Ärzte Zeitung, 06.03.2012

Gesundheitszentren: Größte Herausforderung ist hohe Miete

Die Einrichtung eines Gesundheitszentrums stellt Ärzte auf die Geduldsprobe. Bis zu fünf Jahre Vorlaufzeit sollten sie dem Vorhaben geben. Am Ende können sie dann von vielen Synergieeffekten profitieren. Ein Wermutstropfen: die hohen Mietkosten für Neubauten.

Von Ilse Schlingensiepen

Gesundheitszentren: Größte Herausforderung ist hohe Miete

Gesundheitszentren: der Wille zur Kooperation ist entscheidend.

© Steinach/imago

MÜNSTER. Niedergelassene Ärzte, die gemeinsam mit Kollegen ein Gesundheitszentrum einrichten wollen, brauchen Geduld. Von den ersten Analysen bis zur Eröffnung des Zentrums müssen sie mit einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren rechnen.

Das ist die Erfahrung von Gerald Stechbarth, Geschäftsführer der Rentamed Verwaltungsgesellschaft, die auf den Ankauf und die Umgestaltung von Polikliniken und Ärztehäusern spezialisiert ist.

"Facharztzentren und Kooperationen, die über die Gemeinschaftspraxis hinausgehen, muss man sehr gründlich vorbereiten", sagte Stechbarth auf der Veranstaltung "Praxisgestaltung - Kooperationen" der Kanzlei am Ärztehaus Frehse Mack Vogelsang und der Deutschen Apotheker- und Ärztebank Münster/Bielefeld.

Gesucht wurde ein Investor, der das Haus bauen sollte

Er verwies auf das Beispiel des Gesundheitszentrums am Sittardsberg in Duisburg. "Das ist ein fachärztliches Zentrum mit umfassendem Kooperationskonzept und zentralem Management." Die Projektentwicklung begann im Jahr 2006, das Haus wurde 2010 gebaut.

Seit 2011 wird das Zentrum von der Patiomed-Tochter Patiodoc betrieben, die Immobilie gehört weiter Rentamed. Zurzeit sind dort neun Facharzt- und Zahnarztpraxen sowie ein Labor aktiv, eine Physiotherapie-Praxis und eine Apotheke. Das Haus beherbergt auch verschiedene Dienstleister und einen Reha-, Fitness- und Wellness-Bereich. Die Nutzfläche beträgt mehr als 6000 Quadratmeter.

"Die Initiative kam von Ärzten und Therapeuten, die vor Ort schon gut kooperierten", berichtete Stechbarth. Sie hätten einen Investor gesucht, der das Haus bauen sollte.

"Unsere Entscheidung, ob wir so etwas tun, hängt ausschließlich von der Kooperationsqualität der beteiligten Ärzte ab", sagte er. Sei bei Medizinern tatsächlich ein Kooperationswille vorhanden, lasse sich ein Ärzte- oder Gesundheitszentrum realisieren.

In Einzelpraxen zahlen Ärzte die ganze Miete

Die zentrale Herausforderung ist nach Angaben des Diplom-Ingenieurs die hohe Kostenmiete für Neubauten. Sie betrage zwischen 13 und 16 Euro pro Quadratmeter. In Duisburg liegen die Mieten sonst zwischen 7,50 Euro und 9 Euro. "Viele Ärzte sagen sofort: Diese Miete kann ich gar nicht erwirtschaften."

Dabei übersähen sie aber einen wesentlichen Punkt: den Kosteneffekt der gewünschten Kooperation. In der Einzelpraxis müsse der Arzt die Miete für die gesamte Fläche zahlen, also Untersuchungs- und Besprechungsräume, Labor, Sanitärbereich, Wartezimmer, Personalräume und Empfang.

Die Flächen, die nicht der medizinischen Wertschöpfung, sondern der Administration und Organisation dienen, werden in den Zentren zur allgemeinen Nutzung ausgelagert. Dort bezahlt der Arzt sie dann nur noch anteilig, wenn auch mit einem höheren Quadratmeter-Preis.

Mietbelastung nicht höher als in einer herkömmlichen Praxis

"Trotz des höheren Mietzinses ist die Mietbelastung nicht höher als in der herkömmlichen Praxis", sagte Stechbarth.

Facharzt- und Gesundheitszentren seien Gebäude, die sich ausschließlich der ambulanten Medizin widmen. Andere Angebote wie Handy- oder Haushaltwarengeschäfte hätten dort nichts zu suchen. "Das ist eine Spezialimmobilie und ein öffentliches Gebäude."

Der bautechnische Teil des Konzepts sei mit spezifischen Anforderungen verbunden, betonte Stechbarth. "Dafür braucht man Fachleute, um nicht mit Forderungen konfrontiert zu werden und einen Kostenapparat zu bekommen, der mit dem eines Krankenhauses vergleichbar ist."

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