Ärzte Zeitung online, 20.10.2008

Patientenakten frei zugänglich - oder doch vorschriftsmäßig gelagert?

NEU-ISENBURG (eb). Nach Medienberichten sind in einer Halle auf der Leipziger Alten Messe Patientenakten aus Krankenhäusern entdeckt worden. Die vertraulichen Akten stammen angeblich aus Krankenhäusern in Hofgeismar, Karlsruhe, Kassel, Minden und Offenbach.

Allerdings sollen die Akten vorschriftsmäßig gelagert worden sein. Die betroffene Datenverarbeitungsfirma und der Vermieter der Halle wiesen anderslautende Meldungen zurück, wie MDR Info berichtet. Die Akten seien nicht frei zugänglich gewesen und sollten in Leipzig digitalisiert werden.

Bilder von Kartonstapeln, die Akten enthalten, veröffentlichte hr online. Die Fotos der Akten sollen aber bei einem Einbruch entstanden sein. Die für die Lagerung der Akten zuständige Firma DMI mit Hauptsitz in Münster macht dafür eine Konkurrenzfirma verantwortlich.

Die Aussage eines Mitarbeiters einer sächsischen Firma für Aktenvernichtung jedenfalls brachte die Geschichte an die Öffentlichkeit. Nach seinen Angaben hatte er eine Trennwand zu den Akten ohne Mühe überwinden und den Bereich ungehindert fotografieren können.

Der Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe, Dieter Daub, kündigte zunächst an, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe gegen das beauftragte Unternehmen zu stellen. Ob er weiter an diesem Vorhaben festhält, ist nicht bekannt. Das Klinikum arbeitet seit zweieinhalb Jahren mit der betroffenen Firma zusammen. Bislang gab es nach Aussage Daubs keinen Grund zu Beanstandungen.

Update 20. Oktober 2008, 15.44 Uhr:
Nach Angaben der Leipziger Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft (LEVG), die die Alte Messe in Leipzig betreibt, lagern die Akten unzugänglich für Dritte in der Halle. „Nur der betroffene Mieter und Eigentümer haben Zutritt. Ein Wachdienst kontrolliert das Gelände rund um die Uhr“, sagte Sprecher Oliver Obermann von Immo Media Consult auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“. Die LEVG fühle sich als Vermieter aber nicht für den Datenschutz des Mieters verantwortlich.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »