Ärzte Zeitung, 28.10.2011

Osteuropa: Jungbrunnen für Praxisnachfolge?

In manchen Regionen Deutschlands sind Praxisnachfolger nur schwer oder gar nicht zu finden. Andererseits gibt es in Ländern wie Bulgarien und Rumänien allerhand junge Ärzte. Eine Chance für Deutschland?

Von Matthias Wallenfels

Osteuropa: Jungbrunnen für Praxisnachfolge?

In den Startlöchern: junge Ärzte aus dem Osten Europas.

© Uwe Annas/fotolia.com

NEU-ISENBURG. Ärzte, die schon länger auf der vergeblichen Suche nach einem Nachfolger für die Praxis sind, können unter Umständen neue Hoffnung schöpfen.

Denn die händeringend gesuchten Mediziner müssen nicht unbedingt aus Deutschland stammen, wenn sie in eine Praxisnachfolge eintreten wollen.

Diesen Umstand hat sich Dr. Thomas Wendel, Osteuropakenner und Personalexperte, zu eigen gemacht und bietet Praxischefs wie auch Krankenhäusern und anderen Einrichtungen im Gesundheitswesen an, geeignete Fachkräfte aus dem europäischen Ausland anzuwerben.

Ärzte wollen in Deutschland einen Neuanfang wagen

Zielländer für die Rekrutierung ausländischer Fachkräfte sind für Wendel, Gründer und Eigentümer der in Eschborn ansässigen Unternehmens- und Personalberatung tw.con., nach eigener Aussage vor allem Rumänien und Bulgarien.

Aber auch das Baltikum, Griechenland und andere EU-Länder rückten verstärkt in den Fokus. Die Provenienz der potenziellen Praxisnachfolger biete Vorteile bei der Rekrutierung medizinischer Fachkräfte, wie Wendel betont.

Denn besonders in Rumänien und Bulgarien stagnierten die Lebensverhältnisse der Menschen auf niedrigem Niveau - auch die der Hochqualifizierten. Diese Länder hätten sich noch nicht von der jüngsten Wirtschaftskrise erholt.

300 Euro Monatsgehalt, das frustriert

Die Auswanderungsbereitschaft sei demzufolge sehr hoch. Deutschlands Gesundheitssektor könnte gerade jetzt von dem Reservoir unzufriedener, medizinischer Fachkräfte in den jüngsten beiden EU-Beitrittsländern profitieren.

Für osteuropäische Ärzte sei Deutschland ein interessantes Land, um noch einmal neu anzufangen, so Wendel. Die hiesigen hohen medizinischen und technischen Standards und der geringe Verdienst in den Heimatländern motiviere sie, einen Neustart in Deutschland zu wagen.

So verdiene ein junger Facharzt in Rumänien nur 200 bis 300 Euro pro Monat und müsse sich mit mehreren Jobs über Wasser halten.

Vorher mit einer Anstellung testen

Und auch für erfahrene Fachärzte ändert sich die finanzielle Situation im Laufe der Karriere nicht erheblich, legt Wendel in der Argumentation nach.

Daher bestünden auch für deutsche Hausärzte hier große Chancen, einen geeigneten Nachfolger für die abzugebende Praxis zu finden.

Es sei selbstverständlich auch möglich, zunächst über eine Anstellung in der Praxis zu testen, wie gut Patienten und potenzieller Nachfolger miteinander auskommen.

Ärztemangel verschärft sicht

Das Thema Ärztemangel verschärft sich nach Wendels Einschätzung dadurch, dass viele deutsche Ärzte ins Ausland abwanderten.

Im Gesundheitswesen trete der Zusammenhang zwischen dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel besonders virulent in Erscheinung.

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