Ärzte Zeitung, 12.12.2011

Ärztin im MVZ: "Die Vorteile überzeugen"

Ambulant arbeiten ja, aber nicht in eigener Niederlassung: Immer mehr junge Ärztinnen schlagen diesen Weg ein. Danica Fischer auch - eine eigene Praxis schließt sie für später dennoch nicht aus.

Von Dirk Schnack

Ärztin im MVZ: "Die Vorteile überzeugen"

Danica Fischer

© Dirk Schnack

RENDSBURG. Danica Fischer ist angehende Kinder- und Jugendpsychiaterin. Für ihre ersten beruflichen Schritte hat sie sich für eine angestellte Tätigkeit in einem MVZ entschieden.

Nach 18 Monaten im Brücke MVZ in Rendsburg steht für die Ärztin und ihren Arbeitgeber, einen Träger sozialer und gesundheitlicher Einrichtungen in Schleswig-Holstein, schon fest, dass die Zusammenarbeit nach dem Ende der Weiterbildungszeit wieder aufgenommen wird.

Zunächst stehen für die 34-jährige Danica Fischer noch zwölf Monate in einer pädiatrischen Gemeinschaftspraxis in Kiel an, dann kehrt sie zum Brücke MVZ als angestellte Ärztin zurück, wird ihre Facharztprüfung absolvieren und dann dort bleiben.

Regelmäßige Arbeitszeiten ohne Nachtdienste

Eine Rückkehr in eine Klinik kann sie sich nach den Erfahrungen im MVZ nur noch schwer vorstellen: "Hier habe ich regelmäßige Arbeitszeiten und keine Nachtdienste. Ich lerne ein breites Spektrum kennen, habe regelmäßige Fallbesprechungen mit den Kollegen und für meine Arbeit erfahre ich viel Wertschätzung und bekomme ein Feedback. In der Klinik habe ich das anders erlebt", lauten Fischers Erfahrungen nach bislang vier Jahren Weiterbildungszeit.

Die 18 Monate im MVZ beinhalteten interdisziplinären Austausch mit verschiedenen Therapeuten in einem 15-köpfigen Team. In der Einarbeitungsphase waren die ersten Wochen für Hospitationen im Team, für die Einarbeitung mit dem Computerprogramm, ins QM-System und die gängigsten Testverfahren in der Kinder- und Jugendpsychiatrie reserviert.

Je nach Ausbildungsstand gibt es anschließend Anleitungen durch die erfahrenen Ärzte. Fallbesprechungen sind obligatorisch. Außerdem wird darauf geachtet, dass den Assistenzärzten genug Zeit für das Vor- und Nachbereiten der Patientenkontakte und für das Literaturstudium bleibt.

Die Vorteile haben sie so überzeugt, dass sie mit ihrer ärztlichen Leiterin und Geschäftsführerin Dr. Kathrin van Heek schon jetzt eine Rückkehr vereinbart hat.

Teilzeit ist auch möglich

Beiden ist bewusst, dass dies angesichts der zahlreichen Optionen für junge Ärzte keine Dauerlösung sein muss. Eine Option ist die Niederlassung, die auch van Heek vor ihrer Anstellung im MVZ elf Jahre lang kennen und schätzen gelernt hat.

Beide wissen aber auch um die Vorzüge der Anstellung. Einer dieser Vorzüge ist die schwierige Suche nach Nachwuchs für Praxen. Dies war auch ein Grund für den 2010 erfolgten Verkauf des ärztlichen MVZ, das van Heek und ihr Kollege Dr. Wolfgang Burr 2007 gegründet hatten, an den neuen Träger.

"Für eine Niederlassung ist es mir noch zu früh", sagt die Weiterbildungsassistentin Fischer mit Blick auf die noch ausstehende Familiengründung. Im MVZ wäre ihr später auch eine Teilzeittätigkeit möglich.

Für eine mögliche Praxisgründung kann sich Fischer schon jetzt mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vertraut machen. Ihre ärztliche Leiterin legt Wert auf die Feststellung, dass das MVZ nicht am Tropf des Trägers hängt, sondern wirtschaftlich, wie eine Praxis arbeiten muss.

Damit auch die angestellten Ärzte Einblick in die Praxisführung bekommen, vermittelt van Heek ihnen unternehmerisches Denken und bespricht mit ihnen, wo und weshalb Abweichungen von angestrebten Fallzahlen auftreten.

Gespräche über Fallzahlen empfindet sie nicht als Druck

Fischer empfindet solche Gespräche nicht als Druck, sondern als Ansporn, der im MVZ über Provisionen verstärkt wird. Trotz wirtschaftlicher Ziele nimmt der Arbeitgeber für sich in Anspruch, das Wohl der Mitarbeiter im Auge zu behalten.

"Uns ist wichtig, dass es unseren Mitarbeitern gut geht, das wirkt sich positiv auf die Patienten aus. Wir respektieren Stärken und Schwächen unserer Mitarbeiter", beschreibt van Heek die Philosophie des Hauses, die ihrer Weiterbildungsassistentin die frühzeitige Festlegung auf eine Anstellung erleichtert hat.

Trotz solcher Vorzüge muss sich aber auch das MVZ Brücke um weiteren Nachwuchs bemühen. Nachfolger für die scheidende Weiterbildungsassistentin werden bereits gesucht. In erster Linie, um die Patienten an den Standorten in Rendsburg und in Eckernförde versorgen zu können.

Aber auch, um von den neuen Kollegen lernen zu können, wie van Heek sagt: "Wir profitieren selbst auch. Die jungen Leute bewahren uns vor Betriebsblindheit und stellen gute Fragen. Oft bringen sie aktuelles Wissen mit, das uns allen nützt."

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