Ärzte Zeitung online, 07.08.2008

Bundesgerichtshof will härtere Strafen für Metamphetamin-Handel

KARLSRUHe (mwo). Der Handel mit dem Betäubungsmittel Metamphetamin wird bald voraussichtlich schärfer bestraft. Die Party-Droge, die in der Szene als "Chrystal-Speed", "Ice" oder "Shabu" verkauft wird, sei von der Justiz bislang unterschätzt worden, räumt der Zweite Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) in einem Beschluss ein. Bei den Kollegen der anderen Strafsenate fragten die Karlsruher Richter deshalb an, ob sie sich einer schärferen Gangart anschließen wollen.

Der Angeklagte hatte in mindestens fünf Fällen jeweils über 20 Gramm Metamphetaminhydrochlorid aus den Philippinen verkauft. Nach bisheriger Rechtsprechung hätte der Mann lediglich wegen Handels mit Betäubungsmitteln "in geringer Menge" verurteilt werden können, denn der BGH hatte 2001 die Grenze bei 35 Gramm Metamphetaminhydrochlorid (entspricht 30 Gramm Metamphetaminbase) gezogen. Nach der Anhörung von Sachverständigen war das Landgericht Frankfurt davon bewusst abgewichen und hatte den Mann wegen Handels "in nicht geringen Mengen" zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt.

Der Zweite BGH-Strafsenat hörte weitere Sachverständige an und will dem nun zumindest im Grundsatz folgen. Zur Berechnung der nicht mehr geringen Menge gehen die Karlsruher Richter von 200 Konsumeinheiten in einer für nicht gewohnte Konsumenten gesundheitsgefährdenden Dosis aus. 2001 hatte sich der BGH dabei an der Wirkstoffgrenze für andere Amphetaminderivate orientiert.

Dies sei nach heutigen Erkenntnissen aber nicht sachgerecht, stellte nun der Zweite Strafsenat fest, "vielmehr entsprechen Wirkung und Gefährlichkeit von Metamphetamin eher derjenigen der Kokainzubereitung ‚Crack'." Metamphetamin sei deutlich toxischer als andere Amphetamine und zudem inhalierbar, was die Droge nochmals gefährlicher mache, so die Sachverständigen. Die neue Grenze will der Zweite Strafsenat daher bei fünf Gramm Metamphetaminbase oder sechs Gramm Metamphetaminhydrochlorid festsetzen.

Folgen dem auch die anderen Strafsenate, wird der Handel mit "Chrystal-Speed" künftig deutlich härter bestraft. Das Betäubungsmittelgesetz sieht für den Handel in "nicht geringen Mengen" eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr vor, für die Einfuhr von mindestens zwei Jahren. Dagegen beginnt "in minder schweren Fällen" das Strafmaß schon bei drei Monaten Haft.

Stichwort Metamphetamin:

Metamphetamin entsteht aus Amphetamin durch Methylierung der Aminogruppe. Der Stoff wurde wurde vor gut 120 Jarhen zum ersten Mal hergestellt. Einige Jahre gab es den Wirkstoff auch als verschreibungspflichtiges Medikament. Er wurde genutzt zur Kreislaufstimulierung bei Hypotonie, Vergiftungen mit Kolenmonoxid oder Schlafmitteln, aber auch als leistungssteigerndes Dopingmittel. Doch wegen der hohen Suchtgefahr wurden die Medikamente vom Markt genommen.

Auf dem Drogenmarkt wird der Stoff etwa unter den Namen "Crystal", "Yaba" oder "Ice" verkauft; er wird geschluckt, geschnupft oder gespritzt. (gwa)

(Quelle: http://www.drug-encyclopedia.eu)

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