Ärzte Zeitung App, 13.12.2013

Qualitätsmanagement

Kostgänger oder Kostensenker?

Qualitätsmanagement im Krankenhaus kostet Geld. Doch die Sache lohnt sich, denn QM ist auch eine Antwort auf den Kostendruck.

Von Christian Beneker

HANNOVER. Qualitätsmangement (QM) spart Geld. Hätten die Krankenhäuser früher auf Qualitätsmanagementsysteme gesetzt, stünden sie heute vielleicht finanziell besser da.

"Denn jeder vermiedene Fehler erhöht nicht nur die Patientensicherheit, sondern spart gleichzeitig mitunter hohe Folgekosten", erklärte Dr. Brigitte Sens auf dem 10.Forum des Zentrums für Qualität und Management im Gesundheitswesen (ZQ) in Hannover.

Sens ist Leiterin des ZQ, einer Einrichtung der Landesärztekammer Niedersachsen. Eine qualitativ hochwertige und sichere Versorgung der Patienten sei auch wirtschaftlich - so das Leitthema des Forums.

Rund 17.000 Patienten im Jahr sterben an Behandlungsfehlern. "Bei 0,1 Prozent der Klinik-Aufnahmen treten tödliche unerwünschte Ereignisse ein", sagte Dr. Barbara Hofmann vom Aktionsbündnis Patientensicherheit Berlin.

"Die Zahlen sind natürlich erschütternd. Aber eine bessere Evidenz haben wir nicht." Allerdings habe sich der Umgang mit der Thematik zum Besseren geändert, waren sich Sens und Hoffmann einig.

Um besser zu werden und Geld zu sparen, setzten die Referenten des Forums zum Beispiel auf Checklisten und genau definierte Arbeitsabläufe im Krankenhaus. Instrumente, die noch längst nicht Routine in allen deutschen Kliniken sind. Dabei würden Checklisten und Fahrpläne die Fehlerquote deutlich senken.

"Null critical incidents bei Frühgeborenen in Oldenburg"

So werden beispielsweise Frühgeborene im Klinikum Oldenburg erfolgreicher als früher behandelt. "Bei der Frühgeborenenversorgung liegt jedes Medikament fertig aufgezogen bereit", berichtete Sens.

Checklisten definieren, wie die Erstversorgung genau zu erfolgen hat, oder regeln die Informationen an die Kinderärzte. "Wir können uns inzwischen über sehr gute Ergebnisse freuen," resümierte Sens, "wir haben in Oldenburg zum Beispiel bei den Infektionen null critical incidents."

Bezeichnenderweise gebe es als Beleg für den Zusammenhang von Qualität und Sparsamkeit jedoch keine deutschen Studien. "Aber ausländische Studien zeigen, dass die Verhütung von Infektionen oder Vergabefehlern bei Medikamenten eindeutig Geld spart."

Deshalb forderte Sens auch für Deutschland: "Wir müssen die täglichen Abläufe optimal organisieren." Nur so könne man schließlich die Mitarbeiter im Krankenhaus entlasten, mehr Sicherheit und mehr Zeit für die Zuwendung zu den Patienten gewinnen.

Allerdings gibt es Qualität nicht zum Nulltarif. "Die Kliniken sind in einer finanziell schwierigen Lage", räumte Sens ein.

Kein Spielraum für QM-Maßnahmen?

Das sieht Professor Benno Stinner, Vorsitzender des Niedersächsischen Landesverbandes der leitenden Krankenhausärzte, genauso: "Die Unternehmen haben finanziell keinen Spielraum mehr."

Er forderte, das DRG-System zu überarbeiten. Auch Barbara Hofmann fordert finanzielle Zuschläge für QM in Kliniken.

Dass man das Pferd sinnvollerweise auch von hinten aufzäumen kann, berichtete Dr. Martin Memming. Er ist ärztlicher Direktor am Robert-Koch-Klinikum in Gehrden.

"Klar haben wir auch wirtschaftliche Themen, wie zum Beispiel den niedrigen Landesbasisfallwert in Niedersachsen. Aber der wirtschaftliche Druck hat uns dazu gebracht, uns zu bewegen."

Memming hat also die Arbeit an der Qualitätsverbesserung auch deshalb aufgenommen, weil er zu wenig Geld hat. So wurde in Gehrden ein "critical incident report system" (CIRS) installiert, ein Meldesystem für Beinahe-Fehler.

"Und zwar über alle Hierarchiestufen!", betont Memming. "Wenn der Chef von seinen Beinahefehlern berichtet, dann berichten auch die anderen im Team leichter."

Sowohl in der Entscheidung einen Qualitätsprozess im Haus in Gang zu setzen, als auch bei der Umsetzung, müsse der Impuls von der Leitung kommen. Memming: "Meine Hoffnung ist jedenfalls, dass die leitenden Ärzte der Krankenhäuser in Zukunft beim Thema QM nicht mehr die Decke über den Kopf ziehen."

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