Ärzte Zeitung, 14.06.2011

Bonität: Banken fragen Managerqualitäten ab

Praxisumsatz und -gewinn sind wichtig und sollten stimmen. Aber das allein beschert Ärzten noch keine gute Bonität bei Banken, wie ein Fall aus der Praxis zeigt. Die Banken wollen zunehmend Managementqualität sehen.

Von Michael Vetter

Bonität: Banken fragen Managerqualitäten ab

Trotz guter Umsätze können hohe Kreditzinsen drohen.

© Phototom / fotolia.com

DORTMUND. Neben den monatlichen betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) bildeten bisher vor allem regelmäßige Rentabilitäts- und Liquiditätsberechnungen für Praxisinhaber Egbert M. die wesentlichen Grundlagen seiner Kreditwürdigkeit. Ein teurer Fehler, wie sich in einem Gespräch mit der Bank herausstellte.

Als sein Vater die Praxis an ihn vor acht Jahren übergab, tat er dies mit dem Selbstverständnis des Unternehmers, dass "Umsatz und vor allem Gewinn eben immer stimmen müssen".

M. übernahm diesen Ansatz und lebt auch heute noch danach. Zusätzliche Gesichtspunkte, die wesentliche Eigenschaften des Arztes als Unternehmer vor allem als Führungskraft sowohl gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Patienten als auch gegenüber seinen Banken abbilden und die mit der Bilanz und dem damit verbundenen Zahlenwerk zunächst wenig zu tun haben, zählten bisher dagegen nicht zu seinen Stärken.

Dies wurde während des letzten Bilanzgesprächs deutlich, das M. gemeinsam mit seinem Steuerberater ein Mal im Quartal mit dem für ihn zuständigen Kundenberater seiner Hausbank führt. Zu seiner Überraschung erhielt er dort die Information, dass sein Praxisrating wie schon in den vergangenen Jahren ein "gerade noch ausreichend" sei.

Diese Note drückt sich naturgemäß auch in seinen Kreditkonditionen aus: So zahlt er für den für ihn wichtigen Überziehungskredit auf dem Praxiskonto derzeit einen Zinssatz von 11 Prozent per anno, während erstklassige Sätze bei etwa 7 bis 8 Prozent pro Jahr liegen.

Qualitatives Rating

Neben dem so genannten "Finanzrating" ("Quantitatives Rating"), das auf Basis des Jahresabschlusses bzw. der Einnahme- Überschuss-Rechnung ermittelt wird, bildet das "Qualitative Rating" vor allem die strategischen Stärken und Schwächen des Arztes als Unternehmer ab.

Hinzu kommen Infos zum jeweiligen Fachbereich ebenso wie Details zur Kontoführung und Überlegungen zur Sicherung der späteren Praxisnachfolge. Ziel ist, die Praxis möglichst als Einheit zu erfassen und abzubilden.(mve)

Im Verlauf des Gesprächs wurde erneut deutlich - wie seine Hausbank bereits während der vergangenen Jahre darauf hingewiesen hatte -, dass sie eben nicht nur großen Wert auf stabile wirtschaftliche Zahlen legt, sondern auch auf jene Faktoren, die sich im so genannten "Qualitativen Rating" (siehe Kasten) wiederfinden und mit denen sich M. bisher noch nicht richtig angefreundet hat.

M. selbst führt dies darauf zurück, dass er sich bisher vor allem um seine Patienten kümmert. Da das Delegieren bisher nicht zu seinen Stärken gehörte, blieben wichtige organisatorische Dinge mehr oder weniger unbearbeitet.

Die finanziellen Auswirkungen haben M. allerdings davon überzeugt, nun gegenzusteuern. Nachholbedarf besteht vor allem in der strategischen Ausrichtung der Praxis und in den damit verbundenen wichtigen Bereichen der Planung und Steuerung, wie das Gespräch mit der Bank zeigte. So fehlt ein funktionierendes Controllingsystem ebenso wie ein Früherkennungssystem für potenzielle Risiken.

Und gerade auf die Risiko-Abwendung legen Banken in Sachen Bonität großen Wert. Auch sein Informationsverhalten und die damit verbundene Transparenz sind demnach verbesserungsfähig. Details über Umsätze, Kosten und Erträge sowie über geplante Investitionen teilte er bislang lediglich einer langjährigen Fachkraft mit. Was auch fehlt: regelmäßige Mitarbeitergespräche, daraus resultierende individuelle Beurteilungen und konkrete Fortbildungspläne.

Ein Praxiskonzept, das M. gemeinsam mit Hausbank und Steuerberater erarbeiten will, soll das nun ändern. In diesem Konzept sollen sich die Anforderungen seines Kreditgebers weitgehend wiederfinden.

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