Ärzte Zeitung, 13.01.2015

Work-Life-Balance

Jeder zweite Manager fürchtet den Burnout

Frauen in Führungspositionen haben es besonders schwer, die Work-Life-Balance hinzubekommen.

FRANKFURT/MAIN. Mehr als jeder zweite Manager sorgt sich, im Laufe seiner Karriere einen Burnout zu erleiden. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie "Deutschland, Deine Manager" der Baumann Unternehmensberatung.

An der Studie haben den Angaben zufolge 300 Führungskräfte aus allen Branchen teilgenommen. Die Geschlechterverteilung erstrecke sich auf jeweils rund die Hälfte der Teilnehmer.

Die Sttudie zeige, "dass die Führungskräfte unter immenser Anspannung stehen und befürchten, dass ihnen diese Belastung auf Dauer ernsthaft schadet", ließ Baumann-Geschäftsführer Dr. Michael Faller verlauten.

Zu den Gründen der gehäuften Burnout-Ängste zählen laut Faller "zunehmend komplexe Herausforderungen kombiniert mit hoher Geschwindigkeit, Unsicherheit und starkem Erfolgsdruck von oben".

Zudem hätten viele Manager noch keine geeigneten Strategien gefunden, um den stetig wachsenden Stress zu bewältigen.

So äußerten sich laut Befragung 20 Prozent der Führungskräfte, sich tatsächlich schon einmal ausgebrannt gefühlt zu haben. Frauen sind vom Burnout-Erlebnis mit 23 Prozent fast doppelt so häufig betroffen wie Männer (12 Prozent).

Die Studie bestätige auch Erhebungen der Kassen, die eine erhebliche Zunahme psychischer Erkrankungen unter den Berufstätigen belegen, heißt es. Darüber hinaus zeige es, dass den Managern "die Gefahr der totalen Erschöpfung sehr wohl bewusst ist".

Dass sie nur schwer gegensteuern können, liege nichtzuletzt an der zeitlichen Arbeitsbelastung: Über 80 Prozent der Befragten arbeiten nach eigenem Bekunden täglich mehr als acht Stunden. 65 Prozent gaben an, acht bis zehn Stunden im Büro zu sein.

Für private Aktivitäten hingegen bleiben einem Viertel nach eigenen Angaben maximal fünf Stunden wöchentlich.

Insbesondere die weiblichen Führungskräfte lassen Privates hintanstehen: 46 Prozent der Managerinnen haben nur fünf bis zehn Stunden pro Woche Zeit für Sport, Entspannung und andere private Unternehmungen.

"Einem Burnout aufgrund beruflicher Belastungen wirken vor allem ausreichende Erholung und erfüllende Erlebnisse mit der Familie und Freunden entgegen", meint Faller.

Die Firmen sollten "möglicherweise zu hoch gesteckte Zielvorgaben überdenken, aber auch für eine Umverteilung der Arbeitslast offen sein". Betroffenen, die nicht abschalten können, rät er, sich Unterstützung von einem Coach oder Therapeuten zu holen.

Oftmals ließe sich mit professioneller Hilfe das eigene Delegierverhalten oder die mentale Stressverarbeitung verbessern. (eb)

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