Ärzte Zeitung, 11.08.2011

Datenschützer warnen Ärzte vor Facebook

NEU-ISENBURG (mn). Datenschützer aus Berlin und Hamburg warnen Ärzte vor einem fahrlässigen Umgang mit dem sozialen Netzwerk Facebook.

Datenschützer warnen Ärzte vor Facebook

Ärzte sollten genau hinschauen, wenn es um den Abgleich des E-Mail-Adressbuchs mit ihrem Facebook-Account geht.

© dpa

Ärzte, die ein privates Profil auf Facebook haben, sollten aufpassen, dass sie nicht ihr elektronisches Adressbuch oder E-Mail-Postfach an das soziale Netzwerk übermitteln und damit Patientendaten preisgeben.

Dies kann, selbst wenn es unabsichtlich geschieht, als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 150.000 Euro bestraft werden.

Arzt ist verpflichtet, Patientendaten zu schützen

Denn der Arzt sei verpflichtet, seine Patientendaten vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Darauf weist der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Dr. Alexander Dix hin.

Er empfiehlt Ärzten, auf keinen Fall den Adressbuch- oder E-Mail-Abgleich zuzulassen, wenn sich auf dem Computer oder iPhone nicht nur private Kontakte, sondern auch Patientendaten befinden.

Datenbestände sollten getrennt werden

"Ärzte sollten ihre Datenbestände getrennt halten" sagt auch Bernhard Freund, Referent beim Hamburger Datenschutzbeauftragten. Denn ein Abgleich könne schnell passieren.

Freund weiß von einigen Fällen, in denen Ärzte sich darüber gewundert hatten, dass ihre Patienten Einladungen zu Facebook erhielten und ihnen andere Patienten mit Name und Bild als mögliche Bekannte vorgeschlagen wurden, die schon auf Facebook sind. Eben weil die betroffenen Ärzte einen automatischen Abgleich ihres iPhone-Adressbuchs mit ihrem Facebook-Account zugelassen hätten.

Diese Datenweitergabe an Facebook kann, wenn ein Arzt die Daten vorsätzlich weitergibt, womöglich sogar eine Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht darstellen und ist somit strafbar.

[12.08.2011, 14:01:44]
Dr. Gunter Pollanz 
doch Angst for Facebook
Dr. Gunter Pollanz, Vorstandsvorsitzender der Med-O-Card AG, empfiehlt, dass die Gesundheitsorganisationen und Datenschützer, die ja so viel Hürden aufbauen, damit ein Patient seine eigenen Daten gar nicht sehen kann, die Bürger, egal ob Ärzte oder Patienten, etwas genauer informieren und nicht so floppy by-the-way dazu Stellung nehmen.

1) Wer bei Facebook einen Account anlegt, muss sich im Klaren darüber sein, dass Facebook bei einem Abgleich des Emailkontos bzw. des Adressbuchs alle Daten dieser Kontakte ebenfalls für seine Marketingzwecke verwenden kann und wird. Das gleiche gilt für eine Verknüpfung von Facebook mit einem Smartphone - auch hioer können und werden alle Kontaktdaten von Iphone, Galaxy oder Blackberry an Facebook übertragen. Nur wer sich genau auskennt und die 20 Seiten Kleingedrucktes Wort für Wort liest, lernt, dass es eine Möglichkeit gibt, diesen Zugriff zu blockieren. Oftmals ist es für eine Widerrufung dieser Übertragung schon zu spät. Zwar kann die Darstellung der persönlichen Daten im Profil auch im Nachhinein geändert werden, die Löschung dieser Daten von den Servern von Facebook ist hingegen unmöglich. Man kann davon ausgehen, dass ca. 90% aller Facebook User diese Funktion niemals erkannt und ihre Konsequenzen jemals durchgedacht haben.

mehr dazu lesen Sie bitte unter:
http://www.med-o-card.de/medocard_news/newsitem.php?ID=34
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[12.08.2011, 11:16:06]
Dr. Andreas Staufer 
Keine Angst vor Facebook, Xing & Co.
Ärzte können, dürfen und sollen sich im Internet umsehen. Die Patienten nutzen die neuen Medien doch auch. Smartphones, Tablet PCs und mobile Datenflatrates revolutionieren den Umgang mit dem Internet. Der Patient sucht online den nächsten Arzt in seiner näheren Umgebung, aber den mit den besten Bewertungen. Dabei vertraut er auf die Meinung seiner "Freunde" in den sozialen Netzen.

Ärzte müssen sich über den Austausch der Patienten untereinander ein eigenes Bild machen können.

Richtig: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Ärzte müssen auch im Internet besondere berufs- und datenschutzrechtliche Regeln einhalten. Ebenso wenig, wie Arzthelfer Patientennamen und Diagnosen im Wartezimmer verbreiten dürfen ("Frau Müller, kommen Sie bitte. Wir versorgen jetzt ihre ... "), sollen Patientendaten im Internet publik gemacht werden. Aber das will doch auch keiner.

Wir schulen regelmäßig Ärzte und ihre Mitarbeiter in Praxen und MVZ im richtigen Umgang in sozialen Netzwerken. Manche Ärzte haben vor der Schulung das Internet gefürchtet, wie der Teufel das Weihwasser: Nur keine berufsrechtlichen Fehler machen! Das kann doch nicht sein.

Wichtig ist, dass man nicht die Angst der Ärzte vor dem Internet schürt, sondern konstruktiv Wege sucht, wie sich Ärzte im Internet präsentieren können. Ärzte aufklären: Wie dürfen sich Ärzte und ihre Mitarbeiter im Internet bewegen? Welche Werbemaßnahmen dürfen Sie ergreifen? Wie schützen sie dabei die Daten? Und wie stelle ich mein IPhone richtig ein?

Dr. Andreas Staufer
Fachanwalt für Medizinrecht

Kontakt:
staufer@finck-partner.de
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