Ärzte Zeitung, 01.10.2014

KV-Umfrage

Schlechte Karten für die Einzelpraxis

Nur für drei Prozent der befragten angestellten Ärzte kommt eine Einzelpraxis überhaupt infrage. Die KV Bremen will sich als Konsequenz einer Umfrage verstärkt um angestellte Ärzte bemühen, die in Praxen arbeiten.

Schlechte Karten für die Einzelpraxis

Für angestellte Ärzte ist die Einzelpraxis nur äußerst selten eine Option, zeigt eine Umfrage der KV Bremen.

© pressmaster / fotolia.com

BREMEN. Die KV Bremen wollte es genau wissen und hat eine Umfrage unter angestellten Ärzten und Psychotherapeuten in der Hansestadt initiiert.

Das Ergebnis: Stressarme Arbeit, sichere Finanzierung und eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit locken die Ärzte in die Anstellung. Genau aus diesen Gründen lassen sie sich in einer Praxis anstellen und wagen nicht den Sprung in eine Gemeinschaftspraxis oder gar in eine Einzelpraxis.

Ein Kernergebnis der Befragung: Die Einzelpraxis ist für angestellte Ärzte als Option praktisch gestorben. Nur drei Prozent von ihnen kann sich vorstellen, künftig eine Einzelpraxis zu führen.

Allein in den wenigen Jahren von 2010 bis 2013 hatte sich die Zahl der angestellten Ärzte in Bremen und Bremerhaven von 96 auf 204 mehr als verdoppelt, so die KVHB. Heute arbeiten im Land Bremen 253 angestellte Ärzte und Psychotherapeuten.

86 von ihnen haben auf die Umfrage der KVHB geantwortet, teilt die KV im kleinsten Bundesland mit.

Das entspricht einer Rücklaufquote von 34 Prozent. Unter den 86 Teilnehmern waren 53 Fachärzte, 15 Hausärzte und fünf Psychotherapeuten. 13 Teilnehmer machten keine Angaben.

Die meisten arbeiten in Praxen, jeder Vierte in einem MVZ, so die KVHB.

Zu viel Stress in der Klinik

52 Prozent der Befragten waren den Stress im Krankenhaus leid und kehrten Stationen und Nachtdiensten deshalb den Rücken.

26 Prozent gaben an, dass sie sich deshalb lieber in einer Praxis anstellen lassen, weil in den Praxen weniger Hierarchie als im Krankenhaus herrsche - kein gutes Zeugnis für die Kliniken.

Auch das Geld spielt eine Rolle - aber nicht in erster Linie die Menge, sondern, dass es zuverlässig fließt. Genau die Hälfte der Befragten ließen sich anstellen, weil diese Variante geringeres finanzielles Risiko birgt als eine eigene Zulassung.

18 Prozent schätzen aber auch das attraktive Gehalt eines angestellten Arztes. Flexible Arbeitszeiten und Teamwork reizten 37 beziehungsweise 20 Prozent der Befragten am Angestelltendasein in einer Praxis.

30 Prozent bevorzugen die Zulassung in einer Gemeinschaftspraxis und 43 Prozent wollen gar keine.

"Wir wollen uns als Ansprechpartner zeigen sowohl für Kollegen, für die die Anstellung nur ein Sprungbrett in die Selbstständigkeit ist, als auch für die, die angestellt bleiben wollen", erklärt Christoph Fox, Sprecher der KVHB. (cben)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »