Ärzte Zeitung, 22.07.2011

Vor dem Arztbesuch noch schnell ins Internet

Immer mehr Menschen nutzen das World Wide Web und Soziale Netzwerke, um sich über Gesundheitsthemen zu informieren. Aber was ist ihnen dabei besonders wichtig? Eine Studie von MSL hat sich das virtuelle Wartezimmer Internet genauer angeschaut.

Von Kerstin Mitternacht

Vor dem Arztbesuch noch schnell ins Internet

Krank im Bett? Viele Patienten informieren sich dann im Web über mögliche Diagnose und Therapie.

© somenski / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Bei Fragen zu Gesundheitsthemen ist und bleibt das Web das Medium Nummer eins. Und die Aktivität im Netz wächst. 98 Prozent der Bevölkerung nutzt das Internet, um sich über Krankheiten, Therapiemöglichkeiten oder Ärzte zu informieren.

Dies geht aus einer aktuellen repräsentativen Gesundheitsstudie der Kommunikationsagentur MSL Germany und des Marktforschungsinstituts Skopos hervor.

Ärzte genießen nach wie vor ein hohes Vertrauen, jedoch haben sie ihr Informationsmonopol eindeutig verloren (46 Prozent, Vorjahr 53 Prozent). Denn selbst der Arztbesuch wird von Informationen aus dem Netz eingerahmt: 41 Prozent der Befragten geben an, sich vor einem Arztbesuch im Internet zu informieren.

Nach einem Termin sind es immerhin noch 31 Prozent der Befragten. Dabei suchen gesetzlich Versicherte (57 Prozent) eher nach Infos im Web als privat Versicherte (46 Prozent). Auch bei chronisch Kranken ist die Aktivität im Internet - mit 69 Prozent - deutlich höher .

Patienten fordern mehr Interaktivität auf Arztwebseiten

Ärzte haben in der Onlinekommunikation aber noch einige Defizite: Laut MSL würden sie den Anforderungen und Interessen der Patienten noch nicht mit einem angemessenen Angebot begegnen. Patienten wünschen sich mehr als eine einfache Internetseite der Arztpraxis, so Stefanie Dölz, Senior Consultant bei MSL Germany bei der Vorstellung der Ergebnisse in Frankfurt am Main.

Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) würde gerne ihren Arzttermin online vereinbaren können. Ärzte müssen sich demnach in Zukunft verstärkt digitalisieren, wenn sie nicht den digitalen Anschluss zu ihren Patienten verlieren wollen. Das bedeutet unter anderem auch den direkten Kontakt zu Patienten über das Internet herstellen. Vorstellbar sei zudem, dass der Arzt seine Patienten online bei Therapien begleitet.

Denn viele Studienteilnehmer gehen davon aus (44 Prozent), dass eine internetgestützte Begleitung den Therapieerfolg verbessert. 40 Prozent sind der Meinung, dass informierte Patienten eher bereit sind, mehr Geld für neue Therapien auszugeben.

"Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Internet mehr und mehr zum Gesundheitsberater und zum Begleitinstrument bei Therapien wird", sagt Dölz.

Foren wichtiger als Facebook oder Twitter

Auch Foren und soziale Netzwerke spielen eine große Rolle. Es zeigt sich jedoch, dass anonyme Foren dabei wichtiger sind als Angebote wie Facebook oder Twitter. Fast jeder zweite Befragte kann sich vorstellen, sich in Foren über Gesundheitsthemen zu informieren.

Auf das größte Interesse stoßen Themen wie Klinikbewertungen und Kosten von Medikamenten. Bei den Medizinthemen sind Schmerzen, gesunde Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigsten Themen, über die sich in Foren ausgetauscht wird.

Auf Facebook geht es eher um allgemeine Gesundheitsthemen, wie Erkältung oder auch Ernährung. Dort sind Krankheiten eher fehl am Platz, weil sich auf diesem Portal Freunde verbinden und es darum geht, ein möglichst positives und interessantes Bild von sich selbst aufzubauen, so Dölz. "In Foren, in denen sich die Mitglieder dagegen anonym austauschen, können auch tabuisierte Themen oder schwere Krankheiten offen angesprochen werden."

Auch auf Apothekenwebseiten mehr digitale Kommunikation gewünscht

Neben Ärzten gehören auch Apotheker zu den ersten Ansprechpartnern, wenn es um Gesundheitsfragen geht - auch hier wünschen sich die Befragten mehr digitale Kommunikation, etwa Angebote zur schnellen Kontaktaufnahme oder zur online Arzneibestellung.

Aber auch wenn das Internet für Patienten eine immer größere Rolle spielt, werden nach Eischätzung von MSL Ärzte und Apotheker ihre wichtige Rolle als Gesundheitsratgeber der Patienten behalten - das gilt vor allem für den akuten Krankheitsfall. Auch würden Patienten nicht auf Augenhöhe mit Ärzten diskutieren, nur weil sie sich im Vorfeld im Netz informiert hätten. Jedoch habe die Befragung gezeigt, dass sich Ärzte auf kritischere Patienten einstellen müssen.

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