Ärzte Zeitung online, 02.06.2008

Klagen über Pfusch-Operationen: Schönheitschirurg vor Gericht

PARIS (dpa). Schlecht sitzende Silikonbrüste, anhaltende Schmerzen und zahlreiche Narben: wegen Betrugs und fahrlässiger Körperverletzung muss sich ein französischer Schönheitschirurg seit Montag in Marseille vor Gericht verantworten.

Mehr als 90 Patienten haben nach Gerichtsangaben Klage gegen den 59-Jährigen eingereicht, der sie zwischen 2000 und 2004 operiert hatte. Er soll auch Frauen bedroht haben, damit sie ihre Klagen zurückziehen. Im vergangenen Jahr hatte der Ärztebund den Mediziner ausgeschlossen.

Frauen klagten, dass er bei Operationen kaum oder keine Narkose eingesetzt habe und die Operation "wie eine Tortur" gewesen seien. Eine Klägerin, die sich Fett absaugen lassen wollte, lag bei örtlicher Betäubung neun Stunden lang auf dem Operationstisch. Bei anderen gab es Infektionen, blutende oder tagelang nässende Wunden. Ein Mann leidet seit einer Nasenoperation an Atembeschwerden.

Die Anwälte des Chirurgen, der seit 1974 praktizierte, sprachen von "Berufsneid" und von der Weigerung der Patientinnen, die Rechnungen zu bezahlen. Dem Angeklagten droht eine Haftstrafe von vier Jahren. Der Prozess soll zwei Wochen dauern.

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