Ärzte Zeitung, 27.03.2013

Kommentar zu diagnostischen Fehlern

Arzt in der Zeitfalle

Von Elke Oberhofer

In Deutschland kann sich ein Arzt derzeit für jeden Patienten im Schnitt sieben Minuten Zeit nehmen. Der bürokratische Aufwand, der pro Patient zu leisten ist, nahm bisher etwa weitere zwölf Minuten in Anspruch. Mit der Einführung des Patientenrechtegesetzes wird sich dieses Missverhältnis noch verschärfen.

Wenn eine Studie aus den USA jetzt als eine der Hauptursachen für Diagnostikfehler Versäumnisse bei der Anamneseerhebung ausmacht, muss man sich eines fragen: Ist den Patienten in Deutschland mit dem Paragrafenwerk wirklich gedient? Mit der Verpflichtung, jede vorgenommene Maßnahme umgehend im Detail zu dokumentieren, wird der Zeitaufwand für Schreibarbeiten massiv steigen.

Es bleibt also immer weniger Zeit für das Patientengespräch, das ja die Grundlage für eine vernünftige Diagnostik darstellt. Was die US-Studie noch ergeben hat: Die Ärzte hatten offenbar des Öfteren bei der Dokumentation geschludert.

Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Der Arzt soll mehr dokumentieren, hat aber gerade deswegen weniger Zeit, Informationen einzuholen, die er für ein zielgerichtetes Vorgehen benötigt. Aus diesem Dilemma gibt es nach der derzeitigen Rechtslage kein Entrinnen.

Lesen Sie dazu auch:
US-Forscher decken auf: Die Rangliste der Arzt-Irrtümer

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »