Ärzte Zeitung, 16.12.2012

Gesundheitsfragen

Bürger fragen erstmal Dr. Web

Nicht nur zu allgemeinen Gesundheitsthemen informiert sich die Mehrzahl der Bundesbürger erst einmal im Web. Eine Studie zeigt: Die meisten Patienten rüsten sich im Internet auch für den Arztbesuch - mit steigendem Trend.

Von Kerstin Mitternacht

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Krank? Dann erstmal ins Web.

© somenski / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Das "Virtuelle Wartezimmer" wird immer beliebter. Bereits 74 Prozent der deutschen Bevölkerung nutzen das Internet bei Gesundheitsfragen.

Das ist das Ergebnis der aktuellen Gesundheitsstudie der Kommunikationsberatung MSL Germany, die auf einer repräsentativen Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut SKOPOS basiert. Dafür wurden im August rund 1000 Bundesbürger ab 18 Jahren befragt.

Doch welche Rolle spielen Ärzte bei der Gesundheitskommunikation im Netz? Zu allgemeinen Informationen eher eine untergeordnete: Hier werden Ärzte nur zu 41 Prozent und Apotheker zu 34 Prozent online konsultiert.

Bei konkreten Fragen gaben allerdings mehr als die Hälfte der Befragten - mit großem Abstand zu anderen Antworten - an, Ärzte und Apotheker zu befragen (mit jeweils 53 Prozent).

Vorsorgethemen sind gefragt

Schaut man sich konkrete Websites an, die im Internet zu Gesundheitsfragen aufgerufen werden, wird Wikipedia mit 55 Prozent am häufigsten genutzt, gefolgt von den Seiten der Krankenkassen (51 Prozent).

Mit 50 Prozent folgen allerdings schon die Online-Informationsangebote von Ärzten. Klassische Social-Media-Kanäle wie Facebook oder Twitter befinden sich an letzter Stelle, mit gerade einmal 12 beziehungsweise 8 Prozent, so die Ergebnisse der Studie.

Die Gründe, warum Menschen im Internet nach Gesundheitsinformationen suchen, sind sehr unterschiedlich.

Zum einen informieren sich Nutzer in einem akuten Fall (61 Prozent), aber auch um den eigenen gesunden Lebensstil zu unterstützen (47 Prozent). Fast 50 Prozent informieren sich über Themen zur Vorsorge.

Großes Vertrauen in Arzt-Websites

Beim Thema Vertrauen im Netz stehen Ärzte aus Sicht der deutschen Webnutzer an erster Stelle, gefolgt von den Krankenkassen, Apothekern und Gesundheitsportalen.

Auch hier zeigt sich, dass Blogs und Social Media kaum Vertrauen genießen und an letzter Stelle genannt werden.

Das große Angebot an Gesundheitsinformationen im Internet hat auch Bedeutung für das Arzt-Patienten-Verhältnis: Laut der Studie genießen Ärzte zwar weiterhin das Vertrauen der Bürger, aber als Quelle für Informationen oder Rat - außerhalb des Webs - sind sie nicht mehr der erste Ansprechpartner.

So gab mehr als ein Drittel der Befragten an, sich im Netz über Gesundheitsfragen zu informieren, um mit dem Arzt auf Augenhöhe zu sein.

Immerhin 17 Prozent gaben an, dass sie den Arztbesuch vermeiden und sich Gesundheitsinformationen direkt aus dem Netz holen.

Bei leichten Erkrankungen, wie Erkältung, Durchfall, Warzen oder trockener Haut, steigt diese Zahl auf etwa 50 Prozent: Patienten holen sich hier nicht nur die Infos aus dem Netz, sondern besorgen sich anschließend auch die entsprechende Medikation.

Aber auch bei der Verständlichkeit liegt das Internet vorne: 31 Prozent der Befragten gaben an, dass Informationen im Internet verständlicher sind als im Gespräch mit dem Arzt.

Bewertungsportale besser als ihr Ruf

Ebenfalls Thema der Studie waren die Arztbewertungsportale. Hier zeigt sich, dass die Skepsis vieler Ärzte unbegründet zu sein scheint, da zum einen die Bewertungen zu 81 Prozent positiv sind und zurzeit laut Studie nur wenige Nutzer (8 Prozent) tatsächlich ihre Erfahrung beim Arzt online stellen.

Und was erwarten Internetnutzer vom Online-Angebot ihres Arztes? "Es scheint mittlerweile einen deutlichen Bedarf für ärztliche Leistungen online zu geben", sagt Marcel Niedecken von MSL Germany.

Vorne steht dabei der Wunsch, einen Arzttermin online zu vereinbaren (41 Prozent). 28 Prozent würden gerne ihren Arzt über das Internet konsultieren. Dabei geht es aber nicht um eine Online-Beratung, sondern um Serviceleistungen, wie zum Beispiel das Bestellen von Rezepten oder Überweisungen.

Als Beispiel für eine innovative Praxis wurde bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt am Main die Chirurgisch-Orthopädische Gemeinschaftspraxis in Quickborn genannt.

Apps auf dem Vormarsch

"Die MSL-Gesundheitsstudie zeigt, dass von Ärzten mehr als nur Information verlangt wird. Die wenigsten Ärzte treten jenseits einer Informations-Website in den Dialog mit ihren Patienten - hier müssen sie deutlich zulegen", mahnt MSL-Chef Dr. Wigan Salazar.

Ein Trend, der sich laut der Gesundheitsstudie abzeichnet, sind mobile Apps: In Zukunft dürften mobile Apps an Bedeutung für die Gesundheitskommunikation gewinnen. Zurzeit nutzen etwa 18 Prozent der Befragten mobile Apps als Infoquelle für Gesundheitsthemen.

Aber gerade in der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre setzt bereits ein Viertel regelmäßig auf mobile Apps als Infoquelle und zeigt sich diesen gegenüber sehr aufgeschlossen.

Auch dürfte sich das Verhalten aufgrund der dichter werdenden Smartphone-Abdeckung weiter ändern, so die Einschätzung von MSL Germany.

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