Ärzte Zeitung, 17.01.2013

Psychotherapie

Eine Praxis nur für Männer

Den Männern die Psychotherapie näher bringen. Das wollen die Initiatoren des ersten schleswig-holsteinischen Männergesundheitstages: Dr. Axel Nelke und Johannes Vennen.

Von Dirk Schnack

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Der zunehmende Leistungsdruck führt dazu, dass sich Männer übernehmen und auspowern.

© JPC Prod / fotolia.com

KIEL. Eine Praxis nur für Männer, und das als Psychotherapeut: Johannes Vennen setzt auf ein Patientenklientel, das seiner Berufsgruppe recht abwartend gegenübersteht. Doch seine Erfahrungen zeigen: Bedarf und Nachfrage sind vorhanden.

Nur jeder vierte Mann ist Patient in einer psychotherapeutischen Praxis. Dass Vennen sich 2009 ausgerechnet diese Minderheit als exklusive Patientengruppe ausgesucht hat, galt damals als Wagnis.

Aber er konnte in die Praxisräume seiner Frau einziehen und die Kosten vergleichsweise gering halten. Dass so wenige Männer zur Psychotherapie gehen, sagt seiner Ansicht nach viel über die Männer, aber auch über die Psychotherapie aus.

"Ich habe mich gefragt, ob das psychotherapeutische Angebot vielleicht nicht zielgenau genug ist", sagt Vennen. Viele Männer schätzen offenbar sein Angebot, viele von ihnen kommen zu ihm nach Trennungen, wenn sie eine Neuorientierung brauchen.

Von Kollegen belächelt

Von manchen Ärzten wird Vennens Angebot noch belächelt. Andere wie Hausarzt Dr. Axel Nelke aus Bordesholm schicken gerne Patienten zu ihm, weil sie merken, dass ihren Patienten dort geholfen wird. Nicht jeder Patient ist dafür sofort aufgeschlossen, berichtete Nelke.

"Männer stehen unter Leistungsdruck und sind vom Leistungsgedanken getragen - überall müssen sie abliefern", beschreibt Nelke das Problem vieler Männer. Dieser Druck bleibe auch, wenn Männer älter werden.

"Dennoch kommen viele nicht von allein auf die Idee, Unterstützung zu suchen", sagt der Allgemeinmediziner. Als Hausarzt müsse man manchmal gezielt nach den Problemen der Männer suchen, rät er.

Wenn ein Patient etwa über Zeitmangel klage, sei dies eine Gelegenheit, das Thema zu vertiefen. Dann stoße man häufig auf Probleme, für die ein spezialisierter Psychotherapeut wie Vennen der richtige Ansprechpartner sei.

Dass Vennen, der mit einer halben Kassenzulassung auch in Rendsburg praktiziert, in Kiel nur Selbstzahler und PKV-Versicherte behandelt, schreckt manche Patienten zwar ab. Diejenigen, die sich auf eine Therapie einlassen, seien anschließend aber zufrieden, sagt Nelke.

Neben Psychotherapie hat das Thema Männergesundheit für Nelke und Vennen zahlreiche weitere Facetten, die sie auf dem ersten schleswig-holsteinischen Männergesundheitstag beleuchten.

Die beiden Initiatoren haben die Veranstaltung in Eigenregie organisiert und erwarten, dass sie rund 200 Besucher ansprechen werden. "Männer und Gesundheit waren gestern noch fremde Welten" heißt es in ihrer Ankündigung für den 19. Januar im Kieler Haus des Sports.

Sie wollen die Formel "Karriere, Konkurrenz, Kollaps" als nicht mehr zeitgemäß ersetzen durch Angebote, die auf Bewegung, Ernährung und andere Facetten für die Männergesundheit zielen.

Männer vertrauen nicht gern

Gründe dafür gibt es ihrer Ansicht nach genug. Männer gelten als Vorsorgemuffel und haben eine geringere Lebenserwartung als Frauen. Nur jeder vierte Mann geht zur Krebsfrüherkennung, aber jede zweite Frau.

Nur jeder vierte Mann nimmt Kursangebote der GKV wahr, aber drei von vier Frauen. Männer haben doppelt so häufig Probleme mit der Bandscheibe wie Frauen. Und wenn Männer doch einmal zur Vorsorge gehen, dann oft erst nach Aufforderung durch die Partnerin.

Was könnte der einzelne Arzt tun, um Männer stärker für ihre Gesundheit zu sensibilisieren? Nelke hat zwar selbst keine spezielle Männerpraxis, hält ihnen aber feste Sprechzeiten frei, um auch beruflich besonders stark eingespannten Männern den Arztbesuch zu ermöglichen.

Wenig hält er von einer Ansprache des starken Geschlechts über klassische Männerthemen. Er sieht darin eine Verbindung zur "Reparaturmedizin": "Auf dieses Niveau wollen wir nicht. Unser Ziel ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass nicht alles ersetzbar ist".

Eine weitere Aufgabe sieht Nelke darin, das Vertrauen in das Gesundheitswesen zu stärken. "Männer haben generell weniger Vertrauen und hinterfragen mehr", ist seine Erfahrung.

Um den Männern zu helfen, könnten Vorbilder helfen, am besten schon im Elternhaus: "Hier müssen wir vorleben, wie Männer einen besseren Zugang zum Thema Gesundheit finden können."

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