als besonders zeitintensiv einstufen?

Thöne: Falls ein Objekt laut Landesbauordnung als Sonderbau oder auch schwieriger Sonderbau einzuordnen ist, etwa eine kleine Privatklinik mit Patientenzimmern, oder auch ein konventionelles Ärztehaus mit mehr als 1600 Quadratmetern Grundfläche, müssen bis zu acht Behörden Stellung nehmen: Bauamt, Feuerwehr, Gewerbeaufsicht, Umweltamt, usw.

Das kann nach meiner Erfahrung bis zu einem halben Jahr dauern. Bis wann sich die Behörden äußern müssen, regeln die Landesbauordnungen. Häufig liegen die gesetzlichen Fristen bei vier Monaten.

Ärzte Zeitung: Sie haben sich auf Praxen und andere Medizinbauten spezialisiert. Welche Fachkompetenz können Sie Bauherren bieten?

Thöne: Während meiner langjährigen Tätigkeit als leitender Architekt bei der Winora habe ich umfangreiche Kenntnisse über Funktions- und Behandlungsabläufe, Behandlungsmethoden, Medizintechnik und die räumlichen Anforderungen an medizinisch genutzte Räume erworben. Keine Praxis ist wie die andere. Dies gilt für die unterschiedlichen Raumgeometrien, die unterschiedlichen Praxisgrößen - das kleinste Projekt war 55, das größte bisher 1450 Quadratmeter.

Zur Zeit ist ein Objekt in Planung, das eine Nutzfläche von 9500 Quadratmetern umfasst, auf denen 60 Ärzte aus 15 Fachrichtungen miteinander kooperieren und gemeinsam ein OP-Zentrum mit 25 Patientenzimmern betreiben werden. Jeder Arzt hat darüber hinaus individuelle Wünsche zur Praxisgestaltung, zum Farbkonzept, zur Möblierung, so dass ich immer wieder neue Lösungen entwickeln muss.

Ärzte Zeitung: Welche Leistungen bieten Sie an und wann holt man Sie am besten ins Boot?

Thöne: Idealerweise vor Abschluss des Mietvertrags! Wir - wie natürlich auch andere Spezialisten - beraten im Vorfeld zu Fragen der geeigneten Räumlichkeiten, besichtigen mit unseren Kunden potenzielle Standorte und geben Tipps zur Gestaltung der Mietverträge. Im schlimmsten Fall raten wir auch von dem geplanten Vorhaben ab, wenn wir zu viele bauliche oder finanzielle Risiken feststellen.

Selbstverständlich bieten wir auch die klassischen Leistungen an - vom Entwurf über die Technikplanung für die medizintechnischen Einbauten, die Genehmigungsplanung, die Bauleitung bis hin zur schlüsselfertigen Übergabe.

Das Gespräch führte Sabine Henßen.

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Im Hürdenlauf zur neuen Praxis

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