Ärzte Zeitung, 26.06.2012

Die Anzeichen von Non-Compliance

Ob sich Patienten therapietreu verhalten, ist für Ärzte nicht immer einfach zu erkennen. Es gibt aber Anzeichen, wenn sich der Patient nicht daran hält.

Von Ursula Armstrong

BONN. Wie erkennt man Non-Compliance? Dazu sei es nötig, detaillierte Infos zu den Einnahmegewohnheiten der Patienten zu bekommen, so Linda Krolop und Professor Ulrich Jaehde vom Bereich Klinische Pharmazie der Universität Bonn (Internist 2012, DOI 10.1007/s00108-011-2951-z).

Das aber ist gar nicht so einfach. Es gebe zwar viele Erkennungs- und Messmethoden. Sie seien aber nur bedingt praxistauglich. Ärzte sind also auf ihre eigene Einschätzung angewiesen.

Zwei Triggerfaktoren geben aber Hinweise auf Non-Compliance: Die Therapie spricht nicht an oder der Patient erscheint einfach nicht zu vereinbarten Terminen, ohne ab-zusagen.

Am besten Patienten direkt ansprechen

Vermutet man Non-Compliance, ist es sinnvoll, den Patienten darauf anzusprechen. Allein durch die Befragung könnten über die Hälfte der nicht therapietreuen Patienten entdeckt werden.

Krolop und Jaehde schlagen vor, konkret zu fragen: "Haben Sie in der vergangenen Woche Ihre Medikamente zu einem oder mehreren Zeitpunkten nicht eingenommen?"

Die vergangene Woche ist eine überschaubare Zeit, an die man sich gut erinnern sollte. Jeder noch so kleine Hinweis auf ausgelassene Dosen weist dann auf mangelnde Compliance hin.

Eine einfache und kostengünstige Methode, die Compliance zu erfassen, sind Patiententagebücher und -fragebögen. Allerdings sind sie leicht zu manipulieren und geben deshalb die Compliance meist allzu positiv wieder.

Aussagekräftig sind Medikamentenprofile. Dabei werden in einer chronologischen Arzneimittelhistorie über einen bestimmten Zeitraum alle Medikamente eines Patienten aufgeführt.

Das funktioniert jedoch nur, wenn die eingelösten Verordnungen lückenlos und zentral dokumentiert werden. Möglich ist die Zusammenarbeit mit einer Apotheke.

"Compliance wird regelmäßig überschätzt"

Schließlich gibt es elektronische Beobachtungssysteme wie das "Medication Event Monitoring System" (MEMS). Sie sind präzise und nicht so leicht zu beeinflussen.

Dabei werden Tabletten und Kapseln in der Arztpraxis oder in der Apotheke in ein Plastikbehältnis gefüllt. Der Deckel der Dose speichert über einen integrierten Mikrochip Datum und Uhrzeit der Öffnung.

Diese Daten können dann über ein Lesegerät und eine spezielle Software auf den Computer übertragen und ausgewertet werden. Nachteil ist, dass nicht die Arznei-Einnahme, sondern nur die Öffnung der Dose dokumentiert wird.

Dennoch gilt diese Methode als die exakteste, um die Compliance zu erfassen. Wie auch immer man vorgeht, man sollte sich keine Illusionen machen. Denn, so ein Merksatz von Krolop und Jaehde: "Die Compliance wird regelmäßig überschätzt."

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[27.06.2012, 17:47:35]
Peter-Hansen Volkmann 
Non-Compliance oft einziger Ausweg des herumgereichten Leidlinienpatienten!
Selbsterhaltungstrieb? Schon mal gehört?
Viele Patienten werden trotz medizinischer Therapie gesund! ist ein geflügeltes Wort seit meiner NAV-Zeit.
Mediziner verkommen immer mehr zu fremdgesteuerten, wenn Sie so wollen, dressierten Vollstreckern der Pharmaindustrie und Kassen.
Leidlinien sollten alle KollegInnen mit "d" schreiben, weil Sie so zu Hauf "austherapierte Patienten" und Leiden nach State of the Art -Medizin produzieren.
Allein der im Text angedachte Dressurakt jetzt auch noch des Patienten, der über das Öffnen einer Box entlarvt werden soll hinsichtlich korrekter Medikamenteneinnahme, ist doch nur eine weitere Umdrehung im Wahnsinn moderner Pseudo-Gesundheitswissenschaften.
Dumm und dreist wie die Entdeckung des Schmerzgedächtnisses, das es gar nicht gibt - das wohl eine Neuauflage des Märchens von des Kaisers neuen Kleidern ist.
Kann sich denn kein nachdenkender Mediziner vorstellen, dass einem in profitorientierten Netzwerken herumgereichten, geschundenen Patienten kein anderer Ausweg bleibt, als fortzubleiben, wenn der Behandler ihm nicht zuhört, während er sich über die Wirkungslosigkeit oder Nebenwirkungen eingesetzter Medikamente beklagt?
Therapieversager gibt es in Ihrem Denkansatz offenbar gar nicht? Non-Compliance ist oft blanker Selbsterhaltungstrieb!

Seit annähernd 20 Jahren betreibe ich mit großem Erfolg die hypoallergene orthomolekulare Therapie - hoT mit reinen Vitaminen, Spurenelementen usw. für chronisch Kranke aller Art und Leistungssportler.
Mehr als 90% meiner Patienten von nah und fern nehmen die verordneten Kapseln sehr genau ein - bis zu 24 Stück pro Tag! - weil sie einfach in kurzer Zeit merken, dass es ihnen ohne Nebenwirkung schnell besser geht! Dass sie z.B. innerhalb weniger Tage schmerzfrei werden - ohne Magenschmerzen, ohne Blähbauch oder Durchfall. - Und ohne doppelblind, denn den Therapierfolg kann man den Menschen innerhalb weniger Wochen ansehen, soweit man als Arzt Augen zum Sehen und intakte Sinne zur Wahrnehmung hat.
Schnelles Wohlfühlen ist das beste Mittel gegen Non-Compliance, nicht eine neue Zwangsbeglückung á la Lauterbach und Co!

Noch besser wäre natürlich, wenn sich Mediziner wie Gesundheitspolitiker und Verbraucherminister profunde Gedanken darüber machten, warum Menschen heute so krank sind.

Der klassische Fütterungsversucht hatte schon zu Wendezeiten in der DDR eindrucksvoll demonstriert, wie schnell man eine große Bevölkerung durch Wessi-Futter krank machen kann und wie man Allergiker in großer Zahl völlig "unauffällig" produziert.
Aber diese Zusammenhänge will offenbar kein Fachmann erkennen können. Dabei liegt er doch so klar auf den Hand!
Du bist was Du isst!

Wer nur mehr Fast Food isst wird depressiv oder ADHS-krank und kann auch nur noch Fast denken...
Darunter greift dann die allgemeine Verwirrung immer schneller um sich, wie nicht zuletzt die völlig inakzeptablen Rettungsversuche des Euros und Griechenlands zeigen - wie auch die konsequenten Fehlentwicklungen im deutschen Gesundheitswesen seit Seehofer, dem Berliner Tütensuppenkönig!
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