Ärzte Zeitung online, 17.09.2008

Urteil: 30 000 Euro Geldbuße und Berufsverbot für Arzt wegen versuchten Totschlags

MANNHEIM (dpa). Ein Mannheimer Arzt ist nach dem Tod einer 82 Jahre alten Patientin wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Außerdem verhängte das Mannheimer Landgericht am Dienstag ein Berufsverbot von fünf Jahren. Zudem muss der 64-Jährige 30 000 Euro Geldbuße während der Bewährungszeit zahlen.

Nach Überzeugung der Richter hat der Arzt 2003 bei der Patientin die Diabetes-Medikamente abgesetzt sowie ihre Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr stark verringert. "Die Kammer ist überzeugt, dass es sich um keine Sterbehilfe handelt", sagte Richter Ulrich Meinerzhagen. Anders als die Staatsanwaltschaft bewertete das Gericht die Tat jedoch nicht als versuchten Mord.

Gericht: Die Diabetikerin hat nicht im Sterben gelegen

Dem Gericht zufolge hat die Seniorin nicht im Sterben gelegen. Ihr Zustand habe sich zwar unter anderem aufgrund einer Demenzerkrankung verschlechtert. "Es gab aber keine dramatische Änderung. Und sie war keine Sterbende", betonte Meinerzhagen. Auch für eine passive Sterbehilfe habe es keinerlei Veranlassung gegeben.

Der Mediziner hatte dagegen ausgesagt, er habe das Leid der Frau lindern wollen (wir berichteten).

Vor Gericht war ihm ein "gewisses Maß an Selbstüberschätzung" vorgeworfen worden. Ohne sich Rat bei einem Kollegen oder Experten der Palliativmedizin zu holen, habe er eigenmächtig die Medikamente der Frau abgesetzt. Die Nahrungszufuhr sei so niedrig gewesen, dass ein Hunger- oder Durstgefühl nicht ausgeschlossen werden könne. Mit seiner Behandlung habe er "gegen jede Regel der ärztlichen Kunst verstoßen", hielt Meinerzhagen dem Mediziner vor.

Die 82-Jährige war im Juli 2004 an Nierenversagen gestorben. Es ließ sich jedoch nicht lückenlos klären, wie eng ihr Tod und das Handeln des Arztes zusammenhingen. Darum war Anklage wegen versuchten Mordes erhoben worden (wir berichteten). Weil er während der Ermittlungen eine gefälschte Patientenverfügung vorgelegt hatte, wurde der Arzt zudem wegen Urkundenfälschung verurteilt.

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