Ärzte Zeitung, 29.07.2008

Hausbesitzer müssen Abwasserrohre prüfen lassen

Bis Ende 2015 sollen Grundeigentümer ihre Leitungen auf Schäden hin überprüfen  /  Reparatur kann leicht 10 000 Euro kosten

BERLIN (hai). Bis spätestens Ende 2015 müssen Eigenheimbesitzer die Abwasserrohre auf ihren Grundstücken kontrollieren und im Fall eines Defekts reparieren lassen. Die Kosten können bis zu 10 000 Euro betragen. Immobilienkäufer sollten darauf achten, dass die Leitungen ihres neuen Heims bereits geprüft wurden.

"Mindestens 60 Prozent aller Abwasserleitungen auf Privatgrundstücken sind marode", zitiert Johannes Lohaus, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), das Ergebnis verschiedener Studien. Fäkalien könnten deshalb das Grundwasser verunreinigen. Die Bundesregierung hat über das Wasserhaushaltsgesetz deshalb alle Grundeigentümer verpflichtet, bis Ende 2015 ihre Leitungen von Fachfirmen kontrollieren und - wenn nötig - reparieren zu lassen.

Manche Kommunen haben die Frist sogar drastisch verkürzt

Manche Kommunen haben die Frist sogar auf Ende 2009 oder 2010 verkürzt. "Sie wollen sicherstellen, dass etwa notwendige Reparaturen an den privaten Leitungen erfolgen, bevor der kommunale Abwasserkanal saniert wird", erläutert Markus Fliege, Sprecher des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums. Ausgenommen von der Kontrollpflicht sind neue Gebäude, bei denen das Abwasserrohr vor dem Anschluss an das öffentliche Kanalnetz einer Druckprüfung unterzogen wurde.

Kritiker: Kontrollpflicht ist reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Die Kontrolle der Rohre koste "zwischen 500 und 1500 Euro", hat die Stadt Düsseldorf ermittelt. Bei größeren Grundstücken mit langen Abwasserleitungen könne "dieser Rahmen erheblich überschritten werden". Mehr als 17 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in Deutschland. Bei einem Durchschnittspreis von 1000 Euro pro Kontrolle beliefen sich die Kosten auf über 17 Milliarden Euro.

Angesichts dieser Summe steht für Alexander Blazek, Direktor des Eigentümerverbands Haus & Grund in Schleswig-Holstein, fest: "Hier geht es nicht um Umweltschutz, sondern um eine milliardenschwere Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Handwerk und Industrie." Alle Studien über die angeblich maroden Abwasserleitungen seien allein Mutmaßungen, kritisiert Blazek: "Wie kann jemand seriös behaupten, 60 Prozent aller Leitungen seien defekt, wenn bislang kaum ein Abwasserrohr auf einem Privatgrundstück kontrolliert worden ist?"

Eine Reparatur des Abwasserrohrs koste etliche tausend Euro, weiß Jürgen Upmeyer, Geschäftsführer Haus & Grund in Ostwestfalen-Lippe. Bei größeren Grundstücken mit längeren Leitungen seien schnell 10 000 Euro fällig. "Dadurch entsteht ein erhebliches Missbrauchspotenzial", warnt Upmeyer. Kontrolliert werden die Rohre in der Regel mit einem Miniroboter, auf dem eine Videokamera montiert ist. "Unseriöse Firmen könnten falsche Bilder vorlegen, um einen Reparaturbedarf zu simulieren, der gar nicht vorhanden ist", sagt der Geschäftsführer.

Erste Betrugsfälle gibt es bereits, bestätigt DWA-Chef Lohaus. "Einigen Grundeigentümern wurden von kriminellen Firmen bereits Rechnungen für Prüfung und Reparatur ihres Abwasserrohres präsentiert, obwohl sie einen solchen Auftrag nie vergeben haben."

Eigenheimbesitzer sollten mit der Prüfung nur Firmen beauftragen, die von der Kommune, der Handwerks- oder der Industrie- und Handelskammer empfohlen werden, rät Upmeyer. "Außerdem sollte der Hausbesitzer bei der Kontrolle dabei sein und selbst auf dem Videomonitor prüfen, ob vermeintliche Schäden tatsächlich vorhanden sind."

Auch Eigenheimerwerber sollten die Prüfpflicht bei einem Immobilienkauf berücksichtigen, rät ein Makler.

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