Ärzte Zeitung App, 22.10.2014

Klinik ade

Vom Chefarztsessel mit Erfolg in die Orthopädenpraxis

Die Zwänge in der Klinik wurden immer stärker, die Niederlassung erschien immer attraktiver. Der Wechsel vom Chefarzt der Orthopädie in die eigene Praxis war am Ende folgerichtig. Bereut hat Dr. Clemens Schmid diesen Schritt bislang nicht.

Von Jürgen Stoschek

Vom Chefarztsessel mit Erfolg in die Orthopädenpraxis

Dr. Clemens Schmid und MLP-Praxisberaterin Anja Frei in der Orthopädischen Praxis Planegg. Die Gemeinschaftspraxis expandiert derzeit.

© Jürgen Stoschek

MÜNCHEN. Ein Chefarzt, der aus einer gesicherten Klinikposition in die Niederlassung wechselt - das kommt nicht alle Tage vor. Dr. Clemens Schmid, langjähriger Leitender Arzt der Sektion Wirbelsäulenchirurgie am Münchener Krankenhaus Barmherzige Brüder, hat den Schritt gewagt. Am 1. Juli dieses Jahres ist er offiziell als Praxisnachfolger von Dr. Georg Parzinger, der nach 31 Jahren in den Ruhestand ging, in die Orthopädische Praxis Planegg eingestiegen.

Die Entscheidung, sich niederzulassen, sei im Laufe der Zeit gereift, berichtet Schmid. Er habe die Klinik verlassen, weil man auch in einer leitenden Position immer mehr von der Krankenhaus-Verwaltung und deren Vorgaben abhängig wird.

"Der Druck ist mir zu groß geworden", sagt er. Statt Patienten zu behandeln, habe er immer mehr Zeit in stundenlangen Sitzungen mit der Verwaltung verbracht. "Irgendwann habe ich gemerkt, dass man auch als Chefarzt zum Spielball wird. Und je älter man wird, um so abhängiger wird man", erklärt der 45-jährige Schmid.

Anspruchsvolle Zeitvorgaben

Der entscheidende Kontakt zum heutigen Praxispartner Dr. Christoph Sukopp kam 2012 am Rande einer Informationsveranstaltung für Patienten, dem Würmtaler Gesundheitsforum zustande, wo Schmid einen Vortrag hielt.

"Wir haben uns sofort gut verstanden", erinnert er sich an die ersten Gespräche mit Sukopp, der bereits seit 2004 Partner in der Orthopädischen Praxis Planegg ist.

Die eigentliche Herausforderung war jedoch der Schritt aus der Angestelltentätigkeit in die Selbstständigkeit. "Zum 30. Juni 2013 sollte alles unter Dach und Fach sein. Ich hatte eine sechsmonatige Kündigungsfrist und der 30. Juni war mein Kündigungstermin in der Klinik", berichtet Schmid. Und auch der Praxisabgeber wollte zu diesem Zeitpunkt eine verbindliche Finanzierungszusage der Bank.

"Wenn man als Arzt den ganzen Tag im OP steht, kann man das, was da auf einen zukommt, kaum bewältigen", so Schmid. Selbst wenn man "Hobby-Banker" sei, tue man sich schwer mit den ganzen Schreiben, die einem in einer solchen Phase regelmäßig ins Haus flattern. Finanzierungskonditionen müssen verhandelt, Kreditverträge geprüft und Anträge bei der KV gestellt werden.

Deshalb sei es gut gewesen, dass ihm auch während dieser Zeit die Praxisberaterin Anja Frei vom Finanzdienstleister MLP mit Rat und Tat zur Seite stand. "Ich kannte Frau Frei schon aus meiner Kliniktätigkeit. Das sind sicher zehn Jahre. Als ich ihr von meinen Niederlassungsplänen erzählte, hat sie mir sofort ihre Dienste angeboten", erinnert sich Schmid.

"Wenn man vom Angestellten zum selbstständigen Unternehmer wird, ändert sich so viel. Da ist es gut, wenn man dann von jemandem Unterstützung hat, der sich auskennt".

"Dr. Parzinger, der ja zum 30. Juni 2014 in den Ruhestand gehen wollte, hatte klare Vorstellungen vom Kaufpreis", berichtet Frei. Sie habe alle notwendigen Zahlen zur Kosten- und Gewinnsituation der Praxis für die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) bekommen und geprüft. Angesichts des zu erwartenden Gewinns sei der geforderte Kaufpreis fair gewesen, so Frei. "Anderthalb Jahre Vorlauf, das war schon eine Herausforderung", fügt sie hinzu.

Langfristige Planung entscheidend

"Bei so einem Projekt muss man als Arzt über einen Zeitraum von zehn, 15 Jahren planen", sagt Schmid. "Wir haben drei Kinder und da muss man schon wissen, was auf einen zukommt." Er habe seine Praxisberaterin ständig "mit Zahlen gefüttert", weil er wissen wollte, wie viel Umsatz er machen muss, um den Standard zu halten und was passiert, wenn es mal nicht so gut läuft.

"Meine Dienstleistung umfasst die Prüfung aller wirtschaftlichen Fragestellungen", erläutert Frei. Dazu gehören die Finanzplanung, die Beschaffung von zinsgünstigen öffentlichen Fördermitteln und die Verhandlungen mit den Banken zusammen mit den Kunden. "Ich schaue mir immer auch die Praxis an", berichtet Frei.

Wie sind die Mitarbeiterverträge? Was ist bei der Berufshaftpflicht erforderlich? Wie können neue Geräte finanziert werden? Wie hoch müssen die Rücklagen für Steuerzahlungen und fürs Versorgungswerk sein? Das seien nur einige der Fragestellungen. Wenn erforderlich, hole sie immer auch einen Steuerberater und einen Rechtsanwalt mit ins Boot.

Schmid wollte keinen "kalten Übergang" und hat daher im ersten Halbjahr als Angestellter in der Praxis gearbeitet - und die Zeit genutzt, um einige Veränderungen auf den Weg zu bringen, wie etwa die Anschaffung eines Bildwandlers für Infiltrationsbehandlungen, oder die Überarbeitung des Internetauftritts.

Als Wirbelsäulen-Chirurg habe er sich einen gewissen Namen erworben, betont Schmid. Die Praxis bietet aber das komplette Spektrum der operativen Orthopädie an. An zwei Tagen operiere er als Konsiliararzt im Helios-Klinikum München-West, ambulante Operationen führe Kollege Sukopp am Klinikum Fürstenfeldbruck aus.

"Es funktioniert noch besser als erwartet", so eine erste Zwischenbilanz. Inzwischen sei sogar zusätzlich eine Kollegin halbtags eingestellt und auch das Praxispersonal werde erweitert, berichtet Schmid.

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