Ärzte Zeitung online, 25.10.2013

Interview mit Apotheker

120 Euro Stundensatz für pharmazeutische Betreuung?

Apotheker wollen künftig durch pharmazeutische Betreuung punkten - und dafür bezahlt werden. Aber sind sie dafür auch ausreichend qualifiziert? Und wo brauchen Ärzte überhaupt die Unterstützung der Apotheker? Darüber sprach die "Ärzte Zeitung" mit dem Apotheker Jochen Pfeifer aus Velbert. Pfeifer hat sich in den USA eingehend mit dem Thema beschäftigt.

Das Interview führte Ruth Ney

Jochen Pfeifer

120 Euro Stundensatz an Apotheker für die pharmazeutische Betreuung?

© Privat

Aktuelle Position: Apotheker Jochen Pfeifer ist Inhaber der Adler-Apotheke in Velbert.

Karriere: Doctor of Pharmacy (PharmD) der University of Florida, Fellow der American Society of Consulting Pharmacists, seit 2008 Lehrbeauftrager an der Hochschule Rosenheim, seit 2009 Clinical Assistant Professor, Professional Education; an der Universität von Minnesota, seit 2012 Clinical Assistant Professor an der University of Florida, Vortragstätigkeit Klinische Pharmazie vor Ärzten und Apothekern, Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen,

Ärzte Zeitung: Die Apotheker arbeiten an einem neuen Leitbild. Dabei geht es auch darum, dass sie in den Offizinen mehr Verantwortung bei der pharmazeutischen Betreuung der Patienten wahrnehmen. Wo genau liegt hier die Schnittstelle zu den Ärzten?

Jochen Pfeifer: Es geht kurz zusammengefasst um die konsequente Wahrnehmung der Mitverantwortung des Apothekers im Zusammenspiel mit dem Arzt, dass der richtige Patient die richtigen Medikamente für die richtigen Erkrankungen auf die richtige Art und Weise einnimmt.

In den USA hat das zum Beispiel die NABP (National Association of Boards of Pharmacy), das amerikanische Gegenstück zur ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände - dieses Leitbild in seinem "Model Act" klar definiert. Im Vergleich dazu ist die inhaltliche Ausgestaltung hierzulande leider noch sehr wage.

Sprechen denn bisher alle Beteiligten von den gleichen (künftigen) Aufgaben in der Apotheke?

Pfeifer: Nein, das tun sie nicht. Vor allem der Begriff der "pharmazeutischen Betreuung" wird in den meisten Diskussionen falsch definiert, und genau das verursacht viele Missverständnisse. Man muss zwischen der "pharmazeutischen Beratung" und der " pharmazeutischen Betreuung" unterscheiden, die grundverschieden sind.

Der Begriff der "pharmazeutischen Beratung" wird in der Apothekenbetriebsordnung definiert und beinhaltet insbesondere die Anforderungen des Paragrafen 20, also die Information und Beratung über Arzneimittel und Medizinprodukte, vor allem unter dem Aspekt der Arzneimitteltherapiesicherheit.

Diese Aufgaben werden nach vorherrschender Meinung auch mit der Honorierung von 8,35 Euro abzüglich des Zwangsrabatts für die Krankenkassen abgegolten.

Unter pharmazeutischer Betreuung versteht man hingegen, wie gerade erwähnt, die Mitverantwortung des Apothekers für eine optimale Pharmakotherapie. Da die pharmazeutische Betreuung gesetzlich nicht definiert ist, wird sie auch nicht vom Fixhonorar abgedeckt.

Was sollte man als Apotheker tun, um sich künftig für pharmazeutische Betreuung zu qualifizieren?

Pfeifer: Hierzu gehört insbesondere eine neue Weiterbildungsmöglichkeit zum Fachapotheker für pharmazeutische Betreuung und Arzneimitteltherapiesicherheit.

Auch wenn im Moment viele Softwarehäuser, Beraterfirmen sowie Kammern und Verbände eine große Anzahl von Kursen in Medikationsmanagement und pharmazeutischer Betreuung anbieten, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass eine korrekt durchgeführte pharmazeutische Betreuung einschließlich eines Medikationsmanagements nicht in Abend- oder Wochenendkursen zu erlernen ist.

Vielmehr sind fortgeschrittene Kenntnisse in Klinischer Pharmazie, Pharmakologie und Pathophysiologie erforderlich, die leider so noch nicht in Deutschland in der universitären Ausbildung der Apotheker gelehrt werden, von einzelnen Ausnahmen einmal abgesehen.

Das komplette Interview finden Sie in unserer App-Ausgabe vom 25.10.2013

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