Ärzte Zeitung, 02.02.2007

Wer Handwerker online sucht, kann hereinfallen

Dumpingpreise weisen häufig auf mangelnde Qualifikation des Anbieters hin / Wenig Chancen für Reklamationen

NEU-ISENBURG. Kostenvoranschlag zu hoch? Schlechte Erfahrungen mit dem Klempner um die Ecke? Wer für seine Praxis oder zu Hause einen Handwerker sucht, kann seinen Auftrag auch über eine Onlineauktion vergeben. Das Geschäft hat allerdings seine Tücken.

Von Kai Althoetmar

Websites wie Quotatis.de, My-Hammer.de, Undertool.de, Blauarbeit.de oder Jobdoo.de bringen Auftraggeber und Handwerker zusammen. Dazu registrieren sich die Kunden, beschreiben den Auftrag, Handwerker geben ihre Gebote ab, der billigste oder vermeintlich beste bekommt den Zuschlag. Auch andere Dienstleister - vom Hausverwalter bis zum Übersetzer - lassen sich bundesweit über die Portale buchen.

Der Auftrag sollte möglichst genau beschrieben werden

Auftraggeber beschreiben den Auftrag möglichst konkret: mit Termin, Anforderungen an die Qualifikation des Handwerkers sowie Preisvorstellung. Beispiel: Wer tapezieren lassen will, sollte nicht nur die Größe der Praxis oder der Wohnung, sondern auch die Höhe der Wände angeben. Ob nach der Auktion ein Auftrag erteilt wird, entscheiden die Kunden.

Anders das Geschäftsmodell bei Quotatis: Die Website bietet keine Auktionen, sondern vermittelt Anfragen. Auftraggeber können kostenlos Anfragen einstellen und erhalten bis zu fünf Kostenvoranschläge von Handwerkern. Ein Vergabezwang besteht nicht.

Vielfach gehen Aufträge über Auktionsplattformen zu Dumpingpreisen weg, bei denen Meister oder Gesellen nicht mithalten können. Handwerkskammern sehen die Auktionen daher kritisch. "Der Wettbewerb ist nicht marktgerecht", sagt Rolf Göbels vom Westdeutschen Handwerkskammertag. In den Ausschreibungen fehlten oft Details. Vor allem am Bau sollten Handwerker den Preis vor Ort kalkulieren - und nicht über vage Internetangaben. Nach Dumping riechen Aufträge wie "Wohnung streichen", den ein Mönchengladbacher für 400 Euro bei Jobdoo.de einstellte. Drei Tage vor Auktionsende lag das niedrigste Gebot bei 174 Euro für eine Dreizimmerwohnung. Göbels: "Seriös ist das nicht zu machen." Professionelle Anbieter verlangen für solche Dienste das Doppelte und Dreifache. Auf der Website wird behauptet: "Jobdoo.de prüft alle eingestellten Angebote auf eine seriöse Preisvorstellung". Unseriöse Angebote würden ebenso aus dem Netz genommen wie unseriöse Niedrigstgebote.

Bewertungsforen sollen die Auswahl erleichtern

Manche Plattformen verlangen von teilnehmenden Handwerkern den Gesellen- oder Meisterbrief, zumindest aber den Gewerbeschein, andere verzichten darauf. Letztlich muss sich der Auftraggeber selbst ein Bild vom Dienstleister machen, ihn auswählen und Kontakt zu ihm aufnehmen. Bewertungsforen nach dem Vorbild des Auktionshauses Ebay erleichtern die Auswahl. Sie geben Auskunft, wie zufrieden Kunden waren. Ob Auftraggeber am Ende sparen, ist fraglich - vor allem wenn der Billigheimer bei späteren Mängeln nicht mehr greifbar ist. Oft landet der Pfusch am Ende bei den Gutachtern der örtlichen Handwerkskammern.

STICHWORT

Provisionen

Die Provisionen, von denen viele Portale leben, zahlen - je nach Website - Auftraggeber oder Dienstleister. Bei Quotatis.de zum Beispiel fallen für Auftraggeber keine Gebühren an, Handwerker zahlen je erhaltene Auftragsanfrage neun Euro. Damit investieren Handwerker nach Angaben des Portals gezielt in Aufträge anstatt ihr Budget für breiter aufgestellte Marketingmaßnahmen wie einen Eintrag in ein Branchentelefonverzeichnis auszugeben.Von der Reichweite solcher Verzeichnisse sind die Plattformen mit ihren Nutzerzahlen aber noch sehr weit entfernt.

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