Ärzte Zeitung, 13.12.2011

Kommentar

Eine neue Kultur des Vertrauens

Von Ilse Schlingensiepen

Im Ringen um die bundesweite Konvergenz der Vergütung hatten die niedergelassenen Ärzte in Westfalen-Lippe gegenüber den Kollegen in anderen Bundesländern das Nachsehen.

Auf einem anderen Gebiet ist ihnen dafür jetzt der Neid gewiss: In Westfalen-Lippe scheint die Regressgefahr bei Arznei- und Heilmitteln gebannt.

In den Verhandlungen mit den Krankenkassen hat die KV es geschafft, die Situation der Ärzte entscheidend zu verbessern. Nicht mehr der Arzt muss nachweisen, dass er wirtschaftlich verordnet, sondern das Prüfgremium, dass er es nicht tut. Wird es dennoch eng, erfahren die Mediziner, wo sie konkret einsparen können.

Nach den Erfahrungen mit der verheerenden Wirkung von Regressdrohungen - gerade bei Heilmitteln - könnte in Westfalen-Lippe eine neue Vertrauenskultur entstehen: Die Kassen verlassen sich darauf, dass die Ärzte angemessen verordnen - die Ärzte darauf, dass sie bei der adäquaten Versorgung der Patienten keinen wirtschaftlichen Schaden fürchten müssen.

Wenn beide Seiten dieses neue Miteinander nicht kurzfristig wieder zur Disposition stellen, haben die Ärzte in Westfalen-Lippe künftig ein schlagkräftiges Argument im bundesweiten Kampf um den ärztlichen Nachwuchs.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Westfalen-Lippe bannt Regressgefahr

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