Ärzte Zeitung, 20.02.2013

Heimat mit Herausforderungen

Ein Globetrotter schlägt Wurzeln

Er praktizierte weltweit als Arzt. Seit einem Jahr ist Dr. Gerrit Tarrach nun in Dithmarschen niedergelassen. Eine Bilanz.

Von Dirk Schnack

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Die Weltkarte erinnert Gudrun und Dr. Gerrit Tarrach an die Stationen ihrer Auslandsaufenthalte.

© Dirk Schnack

ST. MICHAELISDONN. Südsee und Grönland kannte Dr. Gerrit Tarrach schon, jetzt auch Dithmarschen. Vor einem Jahr ließ sich der Weltenbummler im Westen Schleswig-Holsteins nieder. "Es passt", sagt der Allgemeinmediziner heute.

Rund 930 Patienten kamen im vergangenen Quartal in Tarrachs Hausarztpraxis in St. Michaelisdonn. Der Hausarzt hat wie erwartet gut zu tun, neben seiner Frau Gudrun müssen inzwischen vier Teilzeitkräfte in der Praxis mitarbeiten.

Für die ambulante Versorgung ist Tarrach damit ein wichtiger Baustein in der Region geworden - das wird auch künftig so sein. "Ich bleibe", steht für den 51-Jährigen inzwischen fest.

Zum einen, weil er die Mentalität der Dithmarscher schätzen gelernt hat. Tarrach bescheinigt ihnen eine "norddeutsche Relaxtheit", die er als angenehm empfindet.

Das angeblich hohe Anspruchsdenken von Patienten, über das manchmal in Deutschland berichtet wird, hat er im kleinen Ort St. Michaelisdonn noch nicht als überzogen erlebt. Zum anderen bleibt er aber auch, weil er für die Einzelpraxis einiges investiert hat und ein Rückzug für ihn wohl nicht ohne finanzielle Verluste ausgehen würde.

Kontakt zu Kollegen in der Region hat er bereits geknüpft, er lobt die gute Abstimmung untereinander in Urlaubszeiten und die Notdienstregelung.

Tarrach hat sich also eingewöhnt, aber manche Erfahrung im deutschen Gesundheitswesen ruft bei ihm doch noch Kopfschütteln hervor. Als "deutsches Phänomen" betrachtet er etwa die Formulierungen in Anschreiben von offizieller Seite an die Ärzte.

Zeichen der Zeit noch nicht erkannt?

Behörden und Körperschaften machen es den Adressaten nach seiner Ansicht schwer, das Anliegen des Absenders zu verstehen. "In Schweden habe ich als Ausländer keine Probleme gehabt, Behördenbriefe zu verstehen. Ausgerechnet in meiner Muttersprache fällt mir das schwer", wundert sich Tarrach.

Er hat es aufgegeben, jeden Bescheid verstehen zu wollen. Das betrifft das deutsche Steuerrecht genauso wie manche Mitteilung zur Honorarverteilung.

Noch etwas vermisst er im Vergleich zu Schweden, wo er lange Zeit in einer Poliklinik gearbeitet hat: dort waren längere Auszeiten und Urlaube von vier Wochen kein Problem. Für einen Praxisinhaber in Deutschland ist das schwer realisierbar.

"Das war mir zwar vorher klar, aber ich vermisse es trotzdem", sagt Tarrach. Aus seiner Sicht würden sich viele Probleme für die Ärzte in Deutschland lösen, wenn sie angestellt arbeiten könnten.

"Als niedergelassener Arzt muss man auch wirtschaftlich denken, das schreckt viele ab. Ich glaube, dass man die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hat: Viele junge Ärzte ziehen die Anstellung der Selbstständigkeit vor", sagt Tarrach.

Er glaubt, dass die junge Generation von Ärzten in Deutschland der Niederlassung mit eigener wirtschaftlicher Verantwortung skeptisch gegenüber steht - und es wohl auch deshalb schwer wird, Regionen wie Dithmarschen absehbar mit der gleichen Zahl von Ärzten wie heute versorgen zu können.

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