Ärzte Zeitung, 16.03.2015

Ernährungsberatung

Erfolgreich als Ärztin und Unternehmerin

Dr. Ute Dettmer ist eine ärztliche Karriere abseits der Kassenmedizin gelungen: Die Ernährungsmedizinerin bringt ihr medizinisches Wissen erfolgreich in die eigene Firma ein.

Von Dirk Schnack

Erfolgreich als Ärztin und Unternehmerin

Setzt voll und ganz auf gesunde Ernährung: Dr. Ute Dettmer.

© di

BROKDORF. Hätte die Woche neun Tage, könnte Dettmer an deutlich mehr als den zwei Standorten Itzehoe und Elmshorn ein "Vitalcentrum" betreiben. Doch die 53-jährige Ärztin beschränkt sich auf die von ihrem Firmen- und Wohnsitz Brokdorf an der Elbe gut erreichbaren Standorte.

Bevorzugt richtet sie die Vitalcentren in Kliniken ein - Hauptprodukt: individuelle Ernährungsberatung und fachliche Begleitung beim Abnehmen. In Pinneberg und Hamburg gibt es weitere Vitalcentren, die Lizenznehmer von ihr betreiben, ein weiteres ist für Heide geplant - wenn sie denn eine interessierte Ärztin dafür findet.

Belächelt als "Abnehmprinzessin"

Dettmer ist eine ärztliche Karriere abseits der Kassenmedizin gelungen, die ohne Quartalszahlungen und KV-Beratungen stattfinden musste. Stattdessen hat sie unternehmerische Risiken, manchmal schlaflose Nächte und spöttische Bezeichnungen von Kollegen wie "Abnehmprinzessin" durchgestanden.

Nach 20 Jahren als Unternehmerin und mehr als 27.000 betreuten Kunden wird sie längst nicht mehr belächelt. Ihr Konzept hat sich bewährt, ist unternehmerisch erfolgreich und könnte noch mehr Menschen erreichen, wenn Dettmer mehr Lizenzen vergeben würde. Die können neben Ärzten auch Ökotrophologen und Diätassistenten bekommen.

Dettmer macht aber keinen Hehl daraus, dass nach ihren Erfahrungen Ärzte oftmals die Menschen besser erreichen. "Praxisnähe und Emotionalität sind wichtiger als den Menschen zu erzählen, wie viel Gramm von welchem Nährstoff in einem Lebensmittel stecken.

 Beratung darf nicht zu wissenschaftlich sein". Dettmer wird in ihren Einzel- und Gruppenkursen oft mit langjährigen Diätkarrieren konfrontiert. "Diese Menschen halten ihr Leben lang Diät und zählen Kalorien. Mit dem Ergebnis sind sie trotzdem nicht zufrieden".

Nach ihrer Erfahrung fehlt es häufig an persönlicher Begleitung - eine Leistung, die wegen des Zeitaufwands in der Kassenmedizin schwer zu erbringen ist.

Zu vermitteln, dass für gesundes Abnehmen Vernunft und Genuss notwendig sind, erfordere nun mal persönliche Begleitung. Die bekommen ihre Kunden von ihr gegen Rechnung, die sie bei der Krankenkasse einreichen können.

Die Nische Ernährungsmedizin hat sich Dettmer früh erarbeitet. Nach Medizinstudium und Promotion war sie fünf Jahre in der Inneren Medizin klinisch tätig und arbeitete kurzzeitig in der Pharmaindustrie.

1994 erwarb sie die zu diesem Zeitpunkt erstmals mögliche Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin.

Keine Angst vor Konkurrenz

Auslöser für den Schritt in die Selbstständigkeit war die Fusion des Unternehmens, für das sie bis dahin tätig war. "Ich wollte nicht, dass Konzernzentralen über mein Leben bestimmen".

Es folgte der Aufbau der ernährungsmedizinischen Kette, die Dettmer aus persönlichen Gründen zunehmend nach Norden verlagerte. Inzwischen denkt sie darüber nach, wann und wem sie ihr Geschäft einmal übertragen wird.

Sie kann sich auch einen Juniorpartner vorstellen, der zunächst als Lizenznehmer startet. Voraussetzung für den Einstieg ist allerdings die Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin.

Den dafür erforderlichen 100-stündigen Kurs würde Dettmer einem künftigen Partner finanzieren. Wichtig ist ihr die Bereitschaft zu lokaler Präsenz und Bodenständigkeit.

"Wenn das passt, kann man sich die Ernährungsmedizin auch nebenbei als zweites Standbein aufbauen, bevor man voll einsteigt".

Und warum sollte ein Arzt, der sich berufen fühlt, nicht einfach das gleiche Geschäftsmodell selbst starten? Dettmer hat keine Angst vor Konkurrenz.

"In meinem Konzept stecken 20 Jahre Erfahrung an der Basis. Das darf auch gerne jeder selbst versuchen", sagt sie selbstbewusst. Nur aus dieser Erfahrung entstehe ein Wissen, das viele wissenschaftliche Programme eben nicht bieten könnten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »