Ärzte Zeitung, 26.06.2013

So können Einzelpraxen überleben

Feinjustierung für den Praxiserfolg

Personal, Medizintechnik sowie eine genaue Bedarfsanalyse sind nur drei von vielen Säulen, die wichtig sind für Einzelkämpfer, um auch ohne Kooperation zu überleben. Davon ist ein Augenarzt im Norden überzeugt.

Von Dirk Schnack

Feinjustierung für den Praxiserfolg

Dr. Bernhard Bambas, Augenarzt in Bad Segeberg.

© Schnack

BAD SEGEBERG. Laufende Investitionen, Standortanalyse, Offenheit für neue Entwicklungen und ein gutes Team - unter diesen Voraussetzungen können nach Ansicht von Dr. Bernhard Bambas auch Einzel- und kleine Gemeinschaftspraxen im derzeitigen System überleben, ohne sich zwangsläufig einem Verbund anschließen zu müssen.

Zusammen mit seiner Frau Dr. Carmen Bambas führt er seit genau 20 Jahren eine augenärztliche Praxis in Bad Segeberg.

Bambas ist sich sicher, dass nicht nur die Entscheidung zur Niederlassung 1993 richtig war. Er erwartet auch, dass die augenärztliche Gemeinschaftspraxis in Bad Segeberg auch künftig erfolgreich bestehen bleibt.

Termine schon drei Wochen vor Eröffnung vergeben

Das Ehepaar Bambas hatte sich unmittelbar vor der Zulassungssperre niedergelassen. Den Standort hatten sich die Augenärzte sorgfältig ausgesucht: ganz Norddeutschland stand damals zur Auswahl.

In der engeren Wahl blieben am Ende Quickborn bei Hamburg und Bad Segeberg. Die Kreisstadt erhielt schließlich den Zuschlag, weil Bambas dort aufgewachsen war und es nur zwei weitere augenärztliche Praxen gab - mit zum Teil recht langen Wartezeiten.

Schon drei Wochen vor Eröffnung vergab das Ehepaar damals Termine, und die Patienten nahmen die Praxis schon in der Anfangsphase hervorragend an. Im ersten vollständigen Quartal lag die Gemeinschaftspraxis über dem für Schleswig-Holstein damals geltenden Durchschnitt, und dies blieb auch so.

Um den Andrang bewältigen zu können, war zunächst eine Erweiterung und vor Kurzem der Umzug in eine größere Immobilie erforderlich.

"Die Rolle des Praxisteams wird oft unterschätzt"

Neben der Standortanalyse hält Bambas auch laufende Investitionen, um die Praxis auf einem modernen Stand zu halten, für wichtig. "Früher haben Augenärzte ein Mal in die Ausstattung investiert und das hat dann gereicht. Das ist heute nicht mehr möglich", sagt Bambas.

Mindestens ebenso wichtig ist für ihn aber die Teamarbeit in der Praxis. Das mittlerweile achtköpfige Team ist es gewohnt, Verantwortung übertragen zu bekommen.

"Die Rolle des Praxisteams wird oft unterschätzt. Man braucht fachlich hoch qualifizierte Mitarbeiter, an die wir Aufgaben delegieren können", sagt Bambas, der auch schleswig-holsteinischer Landesvorsitzender im Berufsverband der Augenärzte ist.

Dabei verlässt sich das Ehepaar nicht darauf, dass sich fertig ausgebildetes Personal bei ihnen bewirbt. In den 20 Jahren ihrer Niederlassung haben sie 15 Auszubildende in der Praxis gehabt. Eine von ihnen ist heute ihre Praxismanagerin.

Eine weitere Voraussetzung für den Erfolg ist sicherlich der Optimismus des Ehepaars: "Wir versuchen, aus den bestehenden Rahmenbedingungen das Beste zu machen und offen zu bleiben für neue Wege."

Keine schnelle Abstimmung bei Verbünden

Dass sie bis heute keine Notwendigkeit sehen, sich einem der expandierenden Verbünde in der Augenheilkunde anzuschließen, begründet Bambas vor allem mit der schnellen Abstimmung in der Gemeinschaftspraxis, die bei ortsübergreifenden Verbünden in dieser Form kaum möglich ist.

Außerdem halten die beiden es für wichtig, dass die Patienten stets die gleichen ärztlichen Ansprechpartner sehen. Das bedeutet nicht, dass Patienten deswegen auf medizinische Verfahren verzichten müssen, die die Gemeinschaftspraxis nicht anbietet.

Bambas: "Wenn wir an unsere Grenzen stoßen, haben wir kein Problem damit, einen Patienten an entsprechend qualifizierte Kollegen zu vermitteln."

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