Ärzte Zeitung, 01.09.2016

Landarztpraxis

Nachfolger in Sicht

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, lassen sich durchaus Nachfolger für Landarztpraxen finden, wie ein Beispiel aus Oberröblingen in Sachsen-Anhalt zeigt.

Von Petra Zieler

Nachfolger in Sicht

Einen Nachfolger für eine Landarztpraxis zu finden ist nicht immer einfach.

© ArTo / fotolia.com

OBERRÖBLINGEN. Lange Jahre hatte Hausärztin Karin Sladeck in eigener Praxis in Oberröblingen praktiziert. Doch irgendwann sollte Schluss sein, ob mit oder ohne Nachfolger war schließlich egal. Nachfolger sind in der Region nur schwer zu finden. Dass sie die Praxis letztendlich verkaufen konnte, war ein Glücksfall. Ein Segen vor allem für die Patienten, den Ort und in absehbarer Zeit vielleicht sogar für Medizinstudenten. Doch der Reihe nach.

"Wir waren bereits seit geraumer Zeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) im Gespräch. Als Stiftungs-MVZ wollen wir die hausärztliche Versorgung sichern und stärken, wo es notwendig ist", sagt Markus Knöfler, Geschäftsführer des MVZ in Oberröblingen.

Am 1. April wurde aus der Einzelpraxis von Sladeck ein MVZ mit zwei Allgemeinmedizinern, drei Arzthelfern, darunter eine Krankenschwester, die im September ihre VERAH-Ausbildung beginnt.

Protestschreiben der Bürger

An zwei Tagen im Monat kommt zudem Professor Markus Masin, Ernährungswissenschaftler und Diabetologe, um Diabetes-Patienten zu beraten und zu schulen. Masin ist Gründungsvorstand der Deutschen Stiftung gegen Mangelernährung, die seit langem Krankenhäuser beim Aufbau von Ernährungsambulanzen unterstützt.

"Dabei zeigte sich immer wieder, dass bei der Überleitung in den ambulanten Bereich vieles auf der Strecke bleibt und die Patienten mit ihren Problemen oft allein da stehen." Als der Sitz in Oberröblingen vakant und die medizinische Versorgung in dieser Region damit zum Problem wurde - ein Protestschreiben gegen die Praxisschließung mit 2000 Unterschriften hatten die Oberröblinger an die KVSA geschickt -, kam es zur schnellen Einigung.

Zusammenarbeit mit Kommunalpolitikern

Derzeit noch in der alten Arztpraxis wird das MVZ im Herbst in ein neues Domizil umziehen. "Der Bürgermeister hat bei der Suche nach größeren Räumlichkeiten geholfen. Wir haben Sprechzeiten und Leistungsspektrum erweitert, bieten nun auch EKG-Untersuchungen oder Diabetesschulungen an. Die Veränderung war also notwendig", berichtet Markus Knöfler.

Ihm war die Einbeziehung von Kommunalpolitikern wichtig. Nicht über Zusammenarbeit reden, sondern gute Konzepte umsetzen, dazu sucht der Mittdreißiger Verbündete, wo immer er sie vermutet: In anderen Arztpraxen, bei Pflegediensten, in Kliniken, Kommunen, dem Landkreis.

Ein Versorgungsmodell der Zukunft schwebt ihm vor, wo Ärzte in Voll- und Teilzeit arbeiten können, in das Fachärzte, Pflegedienste und -heime eingebunden sind, ein Modell, das angehenden Fachärzten eine strukturierte Weiterbildung ermöglicht. Als Vorbild diene ihm dabei das erfolgreiche und überregional bekannte Praxisnetz Herzogtum Lauenburg.

"Weiterbildung aus einer Hand"

Christian Hussels aus Allstedt hat bereits erste Erfahrungen gesammelt. Der Hausarzt hat eine Weiterbildungsbefugnis für 18 Monate. "Gemeinsam kümmern wir uns um die Nachwuchsgewinnung, unterstützen und organisieren die ambulante Weiterbildung aus einer Hand mit anschließender Beschäftigungsgarantie", so Knöfler. Miteinander reden und sich für Fachkräfte attraktiv machen, das seien die eigentlichen Schlüssel zum Erfolg, betont der MVZ-Geschäftsführer.

Beispiel: Magda Bunea, heute Hausärztin im MVZ Oberröblingen, lebt in Berlin. "Sie wollte nicht umziehen. Hier risikolos zu praktizieren, konnte sie sich vorstellen. Wir sind ihr entgegengekommen. Nun passt alles."

Attraktives Angebot für Mediziner

Einem anderen Arzt, der noch im August in Oberröblingen einsteigen will, hilft Knöfler mit Unterstützung der Kommune bei der geeigneten Haussuche, der Umzug wird organisiert. Die Tochter, die gegenwärtig noch in Westfalen lebt, aber in die Region ziehen will, erhält Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Krankenhaus für ihre Facharztweiterbildung.

Für andere Mediziner könnte das Angebot, innerhalb der Stiftung für Mangelernährung wissenschaftlich mitzuarbeiten, hier etwa ein Promotionsthema und entsprechende Unterstützung zu finden, durchaus attraktiv sein. "Es gibt so viele Möglichkeiten. Wir sind offen für alles und für jeden Partner, der mitziehen will."

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