Ärzte Zeitung, 10.12.2012

Chance für Hausarzt

Angestellt in einer KV-Praxis

Die KV Niedersachsen sucht einen Hausarzt für die Gemeinde Sögel - und lockt mit einem deutschlandweit einmaligen Angebot: Wer den Job übernimmt, erhält eine ausgestattete Praxis mit Team - und Festgehalt.

Von Christian Beneker

Angestellt in einer KV-Praxis

Ihr Modellprojekt für einen angestellten Landarzt startet die KV Niedersachsen nicht allein, Partner ist unter anderem Patiodoc.

© Marco2811 / fotolia.com

HANNOVER / SÖGEL. Über eine Dreiecks-Kooperation will die KV Niedersachsen (KVN) einen Hausarzt ins Emsland nahe der niederländischen Grenze locken.

Ab 2013 will die KVN ein nach eigenen Angaben landesweit einmaliges Modellprojekt gegen Ärztemangel starten und mit einer eigenen Hausarztpraxis im 7000-Einwohner-Städchen Sögel im Emsland auftreten.

Beteiligt sind die emsländische Samtgemeinde Sögel, der Infrastruktur-Dienstleister Patiodoc und die KV Niedersachsen. Was fehlt, ist ein Arzt.

Es winkt ein Monatsgehalt von 6000 Euro

Rund 6000 Euro brutto bietet die KVN dem zukünftigen Hausarzt in Sögel. Nicht nur der Kaufpreis, auch die Personalkosten fallen für den Hausarzt in spe weg, da die KV auch das weitere Praxispersonal stellt.

"Geeignete Räume und die Praxistechnik werden dem Arzt nach dem Stand der aktuellen Technik angeboten", hieß es.

Vorteil für die Ärztin oder den Arzt sei die finanzielle Sicherheit eines Anstellungsverhältnisses zum festen Gehalt in Voll- oder auch Teilzeit, wirbt die KV für ihre erste Eigenpraxis.

Die Ärzte erhalten zudem die Option, nach einer gewissen Anlaufzeit die Praxis eigenverantwortlich zu übernehmen, erklärt die KV Niedersachsen. Der Plan sei nicht der Dauerbetrieb durch die KV.

"Sondern die Praxis dient als Starthilfe für junge Ärzte, die nicht das Risiko eines großen Kredites auf sich nehmen wollen", sagt KVN-Sprecher Detlef Haffke.

Patiodoc ist Partner

Partner bei dem Projekt ist der Dienstleister Patiodoc aus Berlin. Das Unternehmen wirbt mit Komplettlösungen für Arztpraxen inklusive "Gestellung des ärztlichen und nichtärztlichen Personals, Zurverfügungstellung von Praxisräumen, Praxisausstattung, Nutzung lukrativer Einkaufskonditionen und so weiter oder nur die Nutzung von Teillösungen", wie Patiodoc-Chef Ralf Sjuts im "Niedersächsischen Ärzteblatt" sagte.

Allerdings habe man nicht vor, "Niedersachsen mit einem flächendeckenden Netz von Patiodoc-Einrichtungen zu überziehen", erklärte KVN-Chef Mark Barjenbruch bereits im Sommer im selben Interview.

"Richtig ist aber, dass sich die Erwartungen junger Ärzte gewandelt haben. Wir müssen darauf reagieren."

Zur Finanzierung der Patiodoc-Dienstleistung werde man "nicht auf die Beiträge der Mitglieder zurückgreifen", betont Haffke.

Das finanzielle Risiko der Kooperation trage Patiodoc. "Unser Kooperationspartner finanziert sich aus den Überschüssen, die die Praxis erwirtschaftet."

Weitere Hausärzte willkommen

Die Praxisräume werden in einem Geschäftshaus in der Ortsmitte von Sögel geschaffen, das noch errichtet werden muss. Die Gemeinde Sögel wirbt zusammen mit Patiodoc zusätzlich um Ärzte sowohl für das Modellprojekt als auch um die Niederlassung weiterer Allgemeinmediziner.

Mit den bisherigen Anreizen wie Niederlassungsprämien, mit denen Ärzte in anderen Bundesländern gelockt würden, verschwinde das Problem der Startfinanzierung nicht, von organisatorischen Anforderungen einmal abgesehen, sagte der Bürgermeister der Samtgemeinde, Günter Wigbers.

"Für diejenigen Ärzte und vor allem für Berufseinsteiger, die den Schritt in die Selbstständigkeit nicht sofort wollen, ist unser Modell eine wertvolle Unterstützung und kann das richtige Sprungbrett sein."

Die rund 314.000 Einwohner im Landkreis Emsland werden derzeit von 182 niedergelassenen Hausärzten betreut. Der Versorgungsgrad beträgt laut KV 87 Prozent.

Fünf von zwölf Hausärzten werden zudem in absehbarer Zeit aus Altersgründen ausscheiden, so die KVN. Für einen Versorgungsgrad von optimalen 100 Prozent könnten sich theoretisch und praktisch sofort 18 weitere Hausärzte im Emsland niederlassen.

[10.12.2012, 19:35:42]
Dr. Florian Baier 
6000 Euro, eher ein Witz?
6000 E entspricht dem Gehalt im Krankenhaus für Assistenzärzte nach Facharztprüfung. Sie haben geregelte Arbeitszeit und 6 Wochen Urlaub u. bezahlte Fortbildungen usw.
7500 Einwohner bedeutet Minimum 2000 Scheine, das heißt 2 Vollzeitarztstellen zu mindestens 6000 E, nicht eine. Oder Arbeit bis zum Abwinken für einen Extrem-Masochisten in Einzelpraxis. Da sollten dann aber allermindestens 10000 E für den armen Kerl geboten werden.
6000 euro Brutto bedeutet für einen Alleinstehenden 3000 E Netto und davon darf man dann noch Dienstkleidung, Fortbildungen und ein Auto für Hausbesuche von bezahlen?
Liebe Jungärzte laßt euch bloß nicht veralbern !! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »